Aachen: Kinder-Kultur-Karawane: Künstler aus Uganda tanzen mit Schülern

Aachen : Kinder-Kultur-Karawane: Künstler aus Uganda tanzen mit Schülern

„Der Besuch der Jugendlichen aus Uganda hat die Atmosphäre an der Schule völlig verändert“, sagt Bernd Lichtenberg, der den Aufenthalt der Kinder-Kultur-Karawane in Brand organisiert. Mit einem gewaltigen Trommelwirbel eröffnen die jungen Künstler aus Uganda auf der Bühne im Space des Ludwig-Forums ihr Programm. Umweltverschmutzung und die Zerstörung wertvoller Lebensräumen, von denen ihr Land besonders betroffen ist, ist ihr Thema.

Mit wechselnden Kostümen, viel afrikanischem Tanz und exotischen Instrumenten erzählen sie die Geschichte der „Kwafe“, die schwere Zeiten durchleben. Umweltkatastrophen, Dürre und Wassernot machen auch vor ihrer Heimat nicht Halt, nachdem immer mehr Menschen in dem „einst so wunderschönen Land“ Zuflucht suchen. Erst als die Dorfoberhäupter den Schwur ablegen, die Umwelt über alle anderen Interessen zu stellen, kann die Region wieder aufblühen.

Und dass die Dorfbewohner anfangen, vor den Augen der Zuschauer den Müll nach westlichen Kriterien zu sortieren, sorgt für einige Heiterkeit. Die Tänzer aus Uganda bieten ein Schauspiel, das traditionelle Komponenten mit westlichen Einflüssen kombiniert. So wird der Stepptanz am Ende des Stücks nur deshalb getanzt, weil ihn die jungen Künstler im Rahmen eines Workshops gelernt haben und ihn so schön fanden, dass sie ihn in ihr Stück integrieren wollten.

Ihr Auftritt sprüht vor Lebensfreude und auch kämpferischem Einsatz. Das Dorfoberhaupt mit seinem roten Gewand und dem Federschmuck auf dem Kopf wirkt wie ein Feuervogel. Rund ein Jahr haben die jungen Künstler aus Uganda an diesem Stück gearbeitet. Sie kommen ursprünglich aus ärmsten Verhältnissen und bekommen im Rahmen der Kinder-Kultur-Karawane die Gelegenheit, mit ihrem Stück unter anderem durch Deutschland zu reisen.

Die „Sosolya Undugu Dance Acadamy“ (Suda) wurde in den Slums in der Nähe der ugandischen Hauptstadt Kampala gegründet. Mehr als 300 junge Talente werden an der Akademie in traditioneller afrikanischer Musik, Tanz und Schauspiel unterrichtet. Suda möchte diese Künste bewahren und setzt dabei eben auch traditionelle Instrumente ein: Adungo ist eine gebogene Harfe, bei der der Hals aus dem Holz eines Baumes gefertigt wird, den es nur in Uganda gibt. Der Klangkörper ist aus Kuhfell. Drei Variationen dieses Instrumentes kamen zum Einsatz.

Bei ihrem einwöchigen Aufenthalt in Aachen arbeiten die jungen Künstler in Workshops mit Brander Schülern. Neben der Gesamtschule Brand nehmen auch alle Brander Grundschulen an solchen Workshops teil, insgesamt mehr als 1200 Schüler. Sie lernen die fremde Kultur kennen und sprechen über Klimawandel und Klimagerechtigkeit. Und die Jungen und Mädchen der Grundschule Driescher Hof kommen gegen Ende der Aufführung im Space mit Schildern auf die Bühne, um für Balance und einen sorgsamen Umgang mit der Natur zu werben.

Freundschaft zum Greifen nah

Als sie zum Schluss alle gemeinsam „We are the world, we are the children“, singen, ist die freundschaftliche Verbindung zwischen ihnen fast zum Greifen spürbar. „Wer tanzt, vergisst die Gewalt und die Kriege um sich herum und erkennt das Leben selbst“, sagt einer der Suda-Mitgründer.

Die Aktions- und Begegnungsfeste in Brand werden laut Bernd Lichtenberg zu einem kulturellen Stadtteilereignis: Die Künstler aus Uganda kommen in Brander Familien unter und durch das Zusammenleben entstünden tiefe Freundschaften, so Lichtenberg.

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