Erst pratschnass, dann pratschjeck: Rosenmontagszug in Aachen trotzt dem Sturm

Erst pratschnass, dann pratschjeck : Rosenmontagszug in Aachen trotzt dem Sturm

Und am Ende schien dann sogar die Sonne für die Öcher Jecke. Als Prinz Tom I. um 16.51 Uhr mit seinem Prinzenwagen auf den Aachener Markt bog und aus allen Rohren Kamelle, Marzipan, Kekse feuerte, tat er das unter einem blauen Himmel. Das hatte exakt vier Stunden und 40 Minuten zuvor noch ganz anders ausgesehen.

Um Punkt 12.11 hatten sich die 174 Wagen und Gruppen auf dem Adalbertsteinweg in Bewegung gesetzt. Und damit eine Stunde später als ursprünglich geplant. Mit dieser Verzögerung hatten die Verantwortlichen des Festausschusses Aachener Karneval (AAK) und die Mitglieder der Koordinierungsstelle mit Stadt Aachen, Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten eigentlich Tief „Bennet“ und seinen angekündigten Stürmen aus dem Weg gehen wollen, manövrierten die Zugteilnehmer und Zuschauer damit aber unverschuldet prompt in einen Regen- und Hagelschauer, der kurz nach 12 Uhr einsetzte und nicht nur alle Beteiligten komplett durchnässte, sondern sogar Aachens Karnevalsprinz Tom I. samt Teilen seines Hofstaats in die Flucht schlug.

Und so kam es, dass die Stadtreiter, die Klüttekenger und auch die ersten Wagen der Oecher Penn am Prinzenwagen kurz vor dem Kaiserplatz vorbeizogen, der Prinz aber noch im gegenüberliegenden Imbiss Zuflucht suchte.

Von diesem Startproblemen einmal abgesehen, konnten die Verantwortlichen um AAK-Präsident Frank Prömpeler und Zugleiter Günther Hintzen aber schon wenig später aufatmen. Der Zug verlief ohne größere Probleme und vor allem ohne Sturmschäden.

195.000 Zuschauer lassen sich von Tief „Bennet“ nicht abhalten, sich den Rosenmontagszug in der Innenstadt anzusehen. Bei Tief „Ruzica“ 2016 waren nur 130.000 gekommen. Foto: Andreas Herrmann

„Es war die richtige Entscheidung“, bilanzierte Prömpeler bereits am Nachmittag noch während des Zuges – und zwar in zweifacher Hinsicht: erstens, den Zug überhaupt zu starten und zweitens, die Jecken verspätet auf die Reise zu schicken. Denn so habe man die zusätzliche Stunde noch dazu nützen können, die Wagen nochmals auf lose und abzubauende Teile zu kontrollieren, sowie die Strecke in Augenschein zu nehmen. Zusätzlich war bereits zuvor entschieden worden, die Pferde und Gespanne aus dem Zug zu nehmen sowie lose Teile und Fahnen an Wagen und Aufbauten abzubauen. Ähnliche Vorkehrungen hatte der AAK bereits 2016 mit Erfolg bei Tief „Ruzica“ getroffen.

Dass dann ausgerechnet der Start ins Wasser fiel, war dabei allerdings nicht geplant gewesen. „Die ärgsten Sturmböen und Regenfälle waren für die Zeit zwischen 11 und 12 Uhr vorhergesagt gewesen“, berichtete Zugleiter Hintzen. „Dann wäre das schon vor Zugstart durch gewesen“, pflichtete ihm Frank Prömpeler bei. Aber Tief „Bennet“ hatte Verspätung.

Die einstündige Verspätung, mit der sich der Zug in Bewegung gesetzt hatte, holten die Gruppen und Wagen übrigens fast wieder ein, stellte Hintzen bei seinem Abschlussfazit fest, so flott sei der Zug in diesem Jahr unterwegs gewesen.

Sehr zur Freude wohl der meisten der 195.000 Jecke, die trotz der widrigen Begleitumstände vor und zu Beginn die Zugstrecke säumten. Und wohl auch der vielen Zugteilnehmer selbst. Denn, obwohl der Himmel ab dem frühen Nachmittag zunehmend aufklarte, blieb es windig und die meisten waren vom regnerischen Beginn noch einigermaßen nass.

Für Aachens Prinz Tom I. ist der Rosenmontagszug natürlich der Höhepunkt seiner Regenschaft. Foto: Andreas Herrmann

Das ist auch Oberbürgermeister Marcel Philipp so ergangen, der den Zug wie immer als Mitglied der Stadtgarde Oecher Penn erlebt hatte. „Die ersten 20 Minuten war es richtig ungemütlich“, erzählte er anschließend, aber auch er unterstützte die Entscheidung, dem Zug – wenn auch mit Verspätung – grünes Licht zu geben. „Die Verantwortlichen haben aus allen verfügbaren Informationen die beste Entscheidung getroffen“, sagte Philipp. Den Zug abzusagen, wäre aus seiner Sicht eine „ganz üble Sache“ gewesen, denn viele hundert Beteiligte hätten sich auf den Zug vorbereitet und gefreut. Dass sie jetzt nass geworden seien, sei das kleinere Übel, „denn das schweißt ja auch zusammen“.

Und so zogen wieder viele der mehr als 50 Aachener Karnevalsvereine mit ihren Wagen durch die Stadt. Die Stadtteiltollitäten aus Richterich, Brand und Lichtenbusch waren dabei. Mit Thomas III. (Jäschke, 2017) und Michael II. (Kratzenberg, 2016) hatten zwei ehemalige Stadtprinzen Prinzen sogar eigene Wagen am Start. Aber auch andere Aachener Institutionen und Unternehmen – wie die Fachhochschule oder Streetscooter – beteiligten sich. Und die KG De Bahkäuvjere präsentierte unter dem Titel „Da muss Druck auf die Tube“ erstmals einen Mottowagen, der die Aachener Stadtentwicklung aufs Korn nahm. Doch, erneut machten die vielen farbenfrohen und fantasievollen Fuß- und Privatgruppen den Charme des Aachener Rosenmontagszuges – wie das Öcher Frittenbüdche, die KG Och Härm, Öcher Reäneweär aus Eilendorf, die Smileys vom Öcher Laach und viele andere mehr.

Apropos Fußgruppen: Zu diesen hatte Tief „Bennet“ auch die Aachener Stadtreiter und die Prinzengarde degradiert, weil die Zugleitung deren Pferde vorsichtshalber nicht hatte mitlaufen lassen. Gestört hat es niemanden. Und am Ende schien sogar die Sonne.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fast 200.000 Jecken beim Aachener Zug

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