Kirche St. Barbara in Aachen Rothe Erde wird entwidmet

Evangelische Freikirche will übernehmen : Katholiken nehmen Abschied von St. Barbara

Wenn am kommenden Sonntag das ewige Licht in der katholischen Kirche St. Barbara in Rothe Erde gelöscht wird, werden viele der Gottesdienstbesucher sicher einen dicken Kloß im Hals und eine Träne im Auge haben. Denn das Gotteshaus in der Hüttenstraße wird entwidmet.

„Wir wissen, dass für alle, die in  St. Barbara ihre Taufe, Erstkommunion, Firmung oder Hochzeit gefeiert haben, der kommende Sonntag einen Abschied bedeutet“, sagt Pfarrer Alexius Puls und spricht von einem „schmerzhaften Schritt“. Weil aber die liturgische Nutzung der Kirche sehr gering sei und einige größere Instandhaltungsarbeiten anstehen, habe man sich entschlossen, die Kirche als katholisches Gotteshaus aufzugeben und zu verkaufen. Und nachdem das Bistum grünes Licht dazu gegeben hat, sei der erste Schritt dazu die Entwidmung am Sonntag im Rahmen einer Eucharistiefeier um 8.30 Uhr.

Rund 50 Gläubige haben zuletzt  regelmäßig den Sonntagsgottesdienst in St. Barbara besucht. Die Gemeinde, die seit 2010 zur fusionierten Pfarre St. Severin mit den Eilendorfer Gemeinden St. Severin und St. Apollonia gehört, hat aktuell 1087 Mitglieder. Sie müssen sich künftig umstellen. Zwar werden die Messtermine – sonntags um 8.30 und dienstags um 18 Uhr – beibehalten, aber sie finden künftig sonntags in St. Severin und dienstags in St. Apollonia statt.

St. Barbara indes bleibt „eine Stätte des Gebetes“, wie es Pfarrer Alexius Puls ausdrückt. Ein Kaufvertrag sei zwar noch nicht unterschrieben, aber mit der interessierten Gemeinde „Neues Leben“ – einer evangelischen Freikirche, deren Mitglieder größtenteils aus den ehemaligen Sowjetrepubliken stammen – sei man bereits in guten Verhandlungen. Die Gemeinde nutzt die Kirche ohnehin schon seit 2010 für ihre Gottesdienste und möchte das Gebäude in enger Absprache mit dem Denkmalamt, wie Pastor Viktor Schmidt betont, für ihre Zwecke umgestalten. Rund 100 Gemeindemitglieder kommen derzeit sonntags um 11 Uhr und freitags um 15 Uhr in St. Barbara zusammen. Geht es nach Pastor Schmidt, soll das künftig ausgebaut werden. „Mein Traum ist es, dass die Kirche 24 Stunden den Gläubigen offensteht“, teilt er mit.

Doch zunächst steht am kommenden Sonntag der letzte katholische Gottesdienst in der Kirche, die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, im Krieg schwer beschädigt und zuletzt 1974 umfangreich renoviert wurde, statt. Dabei wird Domkapitular Rolf-Peter Cremer als Vertreter des Bischofs am Ende der feierlichen Messe das sogenannte Profanisierungsdekret verlesen. Anschließend wird das Tabernakel entleert und die Eucharistie nach St. Severin gebracht. Und schließlich wird das ewige Licht gelöscht, womit die Geschichte der Kirche als katholisches Gotteshaus zu Ende geht.

„Doch natürlich ist uns daran gelegen, Dinge die uns wichtig sind zu erhalten und mitzunehmen“, sagt Pfarrer Alexius Puls, der die letzte Messe gemeinsam mit Domkapitular Cremer zelebrieren wird, und zählt auf: die Heiligenfiguren, das Kreuz, das Tabernakel, den Altar, die Beichtstühle und sogar die Bänke. Teils werden die Gegenstände nach St. Severin gebracht, teils werden sie im Zentrallager des Bistums aufbewahrt werden. „Und natürlich entnehmen wir auch die Reliquien aus dem Altar“, der dazu mit schwerem Gerät aufgestemmt werden müsse, kündigt Pfarrer Puls an. Welche Reliquien das sind, weiß er übrigens nicht, sagt er. „Das wird spannend sein zu erfahren.“

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