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Digital statt analog: Aachener Narren verabschieden sich vom Karneval

Digital statt analog : Aachener Narren verabschieden sich vom Karneval

Hinter verschlossenen Türen beraten Präsidenten und Kommandanten mit Sibylle Keupen über Auswege aus der Krise. Dann wird Geheimhaltung vereinbart. Auf der Straße ist nämlich nicht nur ein Sessionsauftakt mit Alaaf und Alkohol tabu.

Den Jecken ist der Spaß vergangen, der Fastelovvend macht dieses Jahr früher denn je Feierabend – nämlich noch bevor die Session startet. Weder zum traditionellen Auftakt am 11.11. noch am darauffolgenden Wochenende wird in der Karnevalshochburg Aachen – wie zuletzt noch vage von einigen Offiziellen gehofft – auf offener Straße gefeiert. Auch in Kneipen und Restaurants darf maskenlos kein Alaaf gerufen werden. Tanzen verboten, mitsingen sowieso – alles würde die Covid-19-Ansteckungsgefahr erhöhen. Ein offizieller „analoger“ Sessionsauftakt wie in den vergangenen Jahren – etwa auf einer Bühne am Holzgraben oder auf dem Willy-Brandt-Platz – wäre für bis zu 500 Narren mit Mund- und Nasenschutz theoretisch zwar unter Einhaltung der Coronavirus-Schutzverordnung genehmigungsfähig, wie die Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt. Aber man wird davon Abstand nehmen.

Auf einem Krisengipfel kam die Problematik am Montagnachmittag hinter verschlossenen Türen auf den Tisch. Der Gesprächsinhalt gilt als närrische Geheimsache: Der Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK) Frank Prömpeler, der Präsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV) Werner Pfeil und der Kommandant der Prinzengarde Dirk Trampen hatten sich mit der gewählten Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen verabredet, um das coronabedingt Unvermeidliche zu verabschieden.

Klar ist: Der Krisenstab der Städteregion bestimmt die Marschrichtung. Der AAK folgt im Gleichschritt. Karneval wird in der kommenden Session in erster Linie in digitalen Formaten über die Bühne gehen. Von einer Totalabsage ist noch nicht die Rede – aber: Wer mitfeiern will, muss meist vor dem heimischen Computerbildschirm schunkeln. „Es läuft aufs Digitale hinaus“, lässt sich der AAK-Präsident zitieren. Mehr nicht. Was genau bis Ende des Jahres geboten wird, will Prömpeler nach Absprache mit Stadt und Krisenstab der Öffentlichkeit am 19. Oktober verraten. Die Verunsicherung ist groß.

 AAK-Präsident Frank Prömpeler (Archivbild) will nun digital Fastelovvend feiern.
AAK-Präsident Frank Prömpeler (Archivbild) will nun digital Fastelovvend feiern. Foto: dpa/Roberto Pfeil

Keupen übernimmt am 4. November die Regentschaft im Aachener Rathaus. Der jecke Auftakt wäre nur einige Tage nach der konstituierenden Sitzung der erste große Auftritt der frisch inthronisierten Oberbürgermeisterin vor närrischem Livepublikum. Daran ist nun nicht mehr zu denken. Keupen signalisierte den Karnevalisten dem Vernehmen nach bestmögliche Unterstützung. Angesichts des aktuellen Inzidenzwertes der Städteregion Aachen über der kritischen Warnmarke 50 unterliegen öffentliche und kulturelle Veranstaltungen aber verschärften Schutzauflagen. Das trifft den Karneval hart. Alkohol ist tabu, die Zwei-Meter-Abstandsregel muss eingehalten werden.

Der Kommandant der Oecher Penn, Georg Cosler, hatte bereits sämtliche Karnevalsveranstaltungen für 2020 abgesagt. Prinzengardenkommandant Trampen kämpft noch um die 111-Jahr-Feier seiner Garde am 14. November im Krönungssaal. Dazu hatte sein Team ein ausgefeiltes, enorm strenges Hygienekonzept vorgelegt. Wahrscheinlich scheint, dass die Session verschoben wird. Und mit ihr viele Veranstaltungen. Eine große Prinzengarden-Party mit Bands wie Cat Ballou ist ohnehin für den 21. August auf dem Aachener Katschhof geplant. Dann darf das Virus Carnevalis den Sommer beherrschen – und der Spaß kommt zurück.