Aachen: Kita-Vertreter beklagen dramatische Personalnot

Aachen : Kita-Vertreter beklagen dramatische Personalnot

„Die Elementarbildung als wichtigstes Glied in der Bildungskette verbessern“: Das hat sich die SPD vorgenommen und jetzt Akteure aus den Kitas eingeladen, um sie über die anstehende Revision des NRW-Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) zu informieren.

Auch wenn das Land in den vergangenen Jahren viel Geld in die Kitas investiert habe, seien die Lücken noch groß, führte Wolfgang Jörg, familienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, in der Nadelfabrik aus. Nach dem Willen der SPD sollen die Eltern durch beitragsfreie Kitas entlastet werden, die Gruppen sollen kleiner werden und die Fachhochschulen sollen in die Lage versetzt werden, mehr Erzieher auszubilden.

Der Erziehermangel in den Kitas ist groß. Das betonten die Vertreter der Kindertagesstätten in der Nadelfabrik immer wieder. Der Markt scheint leer gefegt, und Ersatz für ausfallendes Personal ist demnach kaum noch zu finden.

Von heute auf morgen seien all die Probleme nicht zu lösen, führte Wolfgang Jörg aus. Aber der neue Ansatz für das Kinderbildungsgesetz erlaube es, die Kitas wieder auf eine solide Basis zu stellen. Statt der im Kibiz praktizierten Kopfpauschale sollen die Kitas eine Sockelfinanzierung bekommen, die unabhängig von der Zahl der Kinder ist. Dazu komme dann eine größenabhängige Pauschale.

„Das bringt Stabilität ins System“, sagte Jörg. Außerdem sieht der Entwurf der SPD eine Entbürokratisierung in Sachen „Fördertatbestände“ vor: Auch hier sollen Pauschalen zum Tragen kommen. Immer vorausgesetzt, die SPD bleibe mit Hannelore Kraft an der Regierung, könnte das neue Gesetz Mitte 2018 zum Tragen kommen.

„Es kommt nicht alles so, wie Sie es hier vorgestellt haben“, zeigte sich Heinz Zohren, Geschäftsführer des katholischen Trägers „pro futura“, skeptisch. Jörg hielt dagegen: „Es kommt sicher nicht alles auf einmal, aber es kommt.“ In einem ersten Schritt solle der Druck aus den Einrichtungen genommen werden. Doch der besteht laut Kita-Akteuren vor allem in einer dramatischen Personalnot. „Und die kann sicher nicht von heute auf morgen beseitigt werden“, meinten sie. Das räumte auch Jörg ein. Zudem müsse man den Beruf Erzieher/Erzieherin attraktiver gestalten. Doch bessere Gehälter müssten die Erzieher selbst einfordern, sagte er.

Das Thema Inklusion und die Kindertagespflege waren weitere Themen, die die Anwesenden zur Sprache brachten. Deutlich wurde: Der Schuh drückt überall. Doch nicht alles könne das neue Gesetz regeln, stellte Jörg klar. Aber er führte aus, dass das neue Gesetz die Kitas und damit eben auch die Träger von dem finanziellen Druck befreien will.

Nach den Sommerferien soll es einen Referentenentwurf als Grundlage für ein neues Gesetz geben. Aber schon jetzt wollten die SPD-Landtagsabgeordneten Daniela Jansen und Karl Schultheis die sogenannten „Eckpunkte“ mit den Gästen besprechen. Denn deren Anregungen und Bedenken sollen in einem „demokratischen Prozess“ im weiteren Verfahren berücksichtigt werden.

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