Aachen: Kapuzinergraben: Der Durchblick bleibt ein Weilchen länger

Aachen : Kapuzinergraben: Der Durchblick bleibt ein Weilchen länger

Deutlich länger als geplant werden die Aachener zwischen Elisabethstraße und Kapuzinergraben noch den Durchblick haben. Projektleiter Rainer Lukassek, der dort im Auftrag der Aachener Landmarken AG ein Hotel, ein Bürogebäude und ein studentisches Apartmenthaus hochziehen soll, kämpft einstweilen noch mit einer unerwarteten Herausforderung.

Die Folge ist eine Bauverzögerung, über deren Länge noch niemand spekulieren mag.

Nachdem der Abriss des alten Elysee-Kinos und weiterer benachbarter Häuser im vergangenen Jahr noch planmäßig erledigt werden konnte, sollten die Hochbauarbeiten eigentlich längst in Angriff genommen werden.

Doch daraus wird vorerst nichts, wie Landmarken-Sprecher Kolja Linden und Lukassek am Montag auf Anfrage erklärten. Probleme bereiten nämlich die unzureichenden Fundamente des benachbarten Klosters der Armen Schwestern vom Hl. Franziskus sowie unter dem denkmalgeschützten Bau, in dem sich einst die Dresdner Bank befand.

Technisch aufwendig

Die Fundamente der geplanten Neuaufbauten reichen tiefer ins Erdreich als die Bestandsfundamente der benachbarten Häuser, sagt Lukassek. Die Gefahr ist daher groß, dass die Nachbarhäuser abrutschen. Sie müssen nun nachträglich „unterfangen“ werden, wie dies die Fachleute nennen. Es ist ein technisch aufwendiges Verfahren, mit dem offenbar niemand rechnen konnte. Denn auch der Vorgängerbau aus den 1970er Jahren hatte schon eine zweigeschossige Tiefgarage. Warum es während der Bauphase damals keine Probleme gab und die Nachbarbebauung seinerzeit nicht seitlich abgefangen wurde, darüber kann Lukassek heute nur spekulieren. Fakt ist, dass er dies nun nachholen muss.

Erforderlich sind somit zunächst neue statische Berechnungen und Absprachen mit den betroffenen Nachbarn, bevor dann die Fundamente der gefährdeten Nachbarbebauung Abschnitt für Abschnitt vertieft und gesichert werden. Wie lange dies dauert, kann derzeit offenbar niemand abschätzen. Und so will sich auch Kolja Linden nicht näher festlegen, wann überhaupt mit der Fertigstellung der drei Bauteile zu rechnen ist. Auch zu den Mehrkosten macht er keine Angaben.

Die Fertigstellung des siebenstöckigen Hotelkomplexes mit seinen 270 Zimmern, der von der Kette „Motel One“ betrieben werden soll, war urspünglich mal für das dritte Quartal 2018 geplant. Dies ist eindeutig nicht mehr zu schaffen. Auch von einem zweiten Zieltermin im Frühjahr 2019 haben sich die Landmarken-Leute zwischenzeitlich verabschiedet. „In innerstädtischen Lagen ist die Fertigstellung immer schwer zu schätzen“, sagt Linden, der daher auch keinen neuen Termin in Aussicht stellen will. Die Verzögerung sei für den Nutzer „Motel One“ jedoch kein Problem, sagt er. Gleiches gelte für die RWTH Aachen International Academy, die die geplanten 85 Apartments an der Elisabethstraße anmieten will.

Unterdessen widerspricht Lukassek dem immer wieder kursierenden Gerücht, wonach die Landmarken AG angeblich kein Interesse mehr am Erhalt der denkmalgeschützten Fassade am Kapuzinergraben habe und sie ungeschützt verfallen lasse. Das sei jedoch völliger Unsinn, versichert der Projektleiter. „Der Bau ist ein Juwel, den wir auf jeden Fall erhalten werden.“ Geplant ist, den Altbau mit einem modernen Bürohaus zu verschmelzen. Einzig der vorhandene Dachaufbau soll weggenommen und komplett erneuert werden. Von einem „Highlight“ spricht auch Linden: „Das Gebäude steht sicher und wird auch stehen bleiben.“

Und dies gilt den Fachleuten zufolge natürlich auch für die übrige Nachbarbebauung.

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