Kommt ein Neubau an der Kreuzung Siegel oder an Camp Hitfeld?

Brandschutz in Aachen : Wohin mit der neuen Feuerwache?

89,6 Prozent: Das ist der Anteil der Stadt Aachen, den die Feuerwehr – Stand jetzt – rechnerisch innerhalb von acht Minuten erreicht, wenn es brennt. Um den Wert zu verbessern, soll im Süden eine neue Wache gebaut werden.

Im Gespräch sind derzeit zwei Standorte: Der Bereich an der Kreuzung Siegel und Camp Hitfeld, wobei die Stadt die Kreuzung in Burtscheid präferiert. In einer Sondersitzung des städtischen Umweltausschusses haben die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen die Verwaltung beauftragt, beide Standortalternativen „in einer ganzheitlichen Betrachtung gegenüberzustellen“.

Die Zahlen im Gutachten, das die Ingenieure von „antwortIng“ aus Köln für die Stadt Aachen fertiggestellt haben, sprechen für sich: Kommt eine neue Wache im Bereich Siegel, verbessert sich die Abdeckung des städtischen Brandschutzes von aktuell 89,6 Prozent auf dann 94,9 Prozent. Konkret bedeutet das: Derzeit kann die Wehr knapp 220.400 Aachenerinnen und Aachener innerhalb von acht Minuten erreichen, wenn es brennt. Mit einer Wache an Siegel wären es schon deutlich mehr: 233.000 Menschen.

Auch mit einer neuen Wache im Bereich der ehemaligen Kaserne Camp Hitfeld würde sich die Abdeckung im Brandfall deutlich verbessern: auf insgesamt 93,2 Prozent oder 229.100 Menschen. Doch eine Diskrepanz von knapp 3900 Menschen bleibt im Vergleich zu einer Wache an Siegel.

Auch Kernstadt profitiert von Siegel

Nicht nur das ist für den für Feuerwehr zuständigen Dezernenten Markus Kremer der Grund, auch in Zukunft die Planungen für einen neuen Feuerwehrstandort Siegel voranzutreiben. „Wenn wir eine neue Wache der Berufsfeuerwehr am Standort Siegel realisieren, profitiert nicht nur der Aachener Süden davon“, sagt Kremer im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn auch die Innenstadt würde von dort aus sehr schnell erreicht. Wenn es also in der Kernstadt zu mehreren Einsätzen gleichzeitig käme, könnten sowohl die Wehrleute aus dem Süden als auch die von der Hauptwache an der Stolberger Straße ausrücken.

Hinzu kommen die unterschiedlichen Besitzverhältnisse: Der Bolzplatz an Siegel gehört der Stadt. Am Camp Hitfeld befindet man sich mit der Landmarken GmbH im Rechtsstreit darüber, wer das Camp nun der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben abkaufen darf. Im Raum stünde hier außerdem ein eventuell noch zu bauender Autobahnanschluss an die Autobahn 44 für die Feuerwehr. Teil des Gutachtens ist allerdings auch die Möglichkeit, dass bei einer neuen Wache auf Camp Hitfeld eventuell die Wache Süd in Kornelimünster aufgelöst werden könnte und nicht saniert werden müsste. „Das wäre so, als würde man an einer Bettdecke herumziehen, die ohnehin schon zu kurz ist“, mahnte Jürgen Wolff, Chef der Aachener Feuerwehr.

Der Grund dafür, dass die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen dennoch auf eine eingehendere Prüfung des Alternativstandorts Camp Hitfeld pochen, ist unter anderem finanzieller Natur: Die „Gesamtkosten beider Szenarien ebenso wie etwaige Erlöse“ seien darzustellen, steht in dem Vorschlag, dem der Umweltausschuss auch mit großer Mehrheit folgte. Insbesondere die „Betriebs-, Unterhaltungs- und Personalkosten für drei beziehungsweise vier Wachen sowie Sanierungs- und Umbaukosten für die bestehende Wache Süd“ seien unter die Lupe zu nehmen. „Wir denken, dass das zeitnah machbar ist“, sagte Iris Lürken (CDU). Gleichwohl betonten die Ausschussmitglieder mehrfach, dass es niemandem darum gehe, die Kosten einer neuen Wache gegen Menschenleben abzuwägen.

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