Aachen: „Kein Tag ohne AZ“: Autonome Zentrum feiert 25-jähriges Bestehen

Aachen : „Kein Tag ohne AZ“: Autonome Zentrum feiert 25-jähriges Bestehen

Bloß kein Kommerz, bloß keine Subventionen, dafür aber selbstbestimmt und offen für alles, was gemeinhin als links und alternativ angesehen wird — so definiert sich das Autonome Zentrum (AZ), das am nächsten Wochenende das 25-jährige Bestehen feiert und damit beinahe schon als etablierte und vor allem traditionsreiche Kulturinstitution in der Stadt gelten kann.

„Kein Tag ohne AZ“, lautet seit den Anfängen das Motto, das überraschend konsequent bis heute durchgehalten wurde.

Wohin mit den Punkern auf dem Markt (kleines Bild)? Diese Frage hat die Aachener in den 1990er Jahren bewegt. In der Folge wurde das Autonome Zentrum am Hauptbahnhof eingerichtet, das jetzt das 25-jährige Bestehen feiert. Foto: Andreas Schmitter

Den stetigen Wechsel der vorwiegend jungen Akteure hat der Trägerverein bis heute schadlos überstanden. Zu erwarten war das nicht, wenn man auf die Anfänge zu Beginn der 1990er Jahre zurückblickt. Damals gab es eine aktive Szene, die an den verschiedensten Stellen der Stadt immer wieder leerstehende Häuser besetzt hat und dort auch der jungen Subkultur eine Bühne geben wollte. Hinzu kamen etliche jugendliche Punker, die sich damals mit ihren Hunden in großer Gruppe auf dem Markt niedergelassen haben, dort regelrecht campierten, oftmals Saufgelage abhielten und Passanten immer wieder in Angst und Schrecken versetzten.

Wie damit umgehen? Der Stadt fiel zunächst nicht viel mehr ein als Druck und Repression. Platzverweise wurden ausgesprochen, erinnert sich Helmut Ludwig, der damals als sachkundiger Bürger die Sozialpolitik der Grünen mitgestaltet hat und heute Fraktionsgeschäftsführer ist. Bis Würselen haben Ordnungskräfte die Punker gefahren, von wo sie dann aber schnell wieder zu Fuß ins Zentrum zurückgekehrt sind.

Um die Situation zu entspannen, hatte Ludwig vermittelt. Ein Treffpunkt sollte ihnen geboten werden, an dem sie sich einrichten konnten und andere durch ihr Auftreten, ihr Aussehen und ihren Musikgeschmack nicht weiter störten. Zunächst wurde für sie ein Bauwagen am Branderhofer Weg aufgestellt, doch schon nach dem ersten Winter hatte sich das Projekt wieder erledigt. So rückte der Bunker am Hauptbahnhof in den Blick von Ludwig, der ihn damals mit dem autonomen Aktivisten Kurt Kitzing in Augenschein nahm und für brauchbar befand.

Tatsächlich konnten die Sicherheitsbedenken ausgeräumt und — gegen den Willen der CDU und des damaligen Oberstadtdirektors Heiner Berger — eine Genehmigung eingeholt werden, so dass dort bis heute Konzerte und Veranstaltungen stattfinden können, die die Aktiven der linksautonomen Szene komplett in Eigenregie organisieren. „Wir machen das alles ehrenamtlich, alles ist gemeinnützig“, sagt eine Sprecherin, die ungenannt bleiben will und auch keine weiteren Angaben zur Zahl der Mitglieder des AZ-Vereins machen will.

Zurückhaltung ist angesagt, weil sie sich selbst als Speerspitze im Kampf gegen Neonazis und Rassisten verstehen und in der Vergangenheit auch mehrfach von Neonazis angegriffen wurden. „Wir sind genug, um das AZ betreiben und offen halten zu können“, sagt die Sprecherin. Gewinne werden mit dem Kneipenangebot und den Veranstaltungen ausdrücklich nicht erzielt. Finanzielle Hilfe von der Stadt lehnt der Verein strikt ab. Einzig die Räume werden kostenlos genutzt. Die Eintrittspreise werden konsequent unter zehn Euro gehalten. „Und wer gar kein Geld hat, kann auch kostenlos rein“, heißt es.

So will man es auch am nächsten Wochenende halten, wenn das 25-jährige Bestehen gefeiert wird. Dreizehn Bands haben sich für Freitag und Samstag, 4. und 5. Mai, zum AZ-Fest angekündigt. Geboten wird alles, was laut ist: Punk, Alternative Rock, Ska, Hip Hop ... Dazu gibt es Vorträge, veganes Essen, Kaltgetränke. Zwischen fünf und zehn Euro soll der Eintritt liegen. „Das kann jeder selbst wählen. Wer will, kann auch gerne mehr bezahlen.“ Auch Familien mit Kindern seien willkommen, heißt es seitens des Vereins. „Wir wollen zeigen, dass wir offen und für die Menschen da sind.“

Spontanität ist freilich hilfreich. Denn der genaue Programmablauf steht noch nicht fest. Klar ist lediglich, dass es am Freitag gegen 18 Uhr losgehen und am Samstag nach Mitternacht enden soll. Weitere Infos gibt es auf Facebook und im Internet.

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