Kommentiert: Die politischen Freibeuter

Kommentiert: Die politischen Freibeuter

Die Politik macht sich ihre eigenen mathematischen Regeln. So kommt es, dass FDP und Piraten dank des hare-niemeyerschen Zählverfahrens seit der gestrigen Ratssitzung jeweils mehr Sitze in den Aufsichtsgremien besetzt haben als die beinahe doppelt so starken Linken. Sitzeklau nennt das die Konkurrenz, die für die beiden Minifraktionen schon einen neuen Namen gefunden hat: Freibeuter.

Dass sich die FDP auf dieses ebenso merk- wie unwürdige Spielchen eingelassen hat, mag ihrem Bestreben geschuldet sein, den Absturz in Richtung Bedeutungslosigkeit abzufedern. Dass sich aber auch die aufstrebenden Piraten nicht zu schade sind, beim Poker um Einfluss und Posten bedenkenlos zuzulangen, hat schon eine besondere Qualität. Angetreten sind sie eigentlich, um den Kampf gegen den „Hinterzimmerklüngel“ aufzunehmen.

Doch genau in dieser Disziplin zeigen sich die Aachener Piraten gleich zum Auftakt ihres Fraktionsdaseins besonders versiert. Erst offenbaren sie in einem obskuren Streit um die Besetzung ihres — nach wie vor unbesetzten — Geschäftsführerpostens, welch bunter Haufen da zusammengekommen ist. Dann zeigen sie beim Einverleiben wichtiger Positionen einen beachtlichen Appetit. Kompliment: Seit kaum sechs Wochen im Besitz des Fraktionsstatus und schon zwei Mal im Fokus der Öffentlichkeit. Ganz ohne erkennbare Sacharbeit.

Die Piraten lehren uns, wie man sich auch ohne politische Haltung ins Rampenlicht schieben kann. Ob das aber die Sympathiewerte steigert?