Kinder kamen nicht in der Schule an

Kinder kamen nicht in der Schule an

Aachen (an-o) - Zwei Kinder sind verschwunden: Schon immer eine Schreckensmeldung für die Aachener Polizei, die sofort große Anstrengungen unternimmt, sie wiederzufinden. Erst recht nach den schrecklichen Ereignissen von Eschweiler.

"Das steckt im Hinterkopf, und nicht nur bei uns", sagte Pressesprecher Paul Kemen gestern Mittag bei einer Suchaktion in der Lombardenstraße. Schließlich hatte auf ähnliche Art und Weise das tödliche Drama um die später ermordeten Kinder Tom und Sonja begonnen.

So war es für die Beamten gestern einerlei, ob hinter dem Verschwinden nur ein Weglaufen von zu Hause, ein Unglück oder gar ein Verbrechen steckt. Heinz Janßen, Leiter der Pressestelle: "Für zwei Kinder, die allein unterwegs sind, gibt es große Gefahren." Seine Kollegen trugen deshalb so viel wie möglich über das Leben der beiden Kinder aus Schwarzafrika zusammen.

Beide stammen aus dem Kongo. Ihr Vater ist im Bürgerkrieg umgekommen, ihre Mutter lebt im Kriegsgebiet und hat das Sorgerecht deshalb dem seit sechs Jahren in Aachen lebenden Onkel übertragen. Der 25-Jährige Abel Bondombe lebt in einer Drei-Zimmer-Wohnung in einem Haus an der Promenadenstraße.

Eigene Suche

Von dort aus machten sich am Mittwoch Morgen die achtjährige Celine und der zwölfjährige Joel auf zu ihren Schulen an der Annastraße beziehungsweise in Burtscheid - im Abstand von etwa einer halben Stunde. Als sie mittags nicht nach Hause kommen, ist der Onkel alarmiert und startet zunächst eine eigene Suchaktion bei Schulfreunden und Bekannten.

Die Suche blieb jedoch ohne Ergebnis, so dass der 25-Jährige am Mittwoch Abend die Polizei einschaltete. Die klingelte abends noch Lehrer und Eltern von Klassenkameraden aus dem Bett, um herauszubekommen, wo sich die beiden Geschwister sich befanden. Als diese Nachforschungen ebenfalls im Sande verliefen, wurden im Laufe des Donnerstags die unterschiedlichen Schulwege, Parks und Spielplätze in Aachen unter die Lupe genommen, außerdem weitere potenzielle Anlaufstellen wie Asylbewerberheime aufgesucht.

Im Einsatz waren eine größere Anzahl von Bereitschafts- und Streifenpolizisten sowie die Hundestaffel. In Bereich zwischen Bushof und Hansemannplatz, wo der Junge am Morgen noch gesehen worden war, wurden Passanten befragt. Ihr Onkel versicherte, dass es keinen Streit gegeben habe, so dass "objektiv kein Grund vorliegt, weshalb die Kinder weggelaufen sind" (Pressesprecher Kemen).

Da jedoch Mitschüler berichteten, dass sie sich schon mal alleine zu Verwandten nach Paris aufgemacht haben und außerdem Angehörige in Brüssel wohnen, wurde die Suche nachmittags auch über die Grenze ausgedehnt. Sprecher Heinz Janßen: "Wir wissen zur Zeit nicht, wo der Heuhaufen ist, in dem wir suchen sollen."


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Die acht und zwölf Jahre alten, dunkelhäutigen Geschwister Bondombe sind seit Mittwoch Morgen verschwunden. Beide sprechen überwiegend Französisch. Die jüngere Celine ist 1,40 Meter groß, schlank, hat schulterlanges, dunkles Haar mit gekräuselten Zöpfen und mehrere Zahnlücken. Sie ist bekleidet mit einem blauen Jeanshemd, blauer Jeans, blauen Sportschuhen und hat einen blau-schwarzen Rucksack dabei.

Ihr zwölfjähriger Bruder Joel ist 1,50 Meter groß und schlank, hat kurze schwarze Haare und einen hellblauen Pulli, blaue Jeans und braune Sportschuhe an. Er trug einen schwarzen Rucksack mit Schuluntensilien.

Die Polizei bittet bei der Suche um Hinweise aus der Bevölkerung. Auch Freunde der Kinder oder deren Eltern werden gebeten, sich mit den Fahndern unter 0241 9577 5147 in Verbindung zu setzen.

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