Aachen: Karl von Monschau feiert 70. Geburtstag

Aachen: Karl von Monschau feiert 70. Geburtstag

Zum 70. blickt Karl von Monschau nach vorn. Zwar schaut er auf mehr als 50 Jahre künstlerische Arbeit zurück, aber er hat noch viel vor. „ Ich habe den Kosmos im Kopf. Das ist Innere Monschaurei, und da ist ziemlich viel los“, sagt das Geburtstagskind, das 1944 während der Evakuierung in Monschau geboren wurde und an der Promenadenstraße in der Nähe der Synagoge eine Atelier-Galerie betreibt.

Da hängen einige der Landolt-Ringe, die den heutigen Aachener zum Herrn der Ringe machten, weiterhin Gemälde, die zur „Meerbüro“- Serie gehören und die berühmten „Opfer-Anoden“, die Rost und den Umgang mit dem Verfall zum Thema haben. Eine ganze Wand gehört der Implosion des Schwarzen Quadrats — bei Karl von Monschau wird die revolutionäre schwarze Fläche nach dem Knall zum schwarzen Kreis, der sich an den Rändern zu verflüchtigen scheint.

Kunst macht Karl von Monschau, der als Karl Winter auf die Welt kam, seit er etwa 13 Jahre alt war. Da stellte er auch gleich in einem Bonner Ministerium aus — eine Zeichnung zum Ungarn-Aufstand mit einem Panzer, die das KKG als seine Schule dorthin vermittelt hatte. „An meinen Kunstlehrer Willi Schauerte erinnere ich mich gerne“, sagt der schwarz gekleidete Künstler vor dem schwarzen Großkreis. „Er hat mich sehr bestärkt.“ Doch leider reichte die Bestärkung nicht für das Abitur — schwere Nöte in Altgriechisch und Mathematik führten zu einer Lehre in der Schauwerbegestaltung.

„Mit 21 Jahren war ich damals nicht nur erwachsen, sondern auch schon beruflich selbstständig.“ Schon bald unterhielt er ein eigenes Atelier im alten Kino an der Neupforte, lernte Wolfgang Becker und die Neue Galerie kennen und schätzen.

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Die „Freie Sommerakademie“, seinerzeit in der noch morbiden Aula Carolina gegründet, nahm ihren künstlerischen Anfang zwischen Fluxus, Neo-Dadaismus, Abenteurergeist und Spaß. 1980 erfand Karl von Monschau den ersten offiziellen Kunstautomaten der Welt, der viele Nachahmer fand. Dem Automaten folgten die Kunst-Schließfächer „Compartiment“ und nahezu unzählige andere Dinge, unter anderem die Frottagen der verschlossenen Kanaldeckel anlässlich des Karlspreises für Bill Clinton im Jahr 2000, der verschärfte Sicherheitsmaßnahmen erforderte und die bereits in Serie gegangenen Ausstellungen „Carte Blanche“ in der Fronleichnamskirche im Ostviertel, die Karl von Monschau kuratiert.

Dort findet nach seinen Geburtstagsausstellungen in Monschau und Aachen im Juli eine Gruppenausstellung mit 28 Künstlern zum Thema „Schutzraum“ statt, im Herbst steht die VHS Aachen an. Weitere Projekte und Ausstellungen ergeben sich aus seinen großen Themen und Zufällen. „Ich liebe Zufälle“, sagt Karl von Monschau, der sich auch seinem Namensvetter Karl dem Großen widmen wird. Als Fluxus-Dada-Mann mit dem Kosmos im Kopf wird ihm da bestimmt etwas Besonderes einfallen.

Miniformate

Zurzeit arbeitet er an Miniformaten für den neuen Kunstautomaten. Kleine Zeichnungen zeigen ein Haus mit Katzenklappen — als Hommage an Isaac Newton, der neben der Beschäftigung mit den Naturwissenschaften die Katzenklappe erfunden haben soll.

Doch jetzt wird erst einmal gefeiert. Karl von Monschau zieht es zu seinen Wurzeln nach Monschau mit der Ausstellung „Montjoie ,c‘est moi“ in der Galerie Beumers, Laufen—straße 6. Die Eröffnung ist am heutigen Samstag um 12 Uhr.

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