Kommentiert: Immenser Schaden

Kommentiert: Immenser Schaden

Bestechung? Korruption? Untreue? Klüngel? Es gibt zurzeit noch weitaus mehr Fragen als Antworten rund um die überbezahlten Personalräte in der städtischen und städteregionalen Verwaltung. Sicher ist bisher eigentlich nur eines: Die Stadt hat einem Ex-Personalratsvorsitzenden deutlich mehr Geld überwiesen, als ihm zustand.

Und auch die Personalverantwortlichen in der Städteregion scheinen zwei Personalräten zu nicht ganz sauberen Karrieren verholfen zu haben. Das wirft kein gutes Licht auf die Verwaltungsspitzen, die das zugelassen haben und so mit öffentlichen Geldern umgehen. Das wirft auch kein gutes Licht auf die Arbeitnehmervertreter, die das dankend angenommen haben.

Ob hier Straftaten vorliegen, werden Staatsanwälte und Gerichte klären müssen. Der materielle Schaden wird vermutlich irgendwann berechnet werden können. Möglicherweise können sogar die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Bleiben aber wird etwas Schlimmeres: ein immenser Vertrauensverlust.

Dass es Regeln und Gesetze für die Bezahlung von Betriebs- und Personalräten in Firmen und Verwaltungen gibt, hat einen guten Grund: Diejenigen, die die Interessen ihrer Kollegen vertreten sollen, sollen von Chefs und Vorgesetzten nicht gekauft werden können. Unter den fast 5000 Beschäftigten bei der Stadt und den rund 2000 Städteregionsmitarbeitern werden sich inzwischen allerdings viele fragen, wem sich die von ihnen gewählten Vertreter eigentlich verpflichtet fühlten.

Sie werden sich fragen, ob sie sich mit ihren Problemen am Arbeitsplatz noch an die Richtigen wenden und ob der Personalrat tatsächlich versucht rauszuholen, was rauszuholen ist — und zwar nicht für sich selbst, sondern für die Kollegen.

Dieses Misstrauen, diese Zweifel, diese Skepsis sind der wahre Skandal. Eine kleine verschwörerische Gruppe hat hier allem Anschein nach einen immensen Schaden angerichtet und den so wichtigen Einsatz der vielen ehrlichen und engagierten Personalräte in Misskredit gebracht. Man kann jetzt nur auf hartnäckige Ermittler hoffen, die uns am Ende erklären können, wer die augenscheinlich ungerechtfertigten Zahlungen veranlasst hat und was damit bezweckt wurde. Und mögen sie dafür sorgen, dass anschließend niemand mehr auf solche Ideen kommt.

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