Aachen: Karneval auf dem Stundenplan

Aachen: Karneval auf dem Stundenplan

Mitten im Advent, während sich ganz Aachen allmählich auf das Weihnachtsfest vorbereitet, bestimmt in den beiden vierten Klassen der Katholischen Grundschule (KGS) in der Passstraße — zumindest einmal in der Woche — ein anderes Thema die Gedanken vieler Kinder.

Denn jeden Donnerstagmorgen ist bei Josefine Dollberg, Finn Hammer, Awa Fischer, Alisha Döring und ihren Klassenkameraden Karneval im Unterricht angesagt. Unter der Leitung der Lehrerinnen Julia Assent und Corinna Kohn studieren insgesamt 52 Viertklässler das Theaterstück zur Proklamation des Aachener Märchenprinzen Paul III. (Hahn) ein.

Brunnen werden lebendig

Und darin lassen die neunjährige Josefine Dollberg als Miez, Finn Hammer (9) als Anton, Awa Fischer (9) als Lissje sowie die zehn Jahre alte Alisha Döring als Stadtführerin Brigitte Buschbohne die Aachener Brunnen lebendig werden. „Miez und Anton lassen die Brunnen tanzen“ heißt das gut 30-minütige Stück aus der Feder der ehemaligen Lehrerin Ulrike Doetsch, das die Projektleiterinnen Kohn und Assent ihren Schützlingen je nach Talent und Wunsch auf den Leib geschneidert haben.

„Mit den Vorbereitungen haben wir schon im vergangenen Schuljahr begonnen“, erzählt Corinna Kohn, geprobt wird seit nach den Sommerferien. „Anfangs haben wir zwei Unterrichtsstunden pro Woche für die Proben verwendet, inzwischen ist es nur noch eine“, sagt Julia Assent, „denn das Stück sitzt schon ziemlich gut.“

Vor allem natürlich bei den vier Hauptdarstellern, die die Geschichte des Lissje vom Türelüre-Lissje-Brunnen erzählen, das just in dem Moment lebendig wird, als Stadtführerin Brigitte Buschbohne einer Gruppe Touristen den Brunnen in der Klappergasse führt. Brigitte Buschbohne erschreckt sich und das Lissje macht sich aus dem Staub. Auf ihrem Weg durch Aachen trifft es auf Miez und Anton — die Maskottchen des Aachener Kinderkarnevals.

Gemeinsam lassen sie noch das Fischpüddelchen, den Bahkauv und zum Schluss Kaiser Karl höchstpersönlich im Eäzekomp lebendig werden und erleben dabei allerlei Abenteuer mit einem vorlauten Kind, einer modeinteressierten Französin, einem nervigen Rehapatienten und anderen egozentrischen Touristen.

Nervös sind die vier nicht. „Aber das kommt sicher noch“, erzählen sie lächelnd. Derzeit sind sie jedenfalls mit Feuereifer bei den Proben dabei. Kein Wunder, schließlich sind sie kleine Karnevalsjecken. Alisha war sogar schon in einem Verein aktiv, und Finn erklärt stellvertretend für alle: „Man muss beides mögen, Karneval und Theater“, damit der Auftritt gelingt. Wenn man kein Spaß am Karneval habe, dann habe man auch keine Lust, bei dem Stück mitzuspielen. Und wenn man keinen Spaß am Theater habe, dann klappe das auch nicht mit dem Auftritt.

Für Schulleiterin Maria Keller, die selbst im Arbeitsausschuss Aachener Kinderkarneval (Akika) aktiv ist und deren Schule schon seit Jahren für das Theaterstück bei der Märchenprinzproklamation verantwortlich zeichnet, macht das Theaterspielen nicht nur Spaß, sondern erfüllt auch gleich mehrere Ziele des Lehrplans: „Da sind Teile des Deutschunterrichts dabei, aber Musik und Sport“, erklärt sie. Und ein erfolgreicher Bühnenauftritt bietet in ihren Augen „doch viel mehr Lebenserfahrung als so manche Unterrichtsstunde“.

Wichtige Erfahrung

Die nächste wichtige Erfahrung machen ihre Schüler kurz vor Weihnachten. Dann nämlich ist eine Probe im Eurogress angesetzt. „Das ist für unsere Schüler eine ganz andere Spielsituation, wenn auch die anderen Gruppen und Vereine dabei sind und die Kinder sehen, wie groß die Bühne und der Saal ist.“ Damit umgehen zu können, das bekommen laut Maria Keller Lehrer und Schüler „nur mit ganz viel Empathie und Geduld hin“. Und die ist eben auch schon mitten im Advent gefragt.

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