Kindertagesstätte „Zauberschloss“ feiert Geburtstag

Kindertagesstätte „Zauberschloss“ feiert 50. Geburtstag : Zuerst wird nach den Stärken geguckt

Die Kindertagesstätte „Zauberschloss“ feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Der Ursprung ist im Geiste der „68er“.

1968: Während es in städtischen und kirchlichen Kindergärten oft darum ging, den Kindern Disziplin und Gehorsam beizubringen, wollten einige, meistens linkspolitisch orientierte Eltern etwas ganz anderes für ihre Kinder: antiautoritäre Erziehung in selbstverwalteten Einrichtungen, die sich Kinderläden nannten, weil sie oft in leerstehenden Ladenlokalen eröffnet wurden. Damals entstand auch die Kita Schlossstraße, die vom Eltern-Verein „Kindertagesstätte an der RWTH e.V.“ gegründet wurde und ein erstes Domizil in der Schlossstraße fand. Heute heißt die Kita „Zauberschloss“, könnte aber – genau wurde das nicht ergründet – die älteste, noch bestehende Kindertagesstätte in Elterninitiative in der Stadt sein. Da lohnt ein Blick zurück.

Kinder als eigenständige Person

„Als ich 1977 das erste Mal in die Einrichtung kam, war es hier nicht so revolutionär. Hier wurden die Kinder nicht zum Ungehorsam erzogen. In der antiautoritären Erziehung wurde den Kindern ja die ganze Verantwortung für sich selbst zugeschustert. Aber hier wurden Kinder von Anfang an als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen. Das hat mich absolut gereizt“, erinnert sich die heutige Leiterin Monika Palm an ihre ersten Berufsjahre nach der Ausbildung in der Kita Schlossstraße. „Anders als heute waren aber die Eltern die bestimmende Kraft. Die Erzieherinnen mussten sich einmal im Monat beim Elternabend rechtfertigen. Die Leitungen blieben nie sehr lange, weil es einfach sehr anstrengend war“, weiß sie aber durchaus über wilde Jahre zu berichten. Heute stehen zwölf Erzieherinnen und ein Erzieher und Eltern von 60 Kindern gleichberechtigt Seite an Seite. „Wir arbeiten zusammen und bestimmen gemeinsam“, so Palm.

Auch politisch waren die Elterninitiativen lange umstritten: Geld aus der öffentlichen Hand – Fehlanzeige. „Beim groben Blick ins Archiv bin ich immer wieder auf ‚drohende Schließung‘ gestoßen“, erzählt Palm weiter. Elternbeiträge von eher armen Studierenden und finanzielle Unterstützung vom AStA der RWTH waren lange Zeit die einzigen Geldquellen. „Heute ist der Staat froh um jeden freien Träger, aber insgesamt ist das System durch das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) absolut unterfinanziert – besonders in Einrichtungen, die viele erfahrene Mitarbeiterinnen mit alten Verträgen haben. Wir sind froh, dass wir bis heute Unterstützung vom AStA bekommen“, nennt Palm die neuen, finanziellen Herausforderungen im Elementarbereich.

Weniger Ressourcen

Für Elterninitiativen wie das Zauberschloss gehört dazu auch die stets zunehmende Verdichtung der Arbeitswelt, die auch an Studierenden – noch immer die Hauptgruppe der Elternschaft im Zauberschloss – nicht spurlos vorbeigeht. „Heute haben die Eltern viel weniger Zeit als früher, obwohl früher viele unserer Eltern alleinerziehend waren. Heute ist das nicht mehr so, viele haben auch wieder mehr als zwei Kinder – und doch oder gerade deswegen haben sie viel weniger Ressourcen als früher, obwohl sie uns immer noch viel helfen“, erläutert Palm. Zwölf Arbeitsstunden im Jahr müssen die Eltern heute noch einbringen: Großreinemachen, Reparaturen, selten im Gruppendienst einspringen oder den Koch ersetzen. Dazu acht Elternabende im Jahr. Auch das war 1968 und lange Zeit danach anders.

Seit 2005 ist auch das Haus ein anderes: Von einem Gründerzeithaus mit drei Wohnungen und einem kleinen Außengelände zog die Elterninitiative in einen Neubau in die Bergische Gasse um. Seitdem nennt sich die Kita „Zauberschloss“, um die Verbindung zur Schlossstraße und den lange ebenfalls betriebenen Hort Zauberhut zu versinnbildlichen. „Das Haus in der Schlossstraße sollte grundsaniert und verkauft werden. Da bot sich die Gelegenheit, in Räume zu ziehen, die pädagogisch besser genutzt werden können“, so Palm.

Bei aller berechtigten Kritik an der antiautoritären Erziehung von damals, einiges hat vom Aufbruch der 68er in die heutige Pädagogik aller Bildungseinrichtungen ausgestrahlt, wie Palm findet: „Heute arbeiten eigentlich alle Einrichtungen ressourcenorientiert. Zuerst wird geguckt, welche Stärken die Kinder haben. Jedem Kind wird Selbstwirksamkeit zugetraut und seine Persönlichkeit wahrgenommen. Und es wird nicht mehr alles geregelt: Drei Kinder in die Puppenecke, drei in die Bauecke… Und selbst bei Montessori-Einrichtungen müssen Kinder nicht ständig ‚arbeiten‘.“