Aachen: Katho-Studierende gegen Beitritt zum Studierendenwerk

Aachen : Katho-Studierende gegen Beitritt zum Studierendenwerk

Mit Zetteln und Plakaten protestieren Studierende der Katho (Katholische Hochschule) in Aachen gegen den Beitritt ihrer Hochschule zum Studierendenwerk. Der Unmut ist offensichtlich. Sie beklagen einen höheren Semesterbeitrag und Verschlechterungen im gastronomischen Angebot bei ihrem „Café Sozialpunkt“.

In einer E-Mail an die Hochschulleitung zeigen sich AStA und Studierendenparlament (StuPa) verschnupft über den nun doch vollzogenen Beitritt, den die studentischen Gremien ablehnen. In einem Schreiben hatten sie noch im Januar auf die Nachteile hingewiesen, die aus ihrer Sicht das Studierendenwerk den Aachener Katho-Studenten beschert.

Dazu gehört etwa ein um 83 Euro steigender Semesterbeitrag. Bislang waren etwas mehr als 190 Euro fällig für das Semester-Ticket und die AStA-Beiträge. Und schon jetzt hätten einige Studierende „mit Fluchtbiografie“ oder „Familienverantwortung“ Schwierigkeiten, diese Summe aufzubringen, heißt es im Schreiben der studentischen Gremien. Sie unterstützen die Betroffenen mit Mitteln aus einem Sozialfonds. Mit dem höheren Beitrag nach dem Beitritt zum Studierendenwerk könne das aber nicht mehr gewährleistet werden.

Ab dem kommenden Wintersemester sind dann rund 270 Euro zu berappen. Dafür gebe es aber auch Leistungen, die den Studierenden bislang noch nicht geboten würden, hält der Aachener Katho-Verwaltungsleiter Frank Martin dagegen. Neben Wohnheimplätzen zählt er dazu günstigere Mensa-Preise, die Betreuung von Kindern in Kitas des Studierendenwerks oder auch eine Bafög-Beratung. Solche Vorteile wüssten die Studierenden an sämtlichen übrigen Aachener Hochschulen zu schätzen, meint Martin, selbst die kleine Aachener Abteilung der Hochschule für Musik und Tanz in Köln.

Wie die ist auch die Aachener Katho Teil eines größeren Ganzen. Als Hochschule für Soziale Arbeit gehört sie zur Katho NRW, die neben Aachen auch die Standorte Köln, Münster und Paderborn hat. Das für alle Standorte gemeinsame Rektorat dränge darauf, erklärt Frank Martin, dass nach Köln und Münster nun auch Aachen und Paderborn dem Studierendenwerk beitreten.

„Profitstreben“

Dagegen regt sich Widerstand an der Aachener Robert-Schuman-Straße. Verwaltungsleiter Martin sieht dahinter lediglich „einige Vertreter“ der etwa 1000 Studierenden in Aachen. Deren studentische Gremien verweisen in ihrem Schreiben an die Hochschulleitung hingegen auf eine Befragung, bei der sich eine „eindeutige Mehrheit“ gegen den Beitritt ausgesprochen habe.

Als einer der Gründe wird die gastronomische Versorgung angeführt. Das „Café Sozialpunkt“ in Zusammenarbeit mit dem Alexianer-Krankenhaus gebe sich „erfolgreich große Mühe, auf regionale und fair gehandelte Produkte zu achten“, schreiben die Studierendenvertreter. Sie erwarten vom Studierendenwerk dagegen eher „strategisches Profitstreben“. Zudem berichteten die Kommilitonen aus Köln, dass sich in der dortigen Cafeteria die Öffnungszeiten und Abläufe nicht an den Bedürfnissen der Studierenden oder Hochschulangehörigen orientierten.

In Aachen werde das „Café Sozialpunkt“ ausgiebig genutzt, meinen die studentischen Vertreter, eine vergünstigte Mensa-Nutzung würde nicht ausreichend nachgefragt.

Café „nicht gefährdet“

Verwaltungsleiter Frank Martin rechnet hingegen vor, dass der Semesterbeitrag einer Summe von 3,46 Euro pro Woche entspreche. „Mit drei vergünstigten Mensaessen hat man das wieder raus.“ Überdies sei das „Café Sozialpunkt“ gar nicht gefährdet, dazu gebe es eine ganz klare Vereinbarung.

Doch auch die anderen Leistungen, die mit dem Beitritt verbunden sind, halten die Studierendenvertreter anders als Martin, der von einer „Attraktivitätssteigerung der Hochschule“ spricht, für wenig reizvoll. Die Wartelisten für die Wohnheimplätze seien so lang, dass in nächster Zeit kaum etwas zu haben sei, teils auch zu weit entfernt von der Hochschule. Gleiches gelte für die Kita-Plätze.

Für diese Argumente zeigt Verwaltungsleiter Frank Martin wenig Verständnis. „Das Studierendenwerk funktioniert nach dem Solidarprinzip“, sagt er, ähnlich wie Krankenkassen. „Da sollten sich alle beteiligen.“

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