Aachen: Katzenhilfe Aachen warnt: Die Hilferufe nehmen zu

Aachen : Katzenhilfe Aachen warnt: Die Hilferufe nehmen zu

Wer in Aachen zum Telefon greift, um die 555688 zu wählen, der hat oft keine schöne Geschichte parat. Der typische Anrufer bei der Katzenhilfe erzählt von mindestens einer Katzenmutter, die sich irgendwo auf seinem Grund niedergelassen hat, um zu werfen.

Und der typische Anrufer bei der Katzenhilfe weiß nicht, wie er mit im Schnitt vier Katzenbabys in seinem Gebüsch umgehen soll. Anrufe dieser Art häufen sich in der jüngeren Vergangenheit, berichtet Manuela Pabich. Die erste Vorsitzende des Vereins berichtet es mit Sorge.

Kümmern sich um Katzen: Marianne Zysk, Manuela Pabich und Peter Golz (von links). Foto: Ralf Roeger

500 Katzen versorgen Pabich und ihre Kollegen bereits jetzt täglich an Futterstellen in der Region. Es sind Tiere, für die im Tierheim kein Platz ist. Viele von ihnen ließen sich aufgrund ihres hohen Alters oder einer Erkrankung sowieso nicht vermitteln. Alleine die rund 100 Katzen, die der Verein in Aachen versorgt, kosten 800 Euro pro Monat nur für das Futter. Und es werden mehr. „Es kam schon vor, dass Halter uns ihre Tiere an den Futterstellen abgesetzt haben, weil sie die nicht mehr wollten. Deshalb geben wir die Futterstellen nicht öffentlich bekannt“, sagt Pabich.

Das Problem: auch ohne menschliche Hilfe steigt die Zahl der wilden Katzen. Der Grund: es gibt zu viele nicht kastrierte freilaufende Tiere. Die Lösung: Kastration.

Würselen regelt, Aachen nicht

Einer stetig und vor allem unkontrolliert wachsenden Katzenpopulation beizukommen, ist schwierig. Die Landesregierung, genauer gesagt das Umweltministerium, hat im vergangenen Herbst eine Musterverordnung zum Umgang mit dem Thema formuliert, die auch die Kastration umherstreunender Tiere einschließt. Die Katzenhilfe sieht in der Kastration ebenfalls einen Beitrag zum Tierschutz.

Laut Tierschutzbund haben bereits mehr als 70 Kommunen in NRW sogenannte Katzenverordnungen erlassen. In der Städteregion gibt es die Pflicht zur Kennzeichnung und Kastration von Freigängern bereits in Würselen, Herzogenrath, Eschweiler und Stolberg. In Aachen fehlt eine solche Regelung. Auf Anfrage der „Nachrichten“ teilte die Stadt mit, die Kastrationsverordnung sei seit mittlerweile einem Jahr kein Thema mehr in Aachen. Man finde die Kastration der Tiere nicht zielführend, weil die Zahl der Katzen sich damit nicht signifikant verringern lasse. Einen Alternativplan gebe es nicht.

Die Vertreter der Katzenhilfe finden das schade, weil es aus ihrer Sicht Signalwirkung für weitere Kommunen in der Region haben könnte. In der Folge, so hoffen die Katzenhelfer, könnten die Anrufe in der „Kralle“, dem Vereinsheim der Katzenhilfe in Würselen, zurückgehen.

Wenn in der „Kralle“ das Telefon klingelt, könnte es ein Ordnungs- oder Veterinäramt sein, das beim Einfangen von Tieren Unterstützung von der Katzenhilfe erfragt. Meist aber sind es Privatpersonen oder Mitarbeiter von Firmen. So wie der Pförtner eines Unternehmens in einem Aachener Gewerbegebiet. Dort hatte er immer für eine Katze gesorgt, sie regelmäßig gefüttert. Irgendwann kam eine zweite dazu, dann die Katzenbabys. Aus Angst, der Vermehrung nicht mehr Herr zu werden — Katzen können zwei bis drei Mal pro Jahr werfen —, wandte sich der Pförtner an die Katzenhilfe.

Und die reagierte in diesem Fall, wie sie es meist tut: „Wir greifen unsere Ausrüstung und fahren los“, sagt Geschäftsführer Peter Golz. Zur Ausrüstung gehören Lebendfallen, Ansatzkörbe und Futter, zum Modus Operandi vor allem viel Zeit. Nachdem die oft scheuen Tiere angefüttert wurden, manchmal über Wochen und Monate hinweg, kommen die Lebendfallen zum Einsatz. Die lassen die Katzenhelfer nie alleine, „denn wenn eine Katze da reingeht und das Türchen zufällt, kann die es mit der Angst zu tun bekommen. Deshalb decken wir den Käfig schnell mit einem Tuch ab“, erklärt Pabich. Meist folgt ein Besuch beim Tierarzt gefolgt von der Frage, wo die Katze bleibt.

Ab und zu, erklärt die zweite Vorsitzende Marianne Zysk, kämen ein paar Schützlinge im Tierheim unter, andere könne man — zumindest zeitweise — an Privatpersonen vermitteln. Allerdings gebe es auch Tiere, die nach der Kastration wieder laufengelassen und an Futterstellen versorgt werden müssten.

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