Eilendorfer Orgelsommer: Klassikpräsentation im High-Tech-Gewand

Eilendorfer Orgelsommer : Klassikpräsentation im High-Tech-Gewand

Mit dem Hochsommer beginnt der Eilendorfer Orgelsommer. Zum fünften Mal infolge bietet die Konzertreihe die Möglichkeit, die Variabilität und Klangbreite der „Königin der Instrumente“, in diesem Fall die Göckel-Orgel der Kirche St. Severin, kennenzulernen.

Mit Heribert Leuchter (Saxophon) und Lutz Felbick (Orgel) gestalteten zwei Musiker das Eröffnungskonzert, die Orgel und Kirche gut kennen. Zum letzten Mal gastierten die beiden mit „Jato“, einem Jazz-Konzert der besonderen Art, in Eilendorf. Für das Eröffnungskonzert des diesjährigen Orgelsommers hatten die beiden Musiker Werke zusammengestellt, die nicht älter als 100 Jahre sind. Außerdem gab es für die rund 85 Besucher noch ein besonderes Bonbon: Per Live-Stream wurde das Orgelspiel in das Kirchenschiff übertragen. „Ich fand es immer faszinierend zu sehen, was da für ein körperlicher Einsatz beim Orgelspiel dahintersteckt“, erzählt Elenita von der Nahmer, Vorsitzende des Fördervereins Musik und Kultur an St. Severin. Diese Faszination wollte sie auch dem Publikum vermitteln.

Verschiedene Perspektiven

Vier Kameras fingen die Musiker ein, zeigten verschiedene Perspektiven, Hand- und Fußspiel an der Orgel. Zu Recherchezwecken reiste man nach Hasselt, um die Möglichkeiten dieser Technik kennenzulernen. Dort werden seit zehn Jahren Orgelkonzerte ins Kirchenschiff übertragen. „Seitdem kommen viel mehr junge Menschen ins Konzert“, erzählt die Fördervereinsvorsitzende. Gerne würde sie die Technik auch in St. Severin regelmäßig zum Einsatz kommen lassen, doch vorerst wird es bei dieser einmaligen Vorführung bleiben. Es fehlt das Geld.

Musik besser vermitteln

Für Lutz Felbick war es eine „angenehme Erfahrung. Letztlich dient es dazu, die Musik besser zu vermitteln. Menschen freuen sich, wenn man sie ernst nimmt in ihren Bedürfnissen. Für die Zuhörer hat das einen Extra-Wert“.

Kompositionen von Eric Satie, Jehan Alain, Frank Martin und Olivier Messiaen waren unter anderem zu hören. „Es sind Werke, die ich liebe“, sagt der Aachener Messiaen-Enkelschüler. Vor allem das Schlussstück des Konzertes, die Orgeltoccata „La Nativité du Seigneur“, die Olivier Messiaen 1935 komponierte, ist ein echter Kracher auf der Orgel, die Wucht des Stücks wird durch die Live-Übertragung nicht nur akustisch, sondern auch visuell nachvollziehbar.

Anrührend waren die Stücke, bei denen Saxophon und Orgel zusammenwirkten. „Ich spiele sehr gerne mit Organisten zusammen, gerade des Klangs wegen“, sagte Heribert Leuchter. Beide Instrumente seien Windinstrumente, das harmoniere sehr gut. Der Meinung war auch das Publikum, das die beiden Musiker zum Abschluss mit Standing Ovations belohnte.

„Kann so weitergehen“

Marcel van Westen, künstlerischer Leiter des Eilendorfer Orgelsommers, freute sich über den gelungenen Auftakt: „So kann es weitergehen.“ Eine Konzertreihe an diesem Ort zu organisieren, sei eine Herausforderung. „Es ist ein Stadtteil, nicht die Innenstadt. Aber es ist eine tolle Orgel und eine tolle Kirche“, findet van Westen. In sieben weiteren Konzerten wollen die Veranstalter das unter Beweis stellen. Glänzen kann die „Königin“ dann sowohl solo als auch als Ensembleinstrument.

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