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Für „Menschen helfen Menschen“

Öcher Lieder, 300.000 Euro und ein emotionaler Abschied

Moderator Manfred Kutsch begrüßt traditionell den Märchenprinzen als ersten auf der Bühne des Festivals der Oecher Lieder, das Leo I. mit seinem Hofstaat und seiner Garde eröffnet. FOTO: ZVA / Harald Krömer

Aachen Am Ende wurde es dann emotional. Als das Festival der Oecher Lieder am Donnerstagabend um kurz vor Mitternacht zu Ende ging, da brachen bei Michael Holz alle Dämme. Sein Abschied nach 22-jährigem Einsatz für den guten Zweck rührte nicht nur den 71-jährigen Bandleader, sondern auch die mehr als 1400 Jecken im ausverkauften Eurogress.

Die hatten zuvor knappe vier Stunden stimmungsvolle Fröhlichkeit bei jeder Menge Öcher Lieder erlebt und alle 150 Auftretenden gebührend gefeiert. Und das völlig zurecht. Denn alle Künstler hatten zugunsten des Hilfswerks unserer Zeitung „Menschen helfen Menschen“ auf ihre Gage verzichtet. So sind im Laufe der nunmehr 24 Festival-Ausgaben insgesamt schon mehr als 300.000 Euro für den guten Zweck zusammengekommen, wie Moderator Manfred Kutsch unter dem tosenden Beifall der 1400 Jecken im ausverkauften Saal mitteilte.

Apropos „ausverkauft“: Der Europasaal im Eurogress war am Donnerstagabend sogar mehr als das. Durch eine Buchungspanne war im Kartenvorverkauf ein Tisch, den es gar nicht gab, verkauft worden, so dass Manfred Kutsch „1398 plus 26 Zuschauer“ im Saal begrüßen durfte. Dies führte zu Beginn zu einigem Stühlerücken und – verbunden mit einem Verkehrsunfall vor dem Eurogress, der die Anreise behinderte – zu einem verspäteten Beginn des Festivals. Der guten Stimmung im Saal tat das allerdings keinen Abbruch, wie auch Thomas Thelen später auf der Bühne feststellen konnte.

Der Chefredakteur von „Aachener Zeitung“ und „Aachener Nachrichten“ dankte nicht nur den 150 mitwirkenden Künstlerinnen und Künstlern sowie den Zuschauern für deren Einsatz für den guten Zweck, sondern erfüllte sich selbst auch „einen Kindheitstraum“, wie er zugab. Denn er habe immer davon geträumt, einmal auf einer großen Bühne einen Orden zu verleihen. Und das tat er dann auch mit dem „ersten Karnevalsorden in der stolzen Geschichte von ,Aachener Zeitung’ und ,Aachener Nachrichten’“, wie er stolz verkündete. Und so bekamen Oberbürgermeister Marcel Philipp und Sparkassen-Vorstand Norbert Laufs, dessen Institut das Festival der Oecher Lieder schon seit langen Jahren unterstützt, die ersten beiden Medienhaus-Orden 2020.

Festival der Oecher Lieder FOTO: ZVA/Harald Krömer

Neben diesem Höhepunkt hatte OB Philipp zuvor schon einen zweiten ganz persönlichen Glanzpunkt miterleben dürfen. Denn nach dem traditionellen Auftakt mit Märchenprinz Leo I. samt Hofstaat, Garde und Tanzpaar traten mit de Pauer vier Newcomer im Öcher Fastelovvend auf. Und dort singen mit Julius und Luisa Philipp zwei seiner Kinder gemeinsam mit Carlotta Lauven und Tobias Pauels. Kein Wunder, dass der Tisch mit dem Oberbürgermeister und seiner Frau Gabriele als erster begeistert klatschend aufstand.

Es sollte nicht der einzige „Aufstand“ an diesem Abend bleiben. Denn egal, ob Kurt Christ sein „Konfetti überall“ regnen ließ, die Stallburschen um den Prinzen des Jahres 2015, Axel Schwartz, Pferdestallatmosphäre verbreiteten, die Spetzbouve „Humba tätärää“ anstimmten, die 4 Amigos als 3 Flamingos auftraten, weil Stefan Beuel erkrankt war, die Tanzgruppe Marangis der Koe Jonge Richterich ihren Showtanz zeigte, Hans Montag für Stimmung sorgte, de Originale mit Unterstützung des Saalorchesters von Michael Holz fetzig-jecken Live-Rock’n’Roll spielten oder Ex-Räuber Torben Klein von Heimat und Iwigkeit sang, das jecke Publikum im Saal feierte jeden Künstler und jede Künstlerin ausgelassen.

Exakt 1398 und 26 Zuschauer feiern die 150 Mitwirkenden beim 24. Festival der Oecher Lieder – damit war der Europasaal im Eurogress sogar mehr als ausverkauft. FOTO: MHA / Harald Krömer

Beim abschließenden Auftritt von Prinz Martin I. war das natürlich nicht anders. Die komplette Truppe samt Hofstaat, Prinzengarde, Tanzpaar und Kapelle hatte sich übrigens eigens für diesen einen Auftritt am Donnerstagabend in Kostüm und Uniform geschmissen – für Prinzengarden-Kommandant Dirk Trampen kein Problem. „Denn es tut sehr gut, hier so viele Menschen zu sehen, die anderen Menschen helfen wollen, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist“, rief Trampen in den Saal. Daher sei es für seine Truppe eine Ehre, sich ebenfalls in den Dienst der guten Sache zu stellen.

Das tat anschließend natürlich auch Prinz Martin I., der nicht nur seinen Sessionshit „All inklusive“ sang, sondern im Gespräch mit Manfred Kutsch auch sehr anschaulich von seiner Audienz beim Papst berichtete, bevor es zum großen Finale noch emotionaler wurde. Denn mit Michael Holz verabschiedete sich der Bandleader aus dem Karneval, der 22 der 24 Festivals mit seinem Orchester begleitet hatte. „Aber ich habe für Nachwuchs gesorgt“, sagte er mit Blick auf seine Söhne Oliver und Philipp, die dem Festival weiter treu bleiben werden. Und als dann Uwe Barthel von den Domspatzen für den 71-Jährigen die Öcher Version von „Halleluja“ sang, konnte Holz seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Doch er versprach noch, im kommenden Jahr zum Festival zurückzukehren, dann aber als Zuschauer im Saal. Am 4. Februar 2021 ist es so weit – beim 25. Festival der Oecher Lieder.

Info

Armin Laschet ist der Sieger des Publikums

Beim Festival der Öcher Lieder gab Chefredakteur Tom Thelen auch die Gewinner der AKV-Leserjury unserer Zeitung bekannt.

Dabei hatten wir unsere Leserinnen und Leser aufgerufen, die Programmpunkte der Fernsehsitzung des AKV mit Schulnoten zu bewerten. Und dies ist das Ergebnis:

Platz 3: Jürgen B. Hausmann (1,9)
Platz 2: Guido Cantz (1,9)
Platz 1: Armin Laschet (1,6)

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