Aachen: Klinikum zeigt Interesse an Gut Melaten

Aachen: Klinikum zeigt Interesse an Gut Melaten

„Wir sorgen uns sehr um Gut Melaten. Wir haben feststellen müssen, dass Anfang des Jahres die Mieter ausgezogen sind, auch die Gärtner der RWTH sind aus ihren Räumen raus“, sagen Helmut Vondenhoff und Manfred Breuer, beide Vorstandsmitglieder der Melaten-Gesellschaft Aachen.

„Hier wohnt niemand mehr, vor zwei Wochen war sogar das Hoftor verriegelt. Es ist eine Frage der Zeit, wann der Hof verfällt.“ Schließlich handele es sich nicht um ein beliebiges Gebäude, sondern um ein kulturhistorisches Kleinod, gelegen an der ehemaligen Via regia, der Königsstraße zwischen Aachen und Maastricht.

Prof. Andreas Prescher, Helmut Vondenhoff und Manfred Breuer (v. l.) sorgen sich um das historische Gut Melaten. Foto: Andreas Herrmann

Der Hof wurde absichtlich dorthin gebaut, damit die Leprakranken und Aussätzigen, die dort untergebracht waren, ihren Lebensunterhalt auch durch Betteln verdienen konnten. Die ehemalige mittelalterliche Leprastation vor den Toren der Stadt, urkundlich erstmals 1230 erwähnt, war gut isoliert und diente mehr als 300 Jahre als Leprastation, ehe sie um 1550 in einen landwirtschaftlichen Pachtbetrieb umgewandelt wurde, der mit seinen Einnahmen das Hospitalwesen unterstützte.

Skelette gefunden

Deutschlandweit ist Gut Melaten das einzige in seiner Eigenart erhaltene mittelalterlich Leprosorium überhaupt. Auch ist es ein frühes Zeugnis für die Beziehungen Aachens in die Euregio, es gehörte nämlich zum Bistum Lüttich, Lepraverdächtige mussten zur Untersuchung nach Mont Cornillon. Seit 1966 ist Gut Melaten im Zuge der Hochschulerweiterung im Eigentum des Landes NRW, der landwirtschaftliche Betrieb wurde in der 1970er Jahren aufgegeben.

Zuletzt wurde das ehemalige Siechenhaus durch Gärtner der RWTH und zu Wohnzwecken genutzt. 2011 wurde der Friedhof neben der weitgehend abgerissenen Kapelle von der Melaten-Gesellschaft in einen würdigen Zustand versetzt. Immer wieder werden vor dem dabei aufgestellten Kreuz Blumen niedergelegt oder Kerzen aufgestellt. Bei Ausgrabungen auf dem Friedhof wurden in extremer Dichte Skelette gefunden, abweichende Körperhaltungen deuten darauf hin, das dort auch auf dem Galgenberg Hingerichtete bestattet wurden.

137 dieser mehr oder minder gut erhaltenen Skelette sind nach Angaben von Prof. Andreas Prescher vom Institut für Molekulare und Zelluläre Anatomie, der die Melaten-Gesellschaft unterstützt, noch vorhanden, sie befinden sich teilweise in der Anatomie des Uniklinikums. Möglicherweise könnten einige von ihnen demnächst in Gut Melaten zu sehen sein, denn das Uniklinikum habe durchaus großes Interesse daran, Gut Melaten zu erwerben, bestätigt Landtagsabgeordneter Karl Schultheis.

Deswegen führe man Gespräche mit dem Landesbaubetrieb und dem Wissenschaftsministerium, die Tendenz sei positiv. Die Uniklinik wolle den Hof, in dem es schon einen größeren Versammlungsraum gibt, für Weiterbildungszwecke nutzen, sagt Schultheis.

Gleichzeitig könne man auch einen lange gehegten Wunsch des Freundeskreises Botanischer Garten erfüllen, der in Gut Melaten ein Schülerlabor als außerschulischen Lernort einrichten will, weil bisher Besuche von Klassen nur im Freien stattfinden können.

Drei Elemente

Außerdem könne man auch die Melaten-Gesellschaft einbinden, die dort eigene Räume einrichten könnte. „Ich halte das für eine gute Überlegung. Man muss sehen, wie man diese drei Elemente zusammenführt.“ Auf alle Fälle handele es sich um eine sinnvolle öffentliche Nutzung und ein Konzept, das seine Unterstützung finde.