Aachen: Knast-Klatsch lässt jungen Mann ausrasten

Aachen: Knast-Klatsch lässt jungen Mann ausrasten

Versuchter Totschlag, Bedrohung und gefährliche Körperverletzung - so lauten die Vorwürfe gegen einen 23-Jährigen, der sich seit Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer verantworten muss.

Es war der 18. Februar dieses Jahres: Der Angeklagte arbeitete seinerzeit in einer türkischen Bäckerei in der Innenstadt, mit einer Sondergenehmigung, weil er als gebürtiger Iraker allein in der Lage war, ein spezielles Brot zu backen. Das erzählt er jedenfalls dem Vorsitzenden Richter Dr. Gerd Nohl.

Denn eigentlich dürfte er in Deutschland gar nicht arbeiten, weil er nur geduldet ist. Im Gegensatz zu seiner Familie wurde ihm Asyl verweigert, weil sein Vorstrafenregister ellenlang ist. Es sind zwar „nur” Jugendstrafen, aber er saß auch schon zwei Mal im Heinsberger Jugendknast, immerhin so lange, dass er eine Lehre als Maler und Lackierer abschließen konnte.

Sex-Geschichte weitererzählt

Im Jugendknast saß auch ein heute 17-jähriger Aachener ein, der den Angeklagten „nur von weitem” kannte. Dieser junge Mann traf an einem Februartag die Ex-Freundin des 23-Jährigen und erzählte ihr den neuesten Knastklatsch. Der jetzt Angeklagte habe einen anderen während des Umschlusses oral befriedigt. Die Ex-Freundin, sie ist der Kammer sattsam bekannt, hatte nichts Besseres zu tun, als dies - vermeintlich geschockt, aber kichernd - dem 23-Jährigen zu erzählen. „Das will ich von dem selber hören”, erwiderte er stinksauer.

Das Gerücht packe ihn an seiner Ehre, „ich habe nichts gegen Schwule, aber was zu weit geht, geht zu weit”, antwortete er auf Nohls Frage, ob sich, weil er aus einem anderen Kulturkreis stamme, besonders verletzt fühlte. Offensichtlich hatte die junge Dame sofort dem 17-Jährigen weitergetragen, dass der Bäcker ihn zur Rede stehen wolle. Prompt machte der sich mit zwei Freunden auf zur Bäckerei. Dort gab ein Wort das andere, der 17-Jährige zog Pfefferspray aus der Tasche, „weil ich Angst hatte, dass der jetzt durchdreht, der hatte plötzlich ein Klappmesser in der Hand”, und sprühte, was das Zeug hielt. Danach lief er weg.

Klappmesser beschlagnahmt

Ein Polizeibeamter, der als Zeuge gehört wurde, bestätigte vor Gericht, dass die Bäckerei voller Reizgas war. Die Beamten, die mit mehreren Einsatzwagen erschienen waren, beschlagnahmten das Klappmesser.

Am Nachmittag des 18. Februar hörte der Angeklagte, dass sein Kontrahent gleich um die Ecke in einem Café sitze. Dort tippte er dem 17-Jährigen auf die Schulter, der nahm sofort sein Pfefferspray hervor. „Das führe ich immer mit, ich habe viele Feinde in Aachen”, beteuerte er gegenüber Richter Nohl auf Nachfrage. Der Angeklagte habe mit einem Aschenbecher hinter ihm gestanden. Deshalb wollte er auch weg, „aus Angst”.

Dennoch ließ er dem Angeklagten den Vortritt auf der Treppe, der selbstverständlich immer noch ein paar Wörtchen mit ihm reden wollte. Plötzlich flogen die Fäuste, „ich habe gar nicht gemerkt, dass ich ein Teppichmesser in der Hand hatte”, versicherte treuherzig der 23-Jährige. Die Bilanz des frühen Abends: Eine Schnittwunde auf der Stirn des 17-Jährigen, eine zerschnittene Lederjacke und ein verletztes Knie eines Mannes, der die beiden Kampfhähne auseinander bringen wollte.

Der Prozess wird am Freitag ab 9 Uhr fortgesetzt.