Aachen: Kanzlerin verteilt Lob für den Hochschulstandort

Aachen: Kanzlerin verteilt Lob für den Hochschulstandort

„Ein paar Abweichler, das geht ja noch!” kommentierte die Kanzlerin gewohnt schlagfertig die Zwischenrufe aus den hinteren Publikumsreihen bei der gestrigen CDU-Wahlkundgebung auf dem Markt. Da hatte Angela Merkel sicher schon anderes erlebt.

Nicht aber in Aachen, wie die prominente Wahlhelferin für die NRW-Kämpfer Armin Laschet und Norbert Röttgen am Montag vor etwa 2500 Menschen bekräftigte.

In der Stadt des Karlspreises, so Merkel, erinnere sie sich gerne und sehr positiv an den Tag vor ihrer Verleihung im Jahr 2008. Da habe sie sich sehr angeregt mit den Studierenden der hiesigen Hochschule unterhalten. Und angesichts der Bedeutung von Wissenschaft und Technik für die künftige Entwicklung der Bundesrepublik sei sie sehr froh darüber, dass es nicht nur im Süden, sondern auch „weiter nördlich eine bedeutende Exzellenz-Universität”, nämlich die RWTH, gebe.

Selbstverständlich fallen solche Worte nicht von ungefähr. Sie sind mit Bedacht gewählt und auch einer Personalie geschuldet, die mehrfach angesprochen und immer wieder mit Beifall bedacht wurde. Denn neben den Aachener CDU-Landtagskandidaten Ulla Thönnissen, Armin Laschet und ihren acht Kollegen aus den angrenzenden Kreisen stand in unübersehbarer körperlicher Länge RWTH-Prorektor Professor Günther Schuh auf der Bühne, der im Falle eines CDU-Siegs für einen Ministerposten in Düsseldorf vorgesehen ist.

Neues Kombi-Ministerium

Schuh soll das dann noch zusammen zu legende Landesministerium für Wissenschaft und Wirtschaft übernehmen, wie der amtierende Bundesumweltminister Norbert Röttgen in einer längeren Redepassage erläuterte. Dies auch deshalb, weil der Unternehmer und Hochschullehrer als Initiator des Aachener Campus beide Kompetenzen vorbildlich in sich vereine.

Der Aachener CDU-Kreisvorsitzende Laschet, der in einer Regierung Röttgen als designierter Innenminister auf dem Ticket steht, bekam bei der Vorstellung der anwesenden Prominenz - darunter die Bundestagsabgeordneten Rudolf Henke (Stadt), Helmut Brandt (ehemals (Kreis Aachen), Detlef Seif (Euskirchen) und die Europaabgeordnete Sabine Verheyen - spontan Beifall, als er die Nominierung des parteilosen Fachmannes Schuh für das Ministeramt bekanntgab.

Mit der Parteilosigkeit des Kandidaten machte Redner Röttgen so seine Scherze. Die Partei habe sich eben für Sachverstand entschieden, damit sich in der Hochschullandschaft NRWs mit Schuh alles zum Besseren fortentwickeln könne. Dass er parteilos ist, sei weniger schlimm, schließlich könne er sich ja ebenfalls noch fortentwickeln, fügte Röttgen schmunzelnd hinzu.

Vor der absolut pünktlichen Ankunft der Kanzlerin in Aachen hatten Ulla Thönnissen und Armin Laschet eine Nachmittags-Talkrunde eröffnet. So waren Tänzerinnen und Tänzer der erfolgreichen Latein-Formationsgemeinschaft Düsseldorf/Aachen auf der Bühne. Thönnissen fragte Co-Trainer Bernd Waldschmidt aus, was den Erfolg der Formation ausmache. Und ganz praktisch so als Frau, ob die Tänzerinnen sich denn ihren Tanzpartner aussuchen und während der Saison behalten könnten.

Nein, es werde schon gewechselt, war die Antwort. Und Armin Laschet grätschte mit einem fußballerischen Beispiel von der Seite in das Frauengespräch. Der „lieben Ulla” erklärte er: „Bei der Alemannia muss auch ein Stiepermann mit einem Auer zusammenspielen, wenn der Trainer das so will.” Womit man beim Thema des Tages war: dem gestrigen Schicksalspiel der Schwarz-Gelben. Laschet vergaß nicht, sich bei der Kanzlerin zu bedanken, die den Wahlkampfauftritt in Aachen wegen des Spiels gegen Frankfurt vorverlegt hatte. Geplant war, zunächst nach Bonn zu fahren und dann in Aachen zu sprechen. Merkel zeigte sich flexibel und war schnell bereit, die Sache einfach umzudrehen.

Alles in allem war das ein gelungener Wahlkampfauftakt der NRW-CDU, den auch die eher dezent protestierenden Mitglieder der Internet-Aktionsplattform Campact („Demokratie in Aktion”) nicht ernsthaft stören konnten. Die Rede der Kanzlerin kommentierten sie mit ironischen Zwischenrufen und Protestplakaten.

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