Aachen: Klinikum: 1800 Pfleger schieben 60.000 Überstunden vor sich her

Aachen : Klinikum: 1800 Pfleger schieben 60.000 Überstunden vor sich her

So viele Menschen wie beim großen, 16 Wochen langen Streik im Jahr 2006 waren es am Mittwoch (noch) nicht, doch die Bereitschaft mitzumachen, sei sehr groß, berichtet Verdi-Streikführer Thomas von Thenen. Vormittags sei man die Stationen abgegangen und viele Kollegen hätten gesagt, dass sie gerne mitkommen würden, aber nicht könnten, weil sonst die Patienten nicht mehr versorgt werden können.

„Das hatten wir noch nie.“ Regelrecht entsetzt seien die Beschäftigten über Kürzungspläne beim Urlaub (von 30 auf 26 Tage). Die Arbeit sei so anstrengend, dass dieser Erholungsurlaub unbedingt notwendig sei.

Verdi-Leute und DBB-Jugend standen zwar gemeinsam auf dem Vorplatz des Großkrankenhauses, doch an getrennten Stellen. Die Tarifverhandlungen erbrachten bisher keinerlei Ergebnis. Foto: Harald Krömer

Abteilungen mit 30 Betten, in denen eigentlich eine sechsköpfige Schicht erforderlich sei, seien nur mit drei Frauen oder Männern besetzt, ergänzt Verdi-Kollege Joachim Heer. Viele würden gerne auf den Vorplatz kommen, aber: „Da bekommen wir keinen mehr raus.“ Viele Stellen seien wegen der unattraktiven Konditionen vakant, auch der Krankenstand sei hoch. Er hoffe, dass man diesmal schnell zu einem Abschluss komme.

60.000 Überstunden hätten die rund 1800 Pfleger am Uniklinikum Aachen aktuell angesammelt, berichtet Markus Schallenberg, Vorsitzender der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW. Zeit, die jedoch nicht genommen werden könne: „Wir haben mit einem erheblichen Personalmangel zu kämpfen, mit einem Pflegenotstand. Junge Leute rücken nicht nach, weil sie an kommunalen Krankenhäusern oder in Privatkliniken mehr verdienen.“ Wenn die Arbeitgeber mit ihren Ankündigungen ernst machten, werde die finanzielle Schere im öffentlichen Dienst der Länder noch weiter auseinanderklaffen. Unter dem Personalmangel leide auch die Qualität der Ausbildung: „Im praktischen Teil sollen die Auszubildenden angelernt werden, das kann oft gar nicht stattfinden.“ Und wenn sie es doch schafften, bekämen sie nur befristete Verträge.

Deshalb fordern die Gewerkschaften auch eine verbindliche Übernahme der Azubis, außerdem 100 Euro mehr Vergütung für den Nachwuchs. „Es schreit zum Himmel, was unseren Kollegen abverlangt wird. Sie leisten gute Arbeit unter hoher Belastung und bekommen dafür nicht den Verdienst, der ihnen zusteht“, kritisiert Schallenberg weiter. Die zu knappe Personalausstattung wirke sich unmittelbar auf die Bürger aus. „Patienten müssen zum Teil schon nachts aus dem Schlaf geholt werden, um das Pensum an pflegerischer Tätigkeit zu meistern“, berichtet Jugend- und Auszubildendenvertreter Sebastian Bernd.

Die nächste Verhandlungsrunde findet am 7./8. März statt. Vorher sind in Aachen noch mehrere Warnstreiks zu erwarten.

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