Aachen: Karlspreis: Gänsehaut pur auch für Peter Maffay

Aachen : Karlspreis: Gänsehaut pur auch für Peter Maffay

Es war auch für Rock- und Popstar Peter Maffay ein einmaliges und außergewöhnliches Erlebnis. Denn erstmals in der langen Geschichte der Karlspreisverleihungen — und das sind immerhin 65 Jahre — brachte ein renommierter Musiker einem Karlspreisträger im Krönungssaal ein besonderes Ständchen.

Und dieser herausragende Kurzauftritt war denn auch der krönende Abschluss einer gelungenen Verleihungszeremonie. „Martin hat den Karlspreis wie kein anderer verdient“, freute sich Maffay mit seinem Freund Martin Schulz. Und bevor der Sänger zusammen mit dem städtischen Sinfonieorchester und seinen beiden Bandgitarristen Peter Keller und Pascal Kravetz den Hit „Über sieben Brücken mußt du gehn“ anstimmte, fand er noch ein paar persönliche Worte: „Lieber Martin, es ist wunderbar, hier dabei zu sein. Du bist der wahre Brückenbauer. Herzlichen Glückwunsch!“

Empfingen den Karlspreisträger auf dem Katschhof mit einer besonderen Europahymne: das Kinder- und Jugendorchester der Musikschule. Foto: Harald Krömer/Michael Jaspers

Rund 2000 Schaulustige feierten im Anschluss an den offiziellen Festakt den Preisträger und seinen Freund auf dem Markt. Beide genossen auf der Rathausempore den donnernden Applaus der Menge, aus der auch vereinzelte „Peter“-Rufe kamen. Dann gingen sie an den winkenden Zuschauern vorbei Richtung Katschhof, wo Maffay neben der hohen Staats- und Politprominenz den meisten Applaus einheimste. „Das ist auch für mich kein Alltag“, gestand der 65-jährige Sänger, Komponist, Schauspieler, Gitarrist und Musikproduzent. Denn zusammen mit dem spanischen König Felipe VI., Bundespräsident Joachim Gauck, dem französischen Staatspräsidenten François Hollande, dem jordanischen König Abdullah II. bin al-Hussein und natürlich dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Karlspreisträger Martin Schulz, stand Maffay noch nie auf einer Bühne zusammen.

Europahymne

Vor annähernd 1200 Interessierten auf dem Katschhof gab es für die große Delegation eine Alternativversion der Europahymne: Das Kinder- und Jugendorchester der städtischen Musikschule unter Leitung von Marion Simons-Olivier und Musikschulleiter Harald Nickoll präsentierte zwei Strophen mit einem auf den Karlspreisträger zugeschnittenen Text, der Schulz fast zu Tränen rührte. Aber auch Maffay zeigte sich beeindruckt: „Die lange Freundschaft und der Respekt vor Martin habe mich bewogen, hier in Aachen dabei zu sein“, erklärte der Rumäniendeutsche mit seinem unverkennbar rollenden „R“. Mit Orchesterbegleitung habe er zwar schon öfter gespielt, nicht aber in einem so festlichen Rahmen. „Das war auch für mich Gänsehaut pur“, bekannte der überaus sympathische Star, der keinerlei Anzeichen irgendwelcher Allüren zeigte.

Er ziehe den Hut vor Schulz, sagte Maffay, weil er sich mit „enormer Energie, positiver Unrast und einem gesunden Maß an Unnachgiebigkeit“ für Europa einsetze und seinen unterschiedlichen Gesprächspartnern immer auf Augenhöhe begegne.

Das tat auch Maffay kurz vor seiner Abreise aus Aachen, als ein junger Fan ein Foto mit ihm machen wollte. „Komm, wir setzen uns auf die Rathaustreppe, da sind wir beide auf Augenhöhe“, sagte er zu dem Mädchen, ließ Fotos machen und verabschiedete sich Richtung Timmendorf: „Da machen wir heute noch ein bisschen Krach.“ Auf dem Programm stand für den Bandleader Donnerstagabend noch eine Probe vor dem großen Open-Air-Konzert am Dienstag. Dann kehrt für Peter Maffay wieder der Rock- und Pop-Alltag ein, wenn ihm Zehntausende Fans am Timmendorfer Strand zujubeln.