Kommentiert: Wirklich unterirdisch

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Das große Pech des kleinen Bachs am Haarberg ist, dass ihn kaum einer kennt. Nicht mal einen Namen hat das rund 200 Meter lange Rinnsal, das von der Stadt längst zu einem banalen Kanalablauf degradiert worden ist. Muss man wirklich viel Aufhebens um dessen geplante Verrohrung machen? Ja, man muss!

Denn mit den nur zufällig bekanntgewordenen Plänen, das Fließgewässer endgültig unter die Erde zu verbannen, untergräbt die Stadtverwaltung gleich zwei Versprechen der großen Koalition. Bürgerfreundlich ist das jedenfalls nicht, was die betroffenen Anrainer dort erleben. Weder sind sie frühzeitig informiert worden, noch erhalten sie transparente Informationen, noch finden sie bislang Gehör. Stattdessen droht die Stadt den Grundstückseigentümern lieber hohe Sanierungskosten an und stuft das Bächlein als bedeutungslos ein.

Nichts bleibt damit von einem weiteren Versprechen der Koalition, die in ihrem Arbeitsprogramm wegen der „herausragenden ökologischen Funktion“ der Bäche auch „Bachfreilegungen“ unterstützen will. In Haaren könnte man diesem Ziel womöglich sogar durch Nichtstun näher kommen. Stattdessen wird den Anwohnern lieber an einem Lehrbeispiel vorexerziert, wie weit Reden und Handeln auseinanderliegen können. Und so hat der kleine Bach plötzlich doch eine große Bedeutung.

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