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Aachener Kinderkostümzug trotzt dem Wetter

Der Kinderkostümzug am Tulpensonntag : Bunt, laut, pratschjeck und zuckersüß

Der Kinderkostümzug des Aachener Märchenprinzen Paul IV. hat am Sonntag dem zunächst nieseligem und windigem Wetter getrotzt. Und für Paul IV. hörte der Regen dann auf. 55.000 vor allem jüngere Zuschauer verfolgten den Kinderzug mit Begeisterung, 175 Helfer waren im Einsatz.

Wie ein Goldregen gehen an diesem Sonntagmittag glänzend verpackte Kamelle und Marzipanschokolade auf die Öcher Kenger nieder. Fünf Tonnen Süßwaren hat der Arbeitsausschuss Aachener Kinderkarneval (Akika) auf seinen Wagen verladen. Zwischen all den Paletten ist es hoch oben auf dem Märchenprinzenwagen ganz schön eng. Paul IV. und sein Hofstaat sind, warm eingepackt und mit Regencapes ausgestattet, bestens für das Öcher Regenwetter gerüstet.

Für den neuen Zugleiter Dirk Geller war es ein mehr als aufregendes Wochenende. Bis zuletzt blieb es spannend, ob der Umzug vom Unwetter verschont bleiben würde. Erst um 7.45 Uhr am Sonntagmorgen vermeldeten Geller und Frank Prömpeler, Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), dass der Zug wie angekündigt starten könne und auch die Aachener Stadtreiter mit ihren Pferden und die Kutsche für das Tanzpaar des Märchenprinzen teilnehmen können.
„Der drohende Sturm bereitete einige Sorgen. Deshalb haben wir auch entschieden, dass Paul IV. kurzfristig den Zug nicht vom Wagen aus abnimmt“, erklärte Thomas Jägerberg, Leiter des Akika. Er moderierte den Zug von der Tribüne der Stadtgarde Oecher Penn am Elisenbrunnen aus. Hier hatte am frühen Morgen traditionell die Ordensüberreichung zwischen Paul IV. Prinz Tom I., Oberbürgermeister Marcel Philipp, AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil, AAK-Präsident Frank Prömpeler und Dirk Trampen, Kommandant der Prinzengarde Aachen, stattgefunden.

Samba wirbelt den Zug auf

Um 11.11 Uhr setzte sich der Zug unter dem Motto „Kenger va övverall – fiere Öcher Karneval“ dann von der Oppenhoffallee aus noch im strömenden Regen in Bewegung. Die Verkehrskadetten, die Zugleitung, die Stadtreiter, die Prinzengarde der Stadt Aachen und die Öcher Klüttekenger bildeten die Vorhut. Die Heinrich-Heine-Gesamtschule und die David-Hirsch-Schule griffen mit rund 80 Schülern das Thema Inklusion unter dem Motto „Wir gehören zusammen“ auf. Die Gemeinschaftsgrundschule am Höfling, ein Dauerteilnehmer beim Zug, brachte unter dem Leitwort „Vür nemme all met en et Boot“ 215 Kinder mit. Das Rhein-Maas-Gymnasium thematisierte die kreativen und arbeitserleichternden Möglichkeiten der „digitalen Schule“ und wirbelte gemeinsam mit den Aixotic Sambistas und zwei Streetscootern den Umzug auf.

Regen, Kamelle und gute Laune: Kinderzug schlängelt sich durch Aachen

Insbesondere die Jugendabteilungen der Vereine, zum Beispiel der KG Koe Jonge Richterich, KG Hooreter Frönnde und der Stadtwache Oecher Börjerwehr, sind jedes Jahr treue Zugteilnehmer. Für Stimmung zwischen den Wagen und Fußgruppen sorgen der Musikverein Heimat-Echo Steckenborn und Musikverein Eintracht Mützenich, das Trommler- und Pfeiferkorps Aachen-Hörn, die Grenzland Trompeter und das Trommler- und Pfeiferkorps Aachen Burtscheid.

