Aachen: „Klömpchensklubs: Fitness-Studios drängen in die Fankneipe

Aachen : „Klömpchensklubs: Fitness-Studios drängen in die Fankneipe

SPD und Grüne machen sich weiter für den Erhalt des „Klömpchensklubs“ am Tivoli stark. Sie kritisieren, dass die Fankneipe geschlossen und umgebaut werden soll, damit dort ein Fitness-Studio einziehen kann. Ihr Vorschlag: Das Aachener Sozialprojekt Wabe soll den Klömpchensklub neu beleben.

„Es gibt mit der Wabe einen Interessenten, der die gleiche Miete zahlen und die Fankneipe erhalten würde. Da gibt es doch überhaupt keinen vernünftigen Grund, die Großküche auszubauen und die ganze Kneipeneinrichtung auf den Schrott zu werfen“, wettert Helmut Ludwig, Geschäftsführer der Grünen-Ratsfraktion.

Dass die fast neuwertige Profiküche bereits abgebaut und zwischengelagert wird, halten die Grünen für Verschwendung: „Wir können nicht sehen, welche Vorteile es haben sollte, Fitness statt Fankneipe in den Tivoli zu holen. Daher stellen wir uns die berechtige Frage: Welche Interessen mögen von Seiten des Personaldezernenten Barth dahinter stecken, wenn ein für die Stadt so offenbar sinnvolles Angebot wie der Weiterbetrieb durch die Wabe nicht zum Zuge kommt?“

Tatsächlich würde Wabe-Geschäftsführer Alois Poquett den Klömpchensklub mit täglichen Öffnungszeiten gern reaktivieren: „Wir wollen den Klub als Fankneipe mit täglichen Angeboten und als Treffpunkt auch außerhalb der Spieltage betreiben. Außerdem ist in unserem Konzept ein Restaurantbetrieb mit Mittagstischangebot, beispielsweise für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umliegender Unternehmen, vorgesehen.“ Denkbar wäre ein Einstieg der Wabe mit Beginn der kommenden Saison, weil dann auch Alemannias Vertrag mit dem bisherigen Caterer ausläuft.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Auch die SPD favorisiert den Erhalt des „Klömpchensklubs“ durch die Wabe. „Die Chance, hier zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, muss man einfach nutzen. Langzeitarbeitslosen eine Möglichkeit der Beschäftigung zu geben und die leider allzu oft brachliegende Tivoli-Kneipe wiederzubeleben, halte ich jeweils für sinnvoll und wünschenswert“, sagt die Landtagsabgeordnete Daniela Jansen.

„Mir ist schleierhaft, wie es von Vorteil sein soll, ein Fitness-Studio als Mieter zu gewinnen, wenn man dafür zunächst massiv in die Räumlichkeiten investieren muss, während ein anderer Mietinteressent praktisch sofort einziehen könnte. Wenn dieser Interessent dann auch noch ein förderfähiges Projekt mitbringt, das bis zu 20 Menschen eine berufliche Perspektive bieten könnte, ist mein Verständnis für die weiter ablehnende Haltung der Stadt gänzlich aufgebraucht“, echauffiert sich die Sozialdemokratin Jansen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Servos macht sich auch für die Wabe stark, spricht von einer sehr interessanten Alternative für den Erhalt der Fankultur. Allerdings mache derzeit der Insolvenzverwalter die Verträge, weil das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. In städtische Verantwortung würde das Stadion voraussichtlich frühestens Ende Januar 2015 gehen. Sollte bis dahin ein Fitness-Studio in den „Klömpchensklub“ einziehen wollen, hätte sich das Thema Wabe jedoch erledigt, so Servos.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Harald Baal verweist auf die laufenden städtischen zwei Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr für den Stadionbetrieb. „Wir halten uns in dieser Frage zurück“, sagt Baal. Entscheidend sei, dass optimale Mieteinnahmen erzielt würden. Ob das mit der Wabe möglich sei, mag Baal nicht beurteilen.

Dezernent Lothar Barth, von städtischer Seite zuständig für das Stadion, würde lieber heute als morgen ein Fitness-Studio im Tivoli unterbringen: „Ich habe den Auftrag vom Rat erhalten, die Räumlichkeiten am Tivoli zum bestmöglichen Preis zu vermieten.“ Mit zwei Studios sei er momentan in „Endverhandlungen“. Er verschließe sich nicht gegenüber der Wabe, habe mit ihr ebenfalls Gespräche geführt. Sie sei momentan nicht mehr im Rennen. Barth sagt aber auch: „Wenn sich der Wunsch des Rats ändert und an die Stelle von gewinnmaximierten Mieteinnahmen etwas anderes rücken soll, tue ich das. Man muss es mir nur mitteilen.“

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