Aachen: Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnet Erweiterungsbau mit neuen Stationen

Aachen : Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnet Erweiterungsbau mit neuen Stationen

Der Bedarf an psychologischen Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangen Jahrzehnten in Aachen fast um das Dreifache gestiegen. Essstörungen, Depression, Angst- und Zwangsstörungen gehören dabei zu den häufigsten Erkrankungen.

Um der hohen Behandlungsnachfrage gerecht zu werden, hat das Uniklinikum Aachen die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Neuenhofer Weg ausgeweitet. Gegenüber des Gut Neuenhofs wurde seit 2014 an einem Erweiterungsbau gearbeitet.

Drei neue Stationen, eine Ambulanz, ein Ergotherapiebereich, Büro- und Forschungsräume, eine Turnhalle, eine eigene Station für Jugendliche und eine Eltern-Kind-Station verteilen sich im Neubau auf einer Fläche von mehr als 2100 Quadratmetern. 1500 Patienten bis zum Alter von 18 Jahren können nun in der Klinik betreut und behandelt werden. Kinder ab zwei Jahren gehören zu den Patienten, auch Säuglinge können aufgenommen werden. „Nirgendwo sind Erfolge segensreicher als bei Kindern und Jugendlichen“, meinte Prof. Dr. Thomas Ittel, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Uniklinik, am Mittwoch bei der feierlichen Eröffnung. Denn 50 Prozent aller psychischen Störungen beginnen in der Kindheit oder Jugend.

Die Finanzierung des Neubaus übernahm das Land NRW im Rahmen des Medizinischen Modernisierungsprogramms. Zwölf Millionen Euro kostete der Bau. 1,3 Millionen Euro kamen für die Einrichtung hinzu. Eine Therapieküche, eine Garten- und Sportanlage sowie ein Multifunktionsraum mit Kletterwand wurden ausgestattet. Therapien sollen durch die neuen Möglichkeiten unterstützt werden, um einen möglichst weitreichenden Behandlungserfolg zu erzielen. Ein Familienzimmer dient Eltern und Kindern dazu, sich nach einer stationären Behandlung wieder an den Alltag zu gewöhnen, bevor es nach Hause geht. „Die Eltern haben häufig selbst massive psychische Probleme“, sagte Dr. Beate Herpertz-Dahlmann, Universitätsprofessorin und Direktorin der Klinik.

Und insgesamt spiegelten sich bei den Krankheiten der Patienten die Probleme der Gesellschaft wider, die die Politik nicht gelöst habe, so Hapertz-Dahlmann. Schönheitswahn, Leistungsdruck und die Digitalisierung seien häufig Ursachen der Erkrankungen.

„Die Angst vor Stigmatisierung“

„Die Kernfrage ist, ob sich die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten so sehr geändert hat oder ob die Menschen die Hilfe nur mehr in Anspruch nehmen? Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem“, entgegnete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der das Grußwort sprach. Man könne die Entwicklung auch positiv sehen. Offenbar würden Eltern mehr auf die Psyche ihrer Kinder achten als früher.

Laut einer des Robert-Koch-Instituts zeigen rund 20 Prozent der Minderjährigen vorübergehend Auffälligkeiten, nur ein Teil von ihnen wird jedoch behandelt. „Der Fachbereich wird immer noch als letzte Möglichkeit gesehen, es gibt immer noch Vorbehalte. Die Angst vor Stigmatisierung ist groß“, sagte Herpertz-Dahlmann.

Dennoch sind die Patientenzahlen mit den Jahren gestiegen. Auch viele minderjährige unbegleitete Flüchtlinge seien in Behandlung, ebenso wie transsexuelle Kinder und Jugendliche. Ihr Anteil habe sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, so die Professorin.

Die Liegezeiten hingegen hätten sich drastisch verkürzt. Dauerte eine Behandlung in den 90er Jahren noch durchschnittlich 167 Tage, so sind es im Uniklinikum heute 28 Tage.

Rund 800.000 Menschen aus der Stadt und Städteregion Aachen sowie Stadt und Kreis Düren und der deutschsprachigen Gemeinde Belgiens fallen in das Einzugsgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Ihr Ausbau ist nicht das einzige Projekt auf der Agenda des Uniklinikums. Bis 2020 sollen bestehende Trakte saniert und weitere Bauten errichtet werden, darunter ein unterirdischer OP-Trakt. 418 Millionen Euro hat das Land insgesamt für Maßnahmen zur Verfügung gestellt.