Aachen: Kita-Ausbau: Am Dienstag beraten die Jugendpolitiker

Aachen: Kita-Ausbau: Am Dienstag beraten die Jugendpolitiker

Jetzt müssen Provisorien her. Aber was ist machbar? Und vor allem: wie schnell? Die Vorschläge der Verwaltung für „Übergangslösungen“ beim Kita-Ausbau liegen auf dem Tisch. Heute befasst sich der Kinder- und Jugendausschuss mit der Versorgungslücke in der Betreuung der Ein- bis Dreijährigen und muss Weichen stellen.

Denn nach Abgleich aller Anmeldungen ist klar: Zum 1. August, wenn der Rechtsanspruch auf U3-Betreuung greift, fehlen mehr als 330 Betreuungsplätze für Kleinkinder. Und die Lücke ist wahrscheinlich noch viel größer, denn längst nicht alle Bauprojekte werden zum Sommer fertig. Die Verwaltung schlägt nun mehrere Maßnahmen vor.

Mehr Kinder pro Gruppe: Eine bis zu zehnprozentige Überbelegung in manchen Kita-Gruppen kann 30 zusätzliche U3-Plätze bringen. Allerdings stellt die Verwaltung ausdrücklich fest, dass in den Kitas der Platz schon jetzt fast überall mehr als knapp ist und das Personal schon jetzt extrem belastet.

Kita im Pavillon: Die Verwaltung schlägt vor, in der Pavillon-Kita an der Schagen­straße eine U3-Gruppe einzurichten. Die Container-Kita in Brand ist an sich schon ein Provisorium. Dort werden Kinder betreut, deren Kita umgebaut wird. Im Oktober soll der Pavillon stehen, dann soll zunächst die städtische Kita Franz-Wallraff-Straße mit drei Gruppen vorübergehend ausgelagert werden. Für eine U3-Gruppe mit zehn Kindern wäre im Pavillon trotzdem noch Platz. Später soll nach derzeitiger Planung die Kita Aachener Straße mit drei Gruppen an die Schagenstraße ausgelagert werden. Dann wäre laut Verwaltung möglicherweise sogar noch eine zweite U3-Gruppe im Pavillon unterzubringen.

Grundschule Kronenberg: In der Grundschule Kronenberg, die im Sommer schließt, könnten nach Berechnungen des Jugendamts bis zu vier U3-Gruppen eingerichtet werden. Das würde bis zu 40 zusätzliche U3-Plätze bringen.

Freie Räume in Schulen: Die Förderschulen Am Kennedypark und Am Kurbrunnen schließen zum Sommer, dort könnten laut Verwaltung Tagesmütter arbeiten. In solchen Großtagespflegestellen betreuen zwei Tagesmütter bis zu neun Kinder in einer Gruppe. Wie viele Gruppen in den Schulgebäuden unterkommen können und welche Umbauten nötig werden, soll das Gebäudemangement nun zunächst berechnen. Erst danach kann über die Großtagespflegestellen entschieden werden. Auch in anderen Schulgebäuden sollen freie Räume auf ihre U3-Tauglichkeit hin überprüft werden.

Mehr Tagesmütter: Noch einmal 50 zusätzliche U3-Plätze können im Laufe des Kita-Jahrs 2013/14 in der Kindertagespflege geschaffen werden. Das haben Gespräche mit der Familiären Tagespflege ergeben. Der Verein qualifiziert und vermittelt Tagesmütter im Auftrag der Stadt Aachen.

Neue Aufnahmekriterien: Die Verwaltung schlägt neben den bereits geltenden Regelungen für die Aufnahme in eine Kita (zum Beispiel Geschwisterkinder) weitere Kriterien für die Vergabe der begehrten U3-Plätze vor. Vorrang haben sollen danach auch Kinder, bei denen eine Förderung in der Kita besonders geboten ist; ferner Kinder, deren Eltern arbeiten, eine Arbeit aufnehmen oder Arbeit suchen; außerdem Kinder von Eltern in einer beruflichen Bildungsmaßnahme, in Schul- oder Hochschulausbildung sowie Kinder von Hartz IV-Beziehern.

Notfall-Telefon: Möglichst bald soll eine „Notfall-Hotline“ eingerichtet werden. Denn schon jetzt ruften immer mehr besorgte Eltern an, die ab Sommer einen Betreuungsplatz brauchen. Der Runde Tisch zum U3-Ausbau, bei dem vor zwei Wochen Vertreter von Politik, Trägern und Verwaltung zusammen saßen, hat für diese Hotline Ideen entwickelt.

So sollen freie Plätze in städtischen wie freien Kitas oder auch Spielgruppen möglichst flott an die Hotline weitergeleitet werden, am besten über eine spezielle E-Mail-Adresse. Die Ansprechpartner am Notfall-Telefon sollen sich viel Zeit für die Fragen und Sorgen der Eltern nehmen, sie sollen gut informiert und vor allem einfühlsam beraten. Mitarbeiter aus dem Jugendamt und aus dem städtischen Call-Center sollen hier eingesetzt werden.

Die Jugendpolitiker werden sich heute ab 17 Uhr im Verwaltungsgebäude Mozartstraße mit den Anregungen der Verwaltung befassen. Auch für Übergangslösungen bleibt nicht mehr viel Zeit. Bis zum 1. August sind es nicht einmal mehr zwei Monate.