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„Oecher Fastelovvendschau“ im Eurogress: Brings krönen die Show der Aachener Prinzengarde

„Oecher Fastelovvendschau“ im Eurogress : Brings krönen die Show der Aachener Prinzengarde

Die „Oecher Fastelovvendschau“ der Prinzengarde punktete mit prominenten Gästen. Doch nicht jeder Karnevalsimport überzeugte die Aachener Jecken im Eurogress.

Das wird eng. Exakt 1386 Stühle füllen die Narren bei der Prinzengarde im Eurogress – ausverkauft. Zur „Oecher Fastelovvendschau“ könnte Kommandant Dirk Trampen locker doppelt so viele Tickets verkaufen. Bloß der Platz fehlt. Die Show – etwas Tanz, viel Musik, null Redebeiträge – ist seit Jahren bei den Jecken enorm gefragt. Was vor allem am prominenten Programm liegen dürfte.

Umjubelter Höhepunkt am Samstagabend: Die Kölschrockband Brings, extrem selten im Westzipfel live zu erleben, zeigt im typisch karierten Beinkleid und mit druckvollem Live-Sound auf der Bühne, warum sie diesen Ausnahmestatus verdient. Exzellenter Klang, energiegeladene Performance – „ne superjeile Zick“ verschaffen die fünf Musiker mit Frontmann Peter Brings dem Aachener Narrenvolk. „So lang wir noch am Leben sind“ tönt aus den brandneuen Lautsprechersäulen des Europa-Saals. Seit 30 Jahren gibt es Brings. Und vielleicht auch eine Neuauflage 2021, wenn die Prinzengarde in Aachen ihr 111-jähriges Jubiläum feiert...

Ebenso herausragend: Torben Klein, gebürtiger Würselener und Wahlkölner. Der ehemalige Sänger der Räuber ist neuerdings solo unterwegs. „Für die Ewigkeit“ und „Dat es Heimat“ singt das Publikum Zeile für Zeile mit. Kleins Stimme ganz groß, der „kölsche Gabalier“ ist ein echter Stimmakrobat. Apropos: Artistisch dominiert der dritte Köln-Import des Abends, das Tanzkorps Kölner Rheinveilchen, mit 50 Tänzerinnen und Tänzern die Bühne.

 Perfektes Outfit: Auch unter den Augen von FDP-Chef Christian Lindner (in der Reihe 2.v.l.) wirbeln Inga Dahlen und Sandro Gallazini über die Bühne.
Perfektes Outfit: Auch unter den Augen von FDP-Chef Christian Lindner (in der Reihe 2.v.l.) wirbeln Inga Dahlen und Sandro Gallazini über die Bühne. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Sie klettern reihenweise aufeinander, schleudern einander bis unter die Scheinwerfer der Saaldecke. In der Aachener Region existiert nichts Vergleichbares. Auf diesem schwindelerregenden Stimmungsniveau können aus Öcher Perspektive nur die 4 Amigos mithalten, die natürlich auch vom Publikum der Prinzengarde gefeiert werden.

Völlig deplatziert im schloddrigen Straßenoutfit gibt hingegen Achim Petry, Sohn des ehemaligen Schlagerstars Wolfgang Petry, mit Papas Hits sein Debüt. Von wegen „Wahnsinn“. Der vierfache Gewinner des Ballermann-Awards passt besser in Mallorcas Partyhöhlen. „Warum bringst Du mich in die Hölle...?“ Mit Karneval verbindet Petry nichts.

 Unglückliches Auswärtsspiel: Achim Petry singt Hits wie „Wahnsinn“ seines Vaters Wolfgang.
Unglückliches Auswärtsspiel: Achim Petry singt Hits wie „Wahnsinn“ seines Vaters Wolfgang. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Im Unterschied zu „De Originale“ mit Sänger Michael Cosler. „Du hast zwar 30 Kilo Gewicht zum Vorjahr verloren, aber eure Musik viele Fans dazu gewonnen“, scherzt Moderator Trampen. Originalgetreu serviert die Aachener Band feinstes Öcher Liedgut, herzlich und authentisch. Vier Offiziere der Garde – Udo Schiffers, Holger Mayr, Roland Knur und Jörg Walldorf – amüsieren das Publikum mit einem eigenen Boygroup-Auftritt, veredelt mit der Tanzcrew T’n’Boom, als „Garde Take Four“. Weniger zu lachen hat beim „Heimspiel“ leider das tatsächlich wunderbare Tanzpaar der Garde. Inga Dahlen und Sandro Gallazini fallen zur Live-Musik der Kerkrader Garde-Kapelle sichtlich aus dem Takt. Tröstlich: Das Tanzpaar absolviert noch bis zu 300 weitere Auftritte, wenn die Garde Prinz Martin I. und seinem Hofstaat in sämtlichen Sälen der Stadt zur Seite steht. Da dürfen Dahlen und Gallazini wie gewohnt brillieren, zumal der diesjährige Prinz mit seiner tänzerischen Mottoshow und vielen eingängigen Liedern perfekt passt. Auch bei der Prinzengarde räumt Martin I. ab – erst mitten im Saal, dann gleich mit einer ganzen Reihe mitreißender Songs auf der Bühne. „Das ist einfach traumhaft, was für ein fantastisches Gefühl“, schwelgt er für alle hörbar selig im Glück.

Glück gehabt hat auch FDP-Chef Christian Lindner. Am Nachmittag vor der viereinhalbstündigen Show mussten exklusiv für den Liberalen noch Reitstiefel, Schuhgröße 45, besorgt werden. Lindner – übrigens ebenso Mallorca-Star Peter Wackel – dürfen als enge Freunde der Prinzengarde in Uniform im Rampenlicht aufmarschieren. Beide sind eigens zur Fastelovvendschau angereist. Der prominente Politiker und der populäre Sänger gehören zu den meist gefragten Selfie-Motiven des Abends.

 Umjubeltes Heimspiel: Torben Klein singt sich bei der Prinzengarde in die Herzen der Narren.
Umjubeltes Heimspiel: Torben Klein singt sich bei der Prinzengarde in die Herzen der Narren. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

„Das Rezept ist aufgegangen, unsere 1400 Gäste haben stundenlang voller Elan mitgefeiert, auch bis tief in die Nacht zur Musik der ‚Wheels’ im Foyer“, resümiert Kommandant Trampen am Sonntag. Und plant fleißig für 2021. Am 9. Januar wird im Eurogress 111. Geburtstag gefeiert. Vorher stehen die „Oche A’Love Partys“ im Zelt an der Eissporthalle am Fettdonnerstag, 20. Februar, und Karnevalssamstag, 22. Februar, an. Auch das dürfte eng werden.