Aachen: Knapp an der Explosion vorbei

Aachen: Knapp an der Explosion vorbei

Es ist kaum zu fassen: Wegen ein paar Metern Kupferrohr brachten am Mittwochvormittag Metalldiebe sich und andere in höchste Gefahr. Sie sorgten für einen großen Gasalarm, setzten zwei Löschzüge der Feuerwehr in Gang und legten einen Teil der Innenstadt stundenlang lahm.

Polizeisprecher Paul Kemen: „Beim ersten Nachsehen deutet vieles darauf hin, dass Metalldiebe die Gas führende Leitung durchtrennt und teilweise gestohlen haben.” Diese immer weiter um sich greifende Diebstahlsform treibe inzwischen lebensgefährliche Blüten: „Die Täter waren sich der Gefahren für sich und andere überhaupt nicht bewußt.”

Gegen 11.08 Uhr ging die Mitteilung, dass es in der Beeckstraße nach Gas riecht, in der Zentralwarte der Stawag ein. Sie schickte zunächst den hauseigenen Stördienst raus, der schon auf der Straße deutlichen Geruch bemerkte und im leerstehenden Innern des Hauses Nummer 16 ein explosionsfähiges Gemisch konstatierte.

Sofort wurde die Gaszufuhr zum Gebäude abgeschiebert und die Feuerwehr verständigt. Die rückte auch um 11.36 Uhr mit einem größeren Aufgebot an und evakuierte zunächst die Menschen in der Nachbarschaft. Unter anderem wurden die gegenüberliegende Grundschule und Berufsfachschule geräumt, sicherlich zur Freude vieler Schüler, die unverhoffte Freistunden erhielten. Einsatzleiter Ernst Schlusche: „Sie wurden in einer Nachbarschule von ihren Lehrern versorgt.”

Die Beeckstraße wurde durch die Polizei ebenso gesperrt wie die Umfahrung von St. Adalbert auf dem Kaiserplatz. Durch den groß angelegten Einsatz stauten sich in Windeseile Fahrzeuge auf sehr stark befahrenen Straßen wie der Heinrichsallee, dem Adalbertsteinweg oder der Wilhelmstraße. Der Feuerwehr gelang es dann, zwei Fenster im Erdgeschoss zu öffnen. Von der Fahrbahn aus pusteten Hochleistungslüfter so lange frische Luft in die Räume, bis die Gaskonzentration gegen 12.30 Uhr so weit gesunken war, dass die Gaskonzentration gefahrlos betreten werden konnte.

Nachdem durch Messungen sichergestellt worden war, dass sich auch in den Kellern der Nachbarhäuser keine gefährlichen Gaskonzentrationen mehr befanden, konnten die Anwohner wieder in ihre Wohnungen zurück. Einsatzleiter Schlusche: „Der Schulbetrieb konnte um 13 Uhr wieder aufgenommen werden.” Bei der Ursachenforschung stießen Wehrmänner und Kripoleute auf die beschädigten Gasleitungen. Sprecher Kemen: „Einzelne Rohrstücke fehlten.” Gegen 13.30 Uhr wurden die letzten Sperrungen, die teilweise zu erheblichen Behinderungen geführt hatten, aufgehoben.

Als erster wahrgenommen hat den Gasgeruch nach eigenen Angaben der Aachener Ingenieur und Journalist Herbert J. Joka. Er warnt seit Jahren davor, dass seit dem Wechsel von Schwefel zu einem umweltverträglicheren Stoff austretendes Gas nicht rechtzeitig bemerkt werde. Einem Anwohner sei nichts aufgefallen, ein Stawag-Monteur erst von ihm - durch Geruchslernkarten geschult - in Gang gesetzt worden.

„Das es funktioniert”

Eva Wußing, die Leiterin der Stawag-Unternehmenskommunikation, dankt Joka: „Dieser Geruchsstoff ist zugelassen und TÜV-geprüft. Es freut uns, dass Herr Joka diesen Geruch erkannt hat und uns sofort informiert hat. Das ist doch der Beleg dafür, dass es funktioniert.”

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