Aachen: Kautionsstreit mit Messer ausgetragen

Aachen: Kautionsstreit mit Messer ausgetragen

Im Prozess gegen den 46-jährigen Van Tu N. soll der Angeklagte für fünf Jahre ins Gefängnis. Das forderte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in ihrem Plädoyer vor dem Aachener Schwurgericht.

Zunächst hatte der Rechtsmediziner berichtet. Bei dem blutigen Streit, der bereits im Jahr 2007 in einem Mietshaus in der Wirichsbongardstraße stattfand, waren ein Kollege des vietnamesischen Kochs und eine weitere weibliche Person verletzt worden.

Das Hauptopfer, das erläuterte der Rechtsmediziner dem Gericht unter Vorsitz von Richterin Hildegard Tag, hatte Glück, dass es nicht an dem wuchtigen Stich in den Oberbauch verstarb. „Die Tatwaffe“, es war vermutlich ein Küchenmesser, „verfehlte nur knapp die zweitwichtigste Arterie des Menschen“, erklärte er den klinischen Befund. Die Wunde sei tief gewesen, der Stich sei mit großer Kraft ausgeführt worden. Das Opfer überlebte aber und konnte damals durch eine Notoperation gerettet werden.

Zum zweiten Mal

Der Streit hatte sich entzündet, weil das spätere Opfer im Frühjahr 2007 über zwei Monate in der Wohnung des mutmaßlichen Täters und jetzigen Angeklagten gewohnt hatte. Dafür hatte er eine Kaution hinterlegt, die er an diesem Abend des 14. April zurückfordern wollte.

Der Angeklagte hatte sich laut Staatsanwaltschaft herausgeredet, wollte das Geld nicht herausgeben, weil die Wohnung nicht ordnungsgemäß hinterlassen worden sei. Deshalb kam das Opfer dann an diesem Abend zum zweiten Mal zu dem Angeklagten, jetzt aber in Begleitung eines weiteren Mannes und zweier Frauen. Als die beiden Männer oben im vierten Stock mit dem Aufzug ankamen, habe der Angeklagte ein Messer gezückt und urplötzlich — so der Vorwurf — auf das Opfer eingestochen

In seinem Schlussplädoyer forderte Staatsanwalt Wilhelm Muckel eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Kammer hatte zuvor einen rechtlichen Hinweis erteilt, dass nicht nur eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags in Frage komme.

Der Verteidiger des Angeklagten, der den gesamten Prozess über nichts zum Tatvorwurf sagte, forderte dagegen einen Freispruch. Am Montag wird ein Urteil erwartet.

(wos)
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