Kinderschutzbund Aachen: Kinder haben Recht auf gewaltfreie Erziehung

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention : Kinderschutzbund macht Eltern und Kinder stark

Seit 30 Jahren gibt es die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Damit haben alle unterzeichnenden Staaten anerkannt: Kinder haben Rechte. Zum Beispiel auf körperliche Unversehrtheit und gewaltfreie Erziehung. In Deutschland ist das seit 19 Jahren im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. Der Weg dahin war allerdings lang.

1979 forderte der Deutsche Kinderschutzbund erstmals die Abschaffung der Prügelstrafe. 1989 wurde die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet. Erst elf Jahre später kam die Verankerung im deutschen Gesetz – bis heute sind Kinderrechte allerdings nicht im Grundgesetz verankert.

„Und viele Kinder und Jugendlichen wissen leider immer noch nicht, dass ihre Eltern sie nicht schlagen dürfen“, berichtet Katrin Alt, Leiterin der Erziehungsberatungsstelle des Aachener Kinderschutzbundes aus der Kinder- und Jugendsprechstunde. „Gleichzeitig kennen alle Eltern den Impuls, in eskalierenden Situationen die Kinder zur Schnecke zu machen oder eine Ohrfeige zu verteilen. Meistes steckt Überforderung dahinter“, weiß Dr. Katrin Hater. Sie koordiniert die Kurse „Starke Eltern – starke Kinder“, die der Kinderschutzbund in Aachen entwickelt hat und bereits seit 1985 anbietet.

Präventiv lernen Eltern hier, wie Erziehung ohne Druck und Gewalt funktionieren kann. Denn gewaltfreie Erziehung heißt dennoch Erziehung. „Wir ermutigen Eltern durchaus, Autorität auszuüben, Grenzen zu setzen und das Einhalten von Regeln einzufordern. Und dann auch den Protest ihrer Kinder auszuhalten. Es kann nicht immer alles nett und harmonisch sein. Dafür haben Eltern zu viele Erziehungsaufgaben“, erklärt Hater.

In den Kursen erleben Eltern – Mütter wie Väter – zunächst in einem geschützten Rahmen, dass sie Gefühle wie Wut und Hilflosigkeit nicht allein fühlen und dass alle Fehler machen. „Allein das stärkt schon ungemein“, sagt Nicole Rütten, die regelmäßig Elternkurse leitet. „Auch ich stelle immer wieder fest, dass ich bei meinen Kindern nicht alles richtig mache.“ Anschließend geht es darum, ein anderes Handwerkszeug und eine andere Sprache zu vermitteln, die Eltern in eine gestärkte Rolle versetzten und ihnen Erziehung ohne Gewalt und Demütigungen ermöglicht. „In der Regel eskalieren Situationen, wenn sich Eltern hilflos fühlen“, weiß Alt aus ihrer Beratungstätigkeit. Im Kurs kommen sie raus aus der Opferrolle.

Positive Auswirkungen

Und das wirke sich wiederum positiv auf die ganze Familie aus: „Mein Kind ist viel selbstbewusster geworden. Sie kann sagen, was sie will und was sie nicht will“, hat Fatima Kamis, Mutter eines neunjährigen Mädchens, beobachtet. Sie hat bereits viermal den Kurs absolviert. „Es sind immer wieder andere Eltern dabei, die andere Aspekte einbringen. Und ich verstehe mich und mein Kind viel besser“, erklärt sie. „Das merkt auch mein Partner.“

Auch Katja Lenzen berichtet von einer Veränderung ihrer generellen Haltung gegenüber Kindern – egal ob dem eigenen gegenüber oder anderen: „Statt mich in Machtkämpfe zu begeben, traue ich Kindern heute zu, Entscheidungen selber zu treffen und diese zu akzeptieren. Ich bin wirklich dankbar, dass ich mich so weiterentwickelt habe.“

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