Aachen: Karlspreis: Monsieur le Président rief am Sonntag zurück

Aachen : Karlspreis: Monsieur le Président rief am Sonntag zurück

Zufriedene Gesichter im Haus Löwenstein am Freitagmittag: Gerade hat Oberbürgermeister Marcel Philipp verkündet, dass Emmanuel Macron, Frankreichs junger Präsident, der nächste Karlspreisträger werden wird. „Eine große Überraschung ist das nicht“, sagte Philipp. Und weil die Wahl so naheliegend ist, hat das Direktorium wohl auch die angesetzte Klausurtagung frühzeitig beenden können, wie er sagt.

Bereits am Mittwoch der vergangenen Woche habe die Mehrheit des Karlspreisdirektoriums sich für Macron entschieden, so Philipp.

Jürgen Linden, Philipps Amtsvorgänger und Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, zeigte sich überrascht, dass Macron ihn am vergangenen Wochenende, genauer gesagt am Sonntagabend, persönlich zu Hause angerufen habe: „Er hat sich sehr über unsere Entscheidung gefreut und wird sich dem kompletten Aachener Protokoll unterwerfen“, betont Linden. Das bedeutet: Er wird gemeinsam mit Familie und Freunden für mehrere Tage in Aachen sein. Macron habe erkannt, dass Europa derzeit schwach, ineffizient und zu langsam sei, sagte Linden. „Er setzt sich für eine Neugründung Europas ein und für eine neue europäische Souveränität.“

Dass zur Debatte um Europa auch die Stadt Aachen mit der Wahl dieses Preisträgers einen Beitrag leisten wolle, betonte Philipp. Dazu diene beispielsweise das umfangreiche Rahmenprogramm im Vorfeld der eigentlichen Verleihung am 9. und 10. Mai des kommenden Jahres. Aber auch das große mediale Interesse an der Veranstaltung selbst sorge sicherlich für Diskussionen.

„Ein großartiger Mann“

In Aachen freut man sich über die Wahl des Direktoriums: Georg Schmidt, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Aachen-Reims, sagt: „Emmanuel Macron ist ein großartiger Mann, das hat er gezeigt, als er mit einer neuen Partei und neuer politischer Strategie die Wahlen in Frankreich gewonnen hat. Und er setzt besonders auf die Freundschaft mit Deutschland, das gefällt uns.“ Auch Gerd Schnuch, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Walheim-Montebourg, erklärt: „Wir freuen uns sehr, ganz besonders meine Frau als gebürtige Französin. Wir haben schon ein wenig geahnt und spekuliert, dass Macron die Auszeichnung erhält.“


Lob für die Entscheidung bekommt das Karlspreisdirektorium auch von der jungen „Pulse of Europe“-Bewegung. Macron habe der dringend gebotenen Weiterentwicklung der EU mit seinen Vorschlägen entscheidende Impulse gegeben. Joachim Sina, einer der Pulse of Europe-Organisatoren in Aachen, sagte: „Die Nominierung für den Karlspreis 2018 ist eine wichtige Anerkennung des konstruktiven Führungsanspruchs Frankreichs und zugleich ein hoffentlich hilfreicher Hinweis aus der alten Europastadt Aachen nach Berlin.“ Pulse of Europe blicke einer hoffentlich konstruktiven Weiterentwicklung Europas positiv entgegen. „Wir hoffen, dass wir uns auf eine Zeit mit Debatten um gute europäische Lösungen freuen dürfen“, betonte Sina.

Der Nougat-Verkäufer wartet ab

Louis Monaco ist Franzose und verkauft auf dem Aachener Weihnachtsmarkt französischen Nougat. Seine Reaktion auf den Preisträger ist etwas zurückhaltender: „Ich kenne den Karlspreis nicht und habe Emmanuel Macron auch nicht gewählt, weil mir seine Vision nicht gefällt. In Frankreich ist das große Thema zurzeit nicht Europa, sondern die Einwanderung. Doch Macron ist ein sehr kluger Mann, der viel von Geschichte und Kultur versteht. Wir müssen abwarten, was er noch erreicht.“

(slg/hr/akas/mh)
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