Aachen: Konzept zur Verkehrsführung: Beklatschte Vorschläge vom ADFC

Aachen : Konzept zur Verkehrsführung: Beklatschte Vorschläge vom ADFC

Der CDU-Verkehrsexperte Jörg Lindemann mahnte, „nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen“. Das Wort schmälerte aber keineswegs den Beifall der Politik, den im Bürgerforum Vorschläge des ADFC Aachen (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) zum Verkehr in Aachen fanden.

Seit acht Jahren müht sich die Stadt, den Radverkehr attraktiver zu machen. Gefruchtet haben die Anstrengungen eher wenig. In der Vorlage für das Bürgerforum stellt die Verwaltung fest: „Die bisherigen Bemühungen zur Förderung des Radverkehrs in Aachen sind noch nicht so umfassend, dass sie einen erheblichen verkehrlichen Effekt bewirken konnten für eine Verlagerung von Fahrten vom Pkw auf das Fahrrad.“

Zahlen belegen die Einschätzung: Betrug der Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr im Jahr 1991 in Aachen zehn Prozent, kletterte er in den 20 Jahren bis 2011 auf mäßige elf Prozent. Im Luftreinhalteplan der Stadt ist im „Modal-Split“ (Fachjargon für die Anteile aller Teilnehmer am Straßenverkehr) vorgesehen, den Radverkehrsanteil bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu steigern. Von dem heute überschaubaren Elf-Prozent-Radler-Anteil „fühlt sich die Hälfte auf dem Rad nicht sicher“, wie Steffen van Bergerem vom ADFC im Bürgerforum vortrug.

In einer kurzen Power-Point-Präsentation fasste van Bergerem eine mehr als 30 Seiten starke Ausarbeitung zusammen, in der der ADFC detailliert eine „Verkehrsführung für mehr Lebensqualität in Aachen“ konzipiert. Im Kern enthält sie vier Vorschläge:

Erstens: Verringerung des Kfz-Durchgangsverkehrs auf dem Grabenring.

Zweitens: Verringerung des Parksuchverkehrs und Verlagerung des Parkens vom öffentlichen Straßenraum auf P+R-Plätze und Parkplätze in Parkhäusern.

Drittens: Tempo 30 auf dem Grabenring, der Wüllnerstraße, Malteserstraße, Friesenstraße, Marienbongard, Pontdriesch und Pont-straße zwischen Kreuzherrenstraße und Ponttor sowie auf der Sandkaulstraße.

Viertens: Erstellen eines Fahrradstraßennetzes in der Innenstadt.

Der ADFC belässt es nicht bei Forderungen. An anschaulichen Beispielen aus „Fahrradstädten“ wie Münster, Freiburg und Kopenhagen zeigte van Bergerem, wie der Umbau zu einer Stadt mit mehr Lebensqualität gelingen könnte. Der ADFC versteht sein Konzept auch als „Beitrag zum Luftreinhalteplan der Stadt Aachen“. Die ausführliche Studie umfasst sowohl Vorschläge für einen Rückgang des motorisierten Individualverkehrs wie auch für eine Senkung der Höchstgeschwindigkeit in der Innenstadt und erarbeitet regelrechte „Fahrradstraßen“ à la Freiburg für ein „durchgängiges und sicheres“ Radverkehrsnetz.

Wenn den Verkehrspolitiker Jörg Lindemann der ADFC-Vorschlag, den Grabenring ähnlich wie heute schon am Elisenbrunnen an weiteren drei oder vier Stellen für den Kfz-Verkehr zu sperren, zu seinem Kanonen-Spatzen-Bild drängte, so ist aber auch für ihn klar: „Wir müssen in der Tat den Radverkehr auf dem Grabenring sicherer machen.“ Der Beifall für den ADFC war fraktionsübergreifend. Margret Vallot (Piraten) zeigte sich „begeistert von den sehr klugen und ausgedachten Maßnahmen“. Das Konzept könne „viel an Lebensqualität erhalten und steigern“. Tempo 30 in der Innenstadt sei „dringend erforderlich“, denn, so Vallot: „Der öffentliche Straßenraum gehört uns allen.“

Sabine Neitzel vom VCD-Kreisverband Aachen-Düren (Verkehrsclub Deutschland) dankte dem ADFC für das „super dargestellte Konzept“ und wünschte ihm eine „politische Mehrheit“. Der VCD hatte schon im vergangenen September im Bürgerforum ebenfalls ein „Radvorrangroutennetz“ angeregt. SPD-Verkehrsexpertin Ye-One Rhie „freut“ sich auf die Diskussion über das ADFC-Konzept im Mobilitätsausschuss.

An den Mobilitätsausschuss und an die Bezirksvertretung Aachen-Mitte nämlich verwies das Bürgerforum das ADFC-Papier zur weiteren Beratung. Einstimmig der Beifall: „Das Bürgerforum bedankt sich für die detaillierte Ausarbeitung des ADFC und seine Bemühungen um mehr Lebensqualität in Aachen.“

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