Aachen: Keine Lärmschutzwand: Anwohner wollen Entscheidung nicht hinnehmen

Aachen : Keine Lärmschutzwand: Anwohner wollen Entscheidung nicht hinnehmen

Elmar Perkuhn ist wütend. Worum es geht, hat der Anwohner vom Driescher Hof sich sogar auf sein T-Shirt drucken lassen: „Muss das so laut?“ steht in großen weißen Buchstaben auf schwarzem Grund. Perkuhn und sieben weitere Anwohner des Viertels, das sich sozusagen an die A44 schmiegt, haben sich am Montagabend im Eiscafé an der Danziger Straße versammelt.

Im Hintergrund hört man ein beständiges Rauschen, das der Wind von der Autobahn herüber trägt. Und genau das ist das Problem der Anwohner vom Driescher Hof: Der Autobahnlärm, und wie die Politik damit verfährt. Bis Oktober des letzten Jahres wurde den Anwohnern vom Driescher Hof angekündigt, dass spätestens in diesem Herbst mit dem Bau einer höheren Lärmschutzmauer an der A44 begonnen werden sollte. Dass sich diese Pläne im Laufe der letzten Monate geändert haben, lasen sie in der Zeitung.

Sind verärgert darüber, dass die Lärmschutzmauer nun doch nicht kommt, und dass man ihnen das nicht einmal mitgeteilt hat: Anwohner vom Driescher Hof an der Autobahn 44. Foto: Andreas Hermann

Daraufhin fingen sie an, sich im Quartier zu organisieren. Ein erstes Treffen von rund 40 Personen hatte bereits vor mehreren Wochen stattgefunden.

Entscheidung des Ministeriums

„Die Entscheidung, die Lärmschutzmauer nicht zu bauen, hat das Bundesverkehrsministerium getroffen“, erklärt Silke Ulhas vom Landesbetrieb Straßen.NRW auf Anfrage unserer Zeitung. Sie ist die zuständige Projektleiterin beim Landesbetrieb.

Statt der Mauer, die bis zum vergangenen Herbst auch als festes Bauvorhaben auf der Internetseite des Landesbetriebs zu finden war, werde nun, um den Lärm zu senken, auf einen lärmmindernden Asphalt gesetzt: Dieser erzielt eine Verringerung der Geräuschemission um 2 dba. „Wenn dieser Asphalt aufgetragen ist, dann unterschreitet der Lärmpegel an der Autobahn rechnerisch einen bestimmten Grenzwert“, sagt Ulhas. Und eben jenen Grenzwert brauche es, um die Aufstockung der bereits jetzt vorhandenen Lärmschutzwand zu rechtfertigen.

Ein Blick ins Archiv dieser Zeitung zeigt, dass man auch in Berlin vor einigen Jahren noch anders über Lärmschutzmauern dachte: „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass im Ergebnis der Untersuchungen im Bereich des Driescher Hofs vorgesehen ist, die bestehende Lärmschutzwand mit einer Höhe zwischen 2,10 Metern und 2,50 Metern durch eine längere Wand von rund 1000 Metern und einer voraussichtlichen Höhe von 4 Metern bis 4,50 Metern zu ersetzen“, heißt es in einem Bescheid aus Berlin aus dem Jahre 2013, über den man sich in Aachen besonders gefreut hatte.

Wie es nun zu einem Sinneswandel kam, ist unklar. Eine Anfrage ließ das Bundesministerium bis Mittwochnachmittag unbeantwortet. Einer, der sich lange Zeit für den Bau der Lärmschutzmauer stark gemacht hatte, sich sogar mit einem vier Meter langen Stock an der Autobahn hatte ablichten lassen, um die Höhe der neuen Wand zu demonstrieren, ist Rudolf Henke, Aachener Bundestagsabgeordneter (CDU).

Auch er sei bis Anfang dieses Jahres davon ausgegangen, dass mit dem Bau der Mauer begonnen werden kann, erklärt er auf Anfrage. Die Planung für die Mauer durch den Landesbetrieb stand, Berlin hätte alles nur noch absegnen müssen. Das Geld habe in diesem Falle keine Rolle gespielt. „Ich hatte eigentlich gedacht, in Bezug auf diese Mauer sei alles in Butter“, sagt Henke.

Doch dann habe sich seit dem vergangenen Herbst aus seiner Sicht nichts mehr getan. Er habe darum im März an das zuständige Ministerium geschrieben, um zu erfahren, wie es nun weitergehe. Man habe ihm dann mehr oder weniger das erklärt, was auch Silke Ulhas als Begründung zu hören bekommen hat: Mit dem neuen lärmmindernden Asphalt, der standardmäßig verbaut werde, sei eine Lärmschutzmauer nicht mehr vorgesehen. „Ziel ist ja nicht der Bau einer Mauer, sondern das Absenken des Lärmpegels“, sagt Henke. Und weiter: „Es gibt nun einmal gesetzliche Vorgaben, an die man sich halten muss.“

Man könne nicht einfach einen Präzedenzfall schaffen, dann würden Autobahn-Anwohner in ganz Deutschland solche Lärmschutzwände einfordern. Die Anwohner vom Driescher Hof um Elmar Perkuhn wollen sich nicht mit der Absage zufrieden geben. Dass der lärmmindernde Asphalt ihnen wirklich hilft, daran haben die Menschen hier enorme Zweifel.

Die Interessensgemeinschaft hat bereits an den Petitionsausschuss des NRW-Landtags geschrieben, auch werden weitere Aktionen geplant. „Wir kommen uns ein bisschen vor wie die Stiefkinder vom Driescher Hof“, sagt Heinz Hahnbück, Anwohner der Stettiner Straße kopfschüttelnd. Die anderen in der Runde fangen an zu lachen. Und für einen Moment ist das Donnern der Lastwagen auf der A44 im Hintergrund nicht mehr ganz so präsent.