Aachen: Karriere mit Umwegen: Erfolgreiche Frauen erzählen ihre Geschichten

Aachen : Karriere mit Umwegen: Erfolgreiche Frauen erzählen ihre Geschichten

Es ist nie zu spät, auf der Karriereleiter ein Stück emporzuklettern, denn irgendwo tut sich immer eine neue Tür auf: Über ihre Karrierewege berichteten jetzt erfolgreiche Frauen aus der Region auf Einladung vom Zweckverband Region Aachen im Technologiezentrum am Europaplatz. „Karriere selbst gemacht.

Geradeaus gibt’s nicht“ lautete das treffende Motto.

„Wir möchten neue Wege aufzeigen und deutlich machen, was man von Männern lernen kann. Bei Frauen ist Privates und Berufliches eng verzahnt, es geht nicht unbedingt geradeaus. Frauen brauchen realistische Vorbilder wie unsere heutigen Gäste“, erklärt Mirka Hellemacher vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf. Sie hatte die praxisnahe Veranstaltung mit viel Herzblut engagiert.

„In Chancen denken“

Beschäftigung und Chancengleichheit für Frauen sind das Ziel von Andrea Hilger von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren: „Was die berufliche Neuorientierung, Existenzgründung, Ausbildung Erwachsener und Qualifizierung angeht, ist es wichtig in Chancen zu denken. Es gibt mehr freie Stellen, als man denkt, und ich erlebe jeden Tag tolle Quereinstiege. Wichtig ist das Netzwerken.“

Auch Obiageli Njoku weiß: „Karriere ist machbar“. Die Vorbild-Unternehmerin der Kampagne „Frauen unternehmen“ des Bundeswirtschaftsministeriums ist „Master of Business Administration“ und seit mehr als zehn Jahren Multicoach. Sie, halb Afrikanerin, halb Tschechin hielt einen packenden Impulsvortrag. „Ich hatte aufgrund von Sprachproblemen zunächst nur einen Hauptschulabschluss, war vom Grundberuf Krankenschwester. Es ist wichtig, seinem Bauchgefühl zu vertrauen, sich von Altlasten zu lösen und Menschen zu haben, die einen unterstützen“, sagt Njoku.

Im lockeren Gespräch mit AN-Lokalchef Achim Kaiser erzählten die Gäste auf dem Podium aus ihrem Leben. Als „Quotenmann“ berichtete Norbert Gilliam über seine berufliche Laufbahn, die er nach einem Burn Out unterbrochen hat. „Die Doppelbelastung aus Beruf und Familie war zu groß“, sagte Gilliam. Er übernahm für sechs Jahre die Rolle des Hausmanns, kümmerte sich um die vier Kinder, während seine Frau gearbeitet hat. Nun ist er Wiedereinsteiger im kaufmännischen Bereich.

Martina Herbst hat sich aus der Not heraus mit einer Gebäudereinigung erfolgreich selbstständig gemacht. Die soziale Komponente liegt ihr am Herzen, denn als alleinerziehende Mutter von drei Kindern kennt sie mögliche Probleme. „Für Notfälle halte ich stets ein freies Zimmer zur Verfügung.“

Silke Barthel ist Personalleiterin bei der Soptim AG, einem mittelständischen Unternehmen im IT-Dienstleistungsbereich, ist Mutter einer 15-jährigen Tochter. Das Studium abzubrechen, war für sie im Nachhinein der richtige Weg. „Als Kind wollte ich Primaballerina werden. Heute habe ich meinen Traumjob, gehe mit Menschen um. Und wenn ich von Bewerbern Lebensläufe vor mir habe, dann bevorzuge ich die mit Brüchen, denn die sind auch realistisch.“

Die 25-jährige Kinga Bartczak ist Masterstudentin mit der Fächerkombination Politik und Literatur. Sie organisiert Seminare für Studentinnen und Doktorandinnen, berät sie bei ihrer Karriereplanung. „Wenn man an seine Grenzen gegangen ist, weiß man, dass es keine Grenzen gibt“, sagt die junge Frau, die in den Coachingbereich gehen möchte.

Anne Wittenkämper ist 42 Jahre alt, hat zwei Kinder und arbeitet seit 15 Jahren als Bauingenieurin. „Ursprünglich wollte ich Pilotin werden“, schmunzelt sie. Auf dem Bau habe man es als Frau heute leichter. Dr. Sigrid Hegels war mit 32 Jahren bereits Leiterin eines Kraftwerks. Heute ist sie pensioniert, aber längst nicht im Ruhestand. Nach ihrer Karriere bei der Deutschen Bahn berät die Ingenieurin Studentinnen und Berufseinsteigerin.

„Netzwerken ist das A und O“

Coach Obiageli Njoku stellt fest: „Das Netzwerken, Knüpfen von Kontakten ist das A und O. Haben Sie immer viele Visitenkarten dabei!“. Frauen sollten den Mut haben, ihren eigenen, neuen Weg einzuschlagen und stets ein Ziel vor Augen zu haben.

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