Aachen: Klatschnass auf rutschiger Rüttelstrecke

Aachen: Klatschnass auf rutschiger Rüttelstrecke

Eine weiße Linie ist über das Pflaster vor dem Rathaus gezogen. Wenige Sekunden bevor es losgeht, setzen die Sportler die schmalen Reifen ihrer Rennräder genau auf die Markierung, die für Start und Ziel beim Radrennen „Rund um Dom und Rathaus” steht. Mit dem Startschuss jagen die Radfahrer mit extrem hohem Tempo über die 900 Meter lange Runde durch die Aachener Innenstadt.

Nur eine knappe Minute später haben die schnellsten Fahrer ihre erste Runde schon hinter sich. Bei dem traditionsreichen Radrennen - „Rund um Dom und Rathaus” fand am vergangenen Samstag zum 37. Mal statt - stellen Regen und Nässe die Organisatoren und Sportler für große Herausforderungen.

„Die Bedingungen sind extrem schwierig. Das Rennen ist trotzdem sehr schnell. Aber alle fahren konzentriert und seriös”, sagt Guido Diefenthal, Präsident des Ausrichter-Vereins RC Zugvogel Aachen. „Das ist schon ziemlich gefährlich. In den Kurven muss man richtig runterbremsen”, sagt Mario Lisok, Sieger des Rennens in der Seniorenklasse, das vor dem Hauptrennen gefahren wurde.

Damit fällt schon eine Menge Anspannung von Diefenthal ab: „Ich war den ganzen Tag nervös. Jetzt läuft alles. Damit ist viel Nervosität weg.” Trotz der umsichtigen Fahrweise der Sportler verursachen die Pflastersteine der Aachener Innenstadt, die durch Nässe rutschig sind, einige gefährliche Situationen und Stürze, die jedoch glimpflich verliefen. Prophylaktisch verkürzte die Rennleitung die Strecke allerdings um 25 Runden. Ursprünglich sollten 80 Runden gedreht werden. Diese Maßnahme habe man nicht nur zum Schutz der Fahrer ergriffen, sondern auch, damit die Zuschauer im Dauerregen nicht zu lange auf das Ergebnis warten mussten.

Trotz des regnerischen Wetters stehen am Rand der Strecke viele Radsportfans uns Interessierte, die sich den ganzen Trubel um die Rennfahrer ansehen wollen. Vor der Kulisse von Dom und Rathaus bleiben viele Passanten stehen. „Vielleicht sind 20 Prozent der Zuschauer eingefleischte Radsportfans. Aber weil wir hier mitten in der Stadt sind, bleiben auch viele Passanten mit ihren Einkaufstüten stehen”, erklärt Diefenthal.

Auch Albert Thielen und seine Familie lassen sich nicht abschrecken. Mit bunten Regen-Capes schützt sich die vierköpfige Familie gegen den Regen. „Das ist schon sehr interessant, sowas mal aus der Nähe zu sehen”, sagt Thielen. Sein achtjähriger Sohn Florian will selber mit dem Rennradfahren beginnen und ist deshalb Feuer und Flamme für das Rennen. „Jetzt gehen wir auch nicht früher nac Hause. Wir wollen auch sehen, wer gewinnt”, sagt Thielen.

Viele Helfer

Die Zuschauer und die Atmosphäre sind für Diefenthal Motivation genug, das Rennen Jahr für Jahr durchzuführen: „Wenn man die Leute und die gute Stimmung hier sieht, kommt man einfach zu dem Schluss, dass man es weitermachen muss. Das ist eine tolle Sache für den Verein und die Stadt.”

Und auch die vielen Helfer des RC Zugvogel können sich keine Auszeit vom Regen gönnen. Denn schließlich müssen sie dafür sorgen, dass die Fußgänger trotz des Radrennens die Innenstadt passieren können. Würden sie einfach über die Strecke gehen, wäre das bei dem Tempo der Sportler zu gefährlich. „Die Sicherheit für die Zuschauer und die Fahrer ist unsere höchste Priorität. Die Leute sollen nicht unbegleitet über die Strecke gehen”, sagt Helfer Volker Gäb.

Schon mittags spuckten die Vereinsmitglieder kräftig in die Hände, um alles fürs Rennen herzurichten. Absperrungen, Strohballen, Siegertreppchen - alles musste an seinen Platz. Dabei ließen sie sich auch von Unwägbarkeiten wie losen Pflastersteinen oder parkenden Autos an der Strecke nicht aus dem Konzept bringen.

Der große Einsatz der Mitglieder - insgesamt waren über 30 Vereinsmitglieder und 20 Rettungskräfte an der Strecke - sei eine regelrechte „Belastungsprobe” für den Verein. „Heute waren beim Aufbau nach zwei Minuten alle klatschnass. Abe trotzdem sind sie motiviert - und alles hat geklappt, das macht mich stolz”, sagt Diefenthal.

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