Aachen: Kommission untersucht die Unfallstelle

Aachen: Kommission untersucht die Unfallstelle

Auch drei Tage danach ist noch nicht geklärt, wie es zu dem verheerenden Zusammenstoß in der Nacht zum Samstag auf der Trierer Straße gekommen ist, bei dem fünf Menschen ihr Leben verloren.

Es gibt allerdings einige Anhaltspunkte, dass überhöhte Geschwindigkeit im Spiel gewesen ist. Der von einem 24-jährigen Soldaten aus Stolberg gelenkte Mercedes war - von Brand her kommend - in der Rechtskurve in den Gegenverkehr geraten und dort mit einem entgegenkommenden Opel Astra zusammengestoßen.

Die Tatsache, dass der Mercedes dabei in zwei Teile gerissen wurde, eines davon landete 40 Meter weiter in einer Wiese, und die Front des Mercedes weitgehend unversehrt war, deutet darauf hin, dass der schwere Wagen ins Driften geraten ist und seitlich von dem entgegenkommenden Opel getroffen wurde. Dies würde auch die Schwere der Unfallfolgen erklären. Ungeklärt ist für die Polizei auch noch, woher die Autos kamen und wohin man wollte. Die Leitplanken an der L 233 sind gar nicht einmal besonders beschädigt, zu erkennen ist die Unfallstelle vor allem durch die Grablichter, Blumen, Gestecke und andere Gegenstände, die auch am Montag noch von Angehörigen und Freunden niedergelegt wurden.

Weil ihre Zahl am Sonntag so groß gewesen war, dass es zu gefährlichen Situationen auf der an beiden Seiten von Leitplanken begrenzten Fahrbahn gekommen war, hatte die Polizei dort vorübergehend Tempo 30 eingerichtet. Diese Grenze wurde am Montag auf 50 km/h angehoben. Verkehrsexperten analysierten am Montag das schreckliche Geschehen, heute wird die Unfallkommission die Straße in Augenschein nehmen. Sie beschäftigen sich mit der Frage, ob der schreckliche Crash vermeidbar gewesen wäre, etwa durch eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 statt 70 Stundenkilometer. Auch werden sich die Vertreter von Polizei, Verkehrsbehörde, Baulastträger und Bezirksregierung mit der Frage beschäftigen, ob dort oft zu schnell gefahren wird, die Geschwindigkeit stärker kontrolliert werden muss oder bauliche Veränderungen vorgenommen werden müssen.

Bislang ist der Brander Berg nämlich nicht als Unfallschwerpunkt eingestuft. Seit 2002, teilt Polizeisprecher Paul Kemen mit, habe es zwischen Ringstraße und Indeweg keinen tödlichen Unfall gegeben. Seit Anfang 2008 haben sich insgesamt sieben Unfälle ereignet, davon drei mit Schwerverletzten. Anwohner sehen das jedoch anders.

Sie hatten schon 2006, als ein belgischer Pkw, der in ihre Vorgärten gekracht war und zuvor durch sehr hohe Geschwindigkeit aufgefallen war, von immer wiederkehrenden gefährlichen Situationen vor den Mehrfamilienhäuser 886 und 892 gesprochen und eine automatische Geschwindigkeitsüberwachung gefordert. Da es schwierig sei, von den tiefergelegenen Grundstücken aus die Straße einzusehen, habe sie sich angewöhnt, erst in Richtung Kornelimünster abzubiegen und später zu wenden, auch wenn sie in Richtung Brand fahren wolle, sagt Mareike Tegos: „Ich halte Tempo 50 für sinnvoll.”

Einfallschneise

Ein Haus weiter ist Klaus Schmidt („Ich bin selbst Motorradfahrer”) anderer Ansicht: „Es sind nur einzelne, die über die Stränge schlagen.” Ihm würde es reichen, wenn eine „Knipse” aufgestellt würde, die die Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern überwache. Schließlich sei die Trierer Straße besonders am Wochenende eine Einfallschneise für Disco-Besucher und niederländische Biker, die eine Eifeltour machten: „Dann ist der Teufel los.”

Große Betroffenheit über den schrecklichen Unfall herrschte am Montag auch im RWTH-Institut für Psychologie. Dozentin Eva-Maria Skottke beschäftigt sich mit dem Thema Verkehr: „Wir haben Unfallursachen bei jungen Fahrern untersucht.” Dass Männer bis 25 Jahre gefährdeter sind als Frauen, sei als Ergebnis wenig überraschend gewesen. Dass aber junge Mitfahrer, Musik, die Fahrt in der Nacht und der Zeitraum seit dem Führerscheinerwerb eine Rolle spiele, sei bis dahin nicht bekannt gewesen.

Sie plädiert für die Verlängerung der Lernzeit von Fahranfängern: „Nach drei Monaten Fahrschule werden sie losgelassen und dürfen 200 fahren.” Das begleitete Fahren mit 17 seit ein großer Schritt in die richtige Richtung. Folgen müssten weitere Restriktionen, etwa Geschwindigkeitsbeschränkungen.

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