Kickboxen soll Selbstbewusstsein von Frauen mit Behinderung stärken

Pilotprojekt : „Kickboxen kann jede Frau lernen“

Das Angebot kam bei den Frauen der Prodia Kolping WfbM gleich gut an. Die Frauen haben geistige und körperliche Einschränkungen und würden deshalb wohl niemals einen Verein aufsuchen. Und genau aus diesem Grunde kommt der Verein jetzt zu ihnen.

„Kickboxen kann jede Frau lernen“, ist Trainerin Cornelia Ruland vom Budo Club Ninja Aachen überzeugt. Sie kennt sich in den Selbstverteidigungssportarten bestens aus und wird die Frauen in den nächsten Wochen bei der Prodia an der Philipstraße 8 im Kick-Boxen trainieren. Langfristig sollen die Kurs-Teilnehmerinnen dann aber in die Vereinshalle des Budo Club Ninja Aachen wechseln.

Laut Anabel Harting vom Stadtsportbund ist das Angebot so etwas wie ein Pilotprojekt. „Oft haben Menschen mit Einschränkungen Hemmungen, das Sportangebot eines Vereins zu nutzen“, sagt sie. Gemeinsam mit der Prodia Kolping WfbM, einer anerkannten Werkstatt für vorrangig psychisch behinderte Menschen, hat der Stadtsportbund jetzt dieses passgenaue Angebot entwickelt. Und dass es dann auch tatsächlich zustande gekommen ist, sei vor allem auch dem Einsatz der Frauenbeauftragten des Werkstattrates, Tanja Wilms, zu danken, sagen die Organisatorinnen.

13 Frauen unterschiedlichen Alters stehen nun montags ab 14 Uhr ihrer neuen Trainerin gegenüber. Alle tragen ein orangefarbenes Trikot, das ihnen gleich von Beginn an die Zugehörigkeit zur Gruppe signalisieren soll. Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstdisziplin sind einige der wesentlichen Eigenschaften, die hier geschult werden. Cornelia Ruland erzählt von Frauen, die mit hängenden Schultern und eingezogenem Kopf begonnen hätten, dann aber sehr schnell eine aufrechte und selbstbewusste Haltung eingenommen hätten. „All das bewirkt das Kick-Boxen“, sagt sie.

Und abseits der sportlichen Erfolge hebt Anabel Harting auch die Gesundheitsprävention hervor. Dass auch Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit haben sollten, im Verein sportlich aktiv zu sein, hält sie für eine Selbstverständlichkeit. „Wir möchten noch mehr solcher Kooperationen auf die Beine stellen“, betont sie. Denn gesellschaftliche Teilhabe ist nach Meinung aller Beteiligter ein besonders hohes Gut. Und so werden die Frauen, die jetzt noch mit Cornelia Ruland an der Philipstraße trainieren, später in die Vereinshalle kommen und dort ganz regulär mittrainieren.

Auch Mariele Biesemann, Geschäftsführerin Prodia Kolping WfbM, freut sich sehr über die Kooperation mit dem Stadtsportbund. Die Prodia biete neben berufsbildenden auch persönlichkeitsfördernde Maßnahmen, und genau in diesem Sinne sei das Kick-Boxen von großem Nutzen, sagt sie. Die 13 Teilnehmerinnen stammen aus unterschiedlichen Berufssparten. Industrieservice, Schreinerei, Gastronomie, Verwaltung und sogar eine Weberei mit Handwebstühlen sind nur einige der vielen Tätigkeitsbereiche bei der Prodia. Insgesamt arbeiten dort 220 Menschen mit meist psychischer Behinderung. Sie bekommen hier die Chance auf eine berufliche Rehabilitation. Und laut Biesemann schauen die männlichen Kollegen derzeit nicht ohne Neid auf das neue Sportangebot. „Aber auch für sie wird sich ein passendes Angebot finden“, sagt sie voller Überzeugung.