Aachen: Klinikum: Schwelende Konflikte eskalieren

Aachen: Klinikum: Schwelende Konflikte eskalieren

Sein Gesicht war das erste, das hunderte Aachenerinnen und Aachener gesehen haben. Und zwar in dem Augenblick, als Professor Dr. Werner H. Rath sie auf diese Welt holte.

Seit genau 14 Jahren und zwei Monaten ist der renommierte Arzt Direktor der Kliniki für Gynäkologie und Geburtshilfe am Uniklinikum Aachen. Besser gesagt: Er war es.

Denn nun hat er „die Leitung der Klinik im Einvernehmen mit dem Vorstand des Universitätsklinikums, der Medizinischen Fakultät und dem Rektorat der RWTH niedergelegt”. Das teilte am Freitag Professor Dr. Henning Saß, Chef der Uniklinik, der AZ auf Anfrage mit. Darüber hinaus aber herrscht großes Schweigen.

Gründe für die Trennung von Werner Rath (58), der selbst in Oldenburg das Licht der Welt erblickte, werden nicht genannt. Im Internet ist die Personalie indes noch nicht angekommen, dort firmiert Rath weiterhin als Klinikleiter, de facto ist er das seit 3. Juli nicht mehr.

In der Realität sind längst Nägel mit Köpfen gemacht. Ein Verfahren für die Wiederbesetzung der Klinikleitung sei bereits eingeleitet, so der Vorstand. Kommissarisch wird die Klinik von Professor Dr. Joseph Neulen geleitet, dem Direktor der Frauenklinik für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin.

Rath ließ auf Anfrage mitteilen, er sei weiterhin „im Rahmen seiner Professur” in Lehre und Forschung an der Medizinischen Fakultät tätig. So steht es auch in einem Schreiben, das Saß Anfang des Monats an die Klinikdirektoren geschickt hat. Allerdings: Auch das Verfahren zur Neubesetzung besagter Professur ist vom Vorstand schon in die Wege geleitet worden.

Themenabende konzipiert

Auch wenn derzeit offiziell keine Gründe nach außen dringen: Nach Informationen der AZ ist bereits seit längerer Zeit das Tischtuch zwischen Klinikleiter Rath und Klinikumsvorstand Saß zerrissen. Rath war wie viele seiner Direktorenkollegen ein Kritiker des vom Vorstand eingeleiteten und tiefgreifenden Umstrukturierungsprozesses. Bei diesem Umbau wurden die Fachkliniken deutlich zugunsten fachübergreifender „Module” verkleinert.

Dieser Prozess war unter dem Stichwort Kostenersparnis eingeleitet worden. Intern liefen zahlreiche Klinikdirektoren dagegen Sturm, sahen die Qualität der medizinischen Versorgung wie auch die Qualität der Forschung und Lehre gefährdet. Nur selten allerdings wagte sich jemand mit dieser Kritik an die Öffentlichkeit. Mittlerweile sind aber einige hoch qualifizierte Mediziner - wenn auch leise - von Bord gegangen. So etwa vor einiger Zeit die sehr angesehene Leiterin der Kinderkardiologie.

Der fünffache Vater Werner Rath hat indes auch abseits der klinischen Tätigkeit in Aachen Verdienste. Unter dem Motto „Raus aus der Klinik, hin zu den Menschen” rief er zusammen mit Dr. Barmak Adhami die „Aachener Themenabende” aus. Diese beschäftigten sich mit Ängsten und Hoffnungen rund um den Oberbegriff Krebs.

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