Kleebach-Förderschule setzt auf "unterstützte Kommunikation"

„Unterstützte Kommunikation“ in der Kleebach-Schule : Neue Medien eröffnen neue Möglichkeiten der Teilhabe

Mit Tablets, Tastern und Sensoren fällt das Kommunizieren und Lernen leichter. Deshalb setzt die Kleebach-Förderschule auf das Konzept der „unterstützten Kommunikation“. Somit ist die Teilhabe am Alltag auch ohne Lautsprache mögich.

In der Kleebach-Schule wimmelt es an diesem Morgen nur so von Mäusen. Von Feldmäusen, um genau zu sein. Ein Fall für den Kammerjäger ist das aber nicht. Denn es sind nur die Mäuse von Leo Lionni, die den Weg aus dem Bilderbuch des Autors in die Förderschule an der Von-Coels-Straße im Aachener Stadtteil Eilendorf gefunden haben.

Lehrerin Nina Sonnenberg lässt die putzigen Tierchen auf einer großen Leinwand lebendig werden – allen voran Frederick, der zwar ein bisschen faul ist, dafür aber sehr gute Ideen hat. Im Sommer hat er beispielsweise Sonnenstrahlen gesammelt, um sich und seine Artgenossen im Winter damit zu wärmen. Auf Knopfdruck wird es hell im Raum, und mit der künstlichen Sonne strahlen auch die Gesichter der Kinder, die Sonnenberg um sich versammelt hat.

Es sind vier schwerstbehinderte Kinder, und deshalb ist das mit dem Knopfdruck auch so eine Sache. Doch die städteregionale Kleebach-Schule, die aktuell 195 Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ betreut und unterrichtet, ist Vorreiter beim Einsatz moderner Kommunikationstechnik. Deshalb können die Kinder trotz ihrer erheblichen Einschränkungen durchaus mitwirken bei der Erzählung der Geschichte.

Spezielle Taster und Sensoren

Das sonderpädagogische Konzept, das dahintersteckt, ist das der „unterstützten Kommunikation“. Es zielt darauf ab, Schülern, die aufgrund ihrer Behinderung die Lautsprache kaum oder gar nicht nutzen können, alternative Möglichkeiten der Kommunikation und der Teilhabe zu vermitteln. „Bei uns werden die neuen Medien permanent genutzt“, stellt Kathi Meiß-Schemmel fest. „Wir setzen sie wirklich als Lernhilfe zur besseren Teilnahme am täglichen Leben ein“, erklärt die Schulleiterin. Bei der Geschichte von Frederick und den Feldmäusen kommen beispielsweise Tablets sowie spezielle Taster und Sensoren zum Einsatz, die auf Berührung reagieren. So können die Kinder gesprochene Sequenzen aufrufen, Lichteffekte auslösen oder den Fortgang der Erzählung steuern – mit der Hand, soweit es ihre Motorik zulässt, aber auch mit dem Kopf oder dem Fuß.

Wie gut das funktioniert und welch positive Reaktionen das auslösen kann, lässt sich auch beim täglichen Ritual des Morgenkreises erleben. Mit Hilfe der Tablets, die in diesem Fall Motive für bestimmte Aufgaben sowie die Namen der Kinder anzeigen, legt die Klasse ihren Tagesablauf fest. Wer möchte heute was frühstücken? Wie wird die Pause gestaltet? Wer möchte mit wem etwas machen? Und wie sieht das Programm nach der Pause aus? Früher wurde überwiegend mit Bildkarten gearbeitet, heute ist das immer seltener der Fall, weil die modernen Geräte viel mehr Optionen für das Lernen und Mitmachen bieten. „Das Ziel ist immer die höchstmögliche aktive Teilnahme im Alltag“, betont Simone von Heel, die eine von zwei beauftragten Lehrerinnen für die „unterstützte Kommunikation“ an der Kleebach-Schule ist. „Wenn ich zum Beispiel selbst bestimmen kann, was ich frühstücke, ist das eine wichtige Teilhabe und Selbstbestimmung. Denn die Kinder erleben sich als wirksam“, sagt Kathi Meiß-Schemmel. Und das sei nicht nur bei Schwerstbehinderten enorm wichtig.

Die Förderung durch die unterstützte Kommunikation findet übergreifend in allen Klassen und Unterrichtsfächern statt. Dazu gibt es vertiefende Fördermaßnahmen in Einzel- und Gruppensituationen – sowohl im Primar- als auch im Sekundarbereich. Das gilt für die Kleebach-Schule in Aachen und auch noch für zwei weitere Einrichtungen in der Städteregion: die Roda-Schule in Herzogenrath und die Regenbogenschule in Stolberg. Gemeinsam haben sie das Konzept in ihren Schulen umgesetzt, und gemeinsam wollen sie es auch weiterentwickeln. Dazu tagt regelmäßig eine Arbeitsgruppe, die von der Bezirksregierung begleitet und unterstützt wird. Außerdem gibt es eine Kooperation mit drei weiteren Förderschulen in Düren, Jülich und Heinsberg.

So zieht das Konzept immer größere Kreise. Und vielleicht wird es sich irgendwann tatsächlich landesweit im Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ durchsetzen. Kathi Meiß-Schemmel würde das begrüßen: „Denn die neuen Medien verbessern ganz erheblich die Möglichkeiten, am ganz normalen Leben teilzuhaben.“