Kongress zum Weltfrauentag in Stolberg

Chancen und Risiken der Arbeitswelt von morgen : Wo Frauen längst „ihren Mann“ stehen

„Die Zeit ist gekommen, wo Frauen mitmachen können, und sie müssen mitmischen, sonst ändert sich nichts“, meinte Prof. Christiane Angießen, Geschäftsführerin Region Aachen Zweckverband, mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und deren Folgen. „Frauen müssen keine Angst vor diesem Prozess haben“, war der Tenor des Kongresses, zu dem am Weltfrauentag verschiedene Organisationen in den Zinkhütter Hof in Stolberg eingeladen hatten.

Die Resonanz war groß, auch wenn überwiegend Frauen der Einladung gefolgt waren. Und beim Eingangstalk auf der Bühne zeigte sich schnell, dass Alt und Jung nicht zwangsläufig das selbe Frauenbild haben. „Ich verstehe gar nicht, warum wir bei Fragen wie der Digitalisierung zwischen Männern und Frauen unterscheiden“, meinte beispielsweise Nicolina Praß, junge Geschäftsführerin der ITA Academy, die Firmen beim Prozess der Digitalisierung unterstützt.

Ihrer Meinung nach spielt im Beruf nicht das Geschlecht, sondern allein die Qualifikation eine Rolle. Und Dagmar Wirtz, geschäftsführende Gesellschafterin der 3 WIN Maschinenbau GmbH Aachen, ist ebenfalls ein Beispiel für eine dynamische, junge Frau, die als Unternehmerin ganz selbstverständlich „ihren Mann“ steht. Von der Digitalisierung verspricht sie sich vor allem auch, dass Frauen und Mütter durch die neuen Medien einfacher und flexibler arbeiten können. In den mittelständischen Unternehmen sei die Digitalisierung aber noch gar nicht richtig angekommen, fügte sie noch hinzu.

Ministerin als Schirmherrin

Als Schirmherrin der Veranstaltung zeigte sich auch die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ina Scharrenbach, optimistisch. „Es gibt gerade in den mittelständischen Unternehmen viele gute Beispiele dafür, wie Frauen gefördert werden“, sagte sie. Diese Beispiele sichtbar zu machen und den Austausch der Unternehmen untereinander zu fördern, sei eines der Ziele des Ministeriums. Die Vertreterinnen der jüngeren Generation haben offensichtlich einen sehr viel optimistischeren Blick auf die Rolle der Frau in der Arbeitswelt 4.0 als die älteren. Laut Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, wirken nach wie vor alte Erziehungsmuster, die Mädchen auch heute noch vom MINT-Bereich eher fernhalten.

Sie geht davon aus, dass viele der sogenannten Frauenberufe in Zukunft wegfallen werden, und fordert entsprechend spezielle Qualifizierungsangebote für Frauen, die zudem familienfreundlich sein sollten. Insgesamt war von Zukunftsangst mit Blick auf den Wegfall von Arbeitsplätzen aber wenig zu spüren. Im Gegenteil: Die Frauen auf dem Podium verstehen die Digitalisierung offensichtlich als große Chance. So sagte die Ministerin: „Ich schaue nicht sorgenvoll in die Zukunft. Es werden sicher Berufe wegfallen, aber dafür kommen auch neue dazu.“ Und Prof. Vaeßen zeigte sich gerade auch mit Blick auf junge Frauen sehr zuversichtlich. „Sie sind hervorragend ausgebildet, und sie wollen arbeiten“, sagte sie.

In Projektarbeit stark

„Ich mache das, ich probier‘ es aus.“ Solche Sätze sollten nach Meinung der Podiumsgäste immer mehr Frauen sagen, denn die würden gerne ja auch mal an sich zweifeln, wenn es darum gehe, Führungspositionen einzunehmen. „Dabei bietet gerade die Digitalisierung den Frauen ganz neue Chancen“, betonte Prof. Christiane Funken, Professorin an der TU Berlin. Frauen seien gerade in der Projektarbeit besonders stark, und die werde in Zukunft in den Unternehmen eine immer größere Rolle spielen.

Den Gästen im Zinkhütter Hof bot sich dann während des Tages bei verschiedenen Workshops ausgiebig Gelegenheit, das Thema „Digitalisierung“ zu vertiefen. Prof. Christian Scholz, Universität des Saarlandes, beeindruckte sein Publikum schon vorab mit seinen Ausführungen zur „Generation X“. Vor allem sein kurzer, humorvoller Blick auf vier Jugend-Generationen zeigte den Wandel der Zeit einmal unter ganz anderen Vorzeichen. Er startete mit den Baby-Boomern (1950 bis 1964) und zeigte abschließend großes Verständnis für die „Generation Z“: Die Jugend von heute (geboren nach 1995) lebt demnach in einer Zeit, in der nichts von Dauer und keine Zukunft planbar ist. Gerade deshalb würden die jungen Leute vor allem Sicherheit und Wohlbefinden einfordern.

Zahlreiche Anregungen

Und so bot der Kongress den Gästen zahlreiche Anregungen mit Blick auf die Arbeitswelt von morgen. Zwar waren die Frauen an diesem „Weltfrauentag“ eindeutig in der Überzahl, aber der ein oder andere Mann hatte sich doch auch dazu gesellt. Der Aachener Unternehmer Markus Frankenne fühlte sich beispielsweise durch den Titel der Veranstaltung angesprochen. „Ich kann hier sicher einiges mit Blick auf meine Mitarbeiterinnen mitnehmen“, sagte er. Außerdem habe er eine 14-jährige Tochter, und da versteht sich das Interesse an dem Thema offensichtlich von selbst.

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