Aachen: Kinder lernen das Schicksal von Mojsche und Reijsele kennen

Aachen: Kinder lernen das Schicksal von Mojsche und Reijsele kennen

Im Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe der Barockfabrik stehen Mojsche und Reijsele, Figuren aus dem gleichnamigen Buch der niederländischen Autorin Karlijn Stoffels.

Mojsche und Reijsele sind zwei 13-Jährige, die während der Nazizeit im Warschauer Ghetto waren und den Holocaust überlebt haben. Karlijn Stoffels erzählt ihre Geschichte und die von Janusz Korczak, dem Leiter des Waisenhauses im Ghetto.

Korczak wurde 1942 zusammen mit 200 Kindern in Treblinka ermordet. Eine Aachener Schule ist nach dem Pädagogen benannt. Die Künstlerin Susanne Patzke und Alexandra Lünskens, Leiterin der Barockfabrik, haben sich von dem Buch inspirieren lassen und anlässlich von Korczaks 70. Todestag ein Programm vor allem für Schüler und Schülerinnen auf die Beine gestellt.

„Wir nutzen drei Genres, um uns dieser Zeit anzunähern”, erläuterte Lünskens. Patzke hat acht Bilder gemalt, Illustrationen zu dem Buch, die vom 1. bis 5. Februar zu sehen sein werden. Denn die Erzählung umfasst acht Kapitel. Acht Strophen hat auch ein Lied, das „Reijsele” heißt und von dem Komponisten Mordechai Gebirtig stammt. Dieses Lied wiederum spielt in der Geschichte der zwei jüdischen Kinder eine Rolle und wird in der Barockfabrik bei der Finissage vom Ensemble „Lets Klez” interpretiert. Gespielt werden Gebirtigs Lieder außerdem bei einer Lesung mit der Autorin Karlijn Stoffels.

Wie ein jüdisches Kind den Nazi-Terror überlebt, zeigt ein neuer Dokumentarfilm des Sozialwissenschaftlers Dr. Herbert Ruland mit dem Titel „Von Schutzengeln auf zwei Beinen und Verrätern in der eigenen Familie.” Er sei eigentlich kein Filmemacher, erzählte Ruland, „ich beschäftige mich mit dem Leben der einfachen Leute in der Euregio. Es geht um das Sichern von Zeitzeugen-Dokumenten.”

In seinem Film hat er Helmut Clahsen durch Aachen begleitet und ihn von seinem Leben erzählen lassen. Clahsen, Jahrgang 1931 und Sohn einer jüdischen Mutter, ist als Kind während der Nazizeit von einer Tante von Versteck zu Versteck gebracht worden. Verfolgt haben ihn die eigenen „arischen” Verwandten väterlicherseits. Sein Buch „Mama, was ist ein Judenbalg?” ist über die Grenzen hinweg bekannt geworden. Der Film wird am Freitag, 3. Februar, 9.30 Uhr, gezeigt, für Schulklassen ab der 8. Klasse. Helmut Clahsen steht im Anschluss zum Gespräch mit dem Publikum bereit.

Alle Veranstaltungen sind für einzelne Interessierte offen, doch die meisten sind vorranging für Schulklassen gedacht, die bei der Buchhandlung Schmetz am Dom, Münsterplatz 7-9, unter der Telefonnummer 0241 31369 Karten reservieren können. Informationen gibt es außerdem bei der Barockfabrik, Zentrum für Kinder- und Jugendkultur, Löhergraben 22, unter der Telefonnummer 0241 4324960.

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