Dem nieseligen und windigen Wetter zum Trotz setzte zum Beispiel der Schulverband Aachen-Ost mit viel karibischer Fantasie farbige Akzente. Exotisch ging es auch bei der Domsingschule zu, die „Va Oche bes noeh Chinatown“ für Kinder trommelte und sich für eine kindgerechte Weitergabe des karnevalistischen Brauchtums einsetzte. Weitere Teilnehmer waren die Jugend vom DRK Aachen und der DLRG-Ortsgruppe Aachen, die Rhönradgruppe des ATV Aachen.

Das Kindernetzwerk Rothe Erde mit Uschi Brammertz und Birgitt Lahaye-Reiß, sowie das Kindernetzwerk Forst von Klaus-Dieter Jacoby waren mit insgesamt drei Wagen dabei. „Wir nehmen alles unter die Lupe“ war das Motto von 90 Schülerinnen vom Mädchengymnasium St. Ursula. Und die Grundschule Höfchensweg entführte die Zuschauer in die Unterwasserwelt. Und als der Märchenprinzenwagen mit der Zugnummer 111 gegen 13.30 Uhr den Elisenbrunnen passiert, hat sogar der Regen aufgehört. Akika-Außenreporter Thomas Muckel mischte sich hier unters Volk und hörte überall viel positives Feedback dafür, dass Thomas Jägerberg als neuer AKiKa-Leiter neue Akzente im Kinderkaneval setzt.

„Bis aufs Wetter alles super“

„Bis auf das Wetter war alles super, und der Zug ist ohne Probleme abgelaufen. Auch dank der 175 Helfer und Wagenengel“, zog Dirk Geller am Nachmittag ein zufriedenes Fazit. Rund 55.000 Zuschauer hatten sich entlang der Strecke eingefunden, vor allem an der Theaterstraße und an der Jakobstraße standen die Familien dicht an dicht, und es herrschte tolle Stimmung. Oberbürgermeister Marcel Philipp erlebte den Zug als Wagenengel am Märchenprinzenwagen mit. Und das KK Oecher Storm bildete die Nachhut.

 Feuer und Flamme für den Karneval: Schlechtes Wetter ist für Öcher noch lange kein Grund für schlechte Laune!
Feuer und Flamme für den Karneval: Schlechtes Wetter ist für Öcher noch lange kein Grund für schlechte Laune! Foto: Heike Lachmann

Egal, wie das Wetter war, auch ohne Sonnenschein war der Kinderkostümzug der absolute Höhepunkt in der Prinzenzeit von Paul IV. Vor seiner offiziellen Verabschiedung wollen er und sein Hofstaat den Rosenmontagszug vorm Rathaus anschauen. Danach folgt noch der traditionelle Auftritt mit Prinz Tom I. im Rathaus. Am Dienstag besucht der Märchenprinz Kinder im Uniklinikum Aachen, die momentan nicht so fröhlich mitfeiern können. Und nach Aschermittwoch darf er sich auf die Aufnahme in das neu begründete Ex-Märchenprinzenkorps freuen.

Zusammenhalt stärken

Damit möchte der AKiKa ab sofort den Zusammenhalt unter den Jungen stärken. Dafür wurde Willi Leymann, selbst 1989 Märchenprinz, als Ehemaligenbeauftragter ins Team geholt. In der nächsten Session, welche die 70. ist, wird es einige Überraschungen geben und die Märchenprinzen der jüngsten Zeit singen bei der Proklamation dess neuen Märchenprinzen ein Medley ihrer Lieder.

Und so stieg Paul IV. nach der Auflösung des Zugs ein wenig müde, aber glücklich vom Wagen ab, bevor es zu einer wärmenden Mittagspause und dem anschließenden Besuch der Kaffeevisite des Aachener Karnevalsvereins im Alten Kurhaus ging.