Aachen: Kein offener Sonntag am Soerser Sonntag

Aachen : Kein offener Sonntag am Soerser Sonntag

Geht es nach der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, wird für den „Soerser Sonntag/CHIO Aachen“ am 16. Juli kein zusätzlicher verkaufsoffener Sonntag für den Handel im Umfeld von Krefelder Straße/Gut Wolf/Grüner Weg genehmigt. Die Entscheidung war knapp.

Die Bezirksvertretung empfiehlt dagegen eine weitere sonntägliche Ladenöffnung in großen Teilen der Innenstadt aus Anlass des Europamarktes der Kunsthandwerker am 3. September. Im März hatte der Stadtrat für die Innenstadt zwei von gesetzlich vier möglichen verkaufsoffene Sonntage freigegeben. Es sind der 1. Oktober anlässlich der Aktion „Ehrenwert — Tag der Vereine“ und der 10. Dezember zum Aachener Weihnachtsmarkt.

Der MAC (Märkte und Aktionskreis City) beantragte nach dem Ratsbeschluss eine weitere sonntägliche Ladenöffnung zum Kunsthandwerkermarkt. Auch die IG Aachener Portal beantragte für den Aachener Norden eine weitere Öffnung anlässlich des „Soerser Sonntag“. Die Verwaltung empfahl der Bezirksvertretung, beiden Anträgen stattzugeben. Detlev Fröhlke, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung: „Es gibt keine Hinderungsgründe. Ich kann den Beschlussentwurf reinen Herzens empfehlen.“

Fröhlkes Herz mochte noch so rein sein, ein verkaufsoffener „Soerser Sonntag“ bereitete einigen Politikern große Bauchschmerzen. David Hasse von den Grünen brachte seine Bedenken auf diesen Nenner: „Welcher CHIO-Besucher geht denn mal schnell nebenan noch ein paar Wärmedämmplatten kaufen?“ Auch der ALRV sprach sich gegen den Antrag aus. Vermutlich, um der eigenen Einkaufsmeile in der CHIO-Zeltstadt keine Konkurrenz zu machen, wie Politiker mutmaßten.

Gerd Dupont, Geschäftsführer der Bezirksvertretung, betonte, auch der Betriebsrat des Möbelhauses Porta stehe hinter dem Antrag. Horst Schnitzler (UWG) bestätigte, ebenfalls erfahren zu haben, dass die Sonntagsarbeit den Mitarbeitern der Läden und Kaufhäuser „einen großen Teil des Lohns“ einbringe. Es sei „schwierig, dies den Mitarbeitern zu verweigern“, obwohl er grundsätzlich dafür plädiere, „sich den Sonntag freizuhalten und einen Tag mal ohne Konsum“ zu verbringen.

Die Meinungen gingen quer durch die Fraktionen hin und her. Das zu befürchtende Park-Chaos bei CHIO plus offener Sonntag trug ebenfalls zu den Bedenken bei.

Über die beiden Anträge wurde getrennt abgestimmt. „Für“ einen verkaufsoffenen Sonntag am CHIO-„Soerser Sonntag“ stimmten sieben Bezirksvertreter, „gegen“ ihn ebenfalls sieben, zwei enthielten sich. Bei Stimmengleichheit war laut Geschäftsordnung der Antrag damit abgelehnt.

Apropos: Das Ergebnis war damit nicht nur hauchdünn und nur auf Grund der Geschäftsordnung zustande gekommen, es legte auch einen uralten Polit-Trick nahe, wenn Stimmengleichheit zu erwarten ist: Einfach andersrum fragen. Will heißen: Wer ist „gegen“ den verkaufsoffenen Sonntag? Bei Stimmengleichheit ist er durch.

Das kann aber noch geübt werden: Am 5. Juli entscheidet der Hauptausschuss, am 12. Juli der Stadtrat über die zwei zusätzlich beantragten sonntäglichen Ladenöffnungen. Mit dem offenen Sonntag zum Handwerkermarkt hatte die Bezirksvertretung Aachen-Mitte weniger Probleme: zehn dafür, fünf dagegen, eine Enthaltung.

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