Aachen: Kanadagänse machen viel Dreck am Hangeweiher

Aachen : Kanadagänse machen viel Dreck am Hangeweiher

Ein Sommermorgen am Hangeweiher: Ein Steppke will die Gänse füttern. Stapft mutig näher und wirft Brotstückchen hin. Ein Vogel schnappt gierig nach dem Happen — und rennt dann hinter dem Jungen her, der sich schleunigst zu Papa flüchtet. Kein Wunder: Wenn die Gans ihren Kopf reckt, überragt sie den Kleinen fast.

In der Tat ist die Kanadagans (Branta canadensis) ein ziemlich imposanter Entenvogel, sogar noch etwas größer als die heimische Graugans. Ausgewachsene Tiere bringen es auf eine Flügelspannweite von bis zu 1,70 Metern. „Schwarzer Kopf, schwarzer Hals, weißer Kehlfleck“, fasst Winfried Engels vom städtischen Fachbereich Umwelt den tierischen Steckbrief knapp zusammen. Der Biologe ist bei der Kommune der Fachmann für den Artenschutz.

Und unter Artenschutzgesichtspunkten stehen die Kanadagänse durchaus unter Beobachtung, nicht nur in Aachen. Die Kanadagänse waren einmal Neubürger in Deutschland. Beheimatet waren sie ursprünglich in Nordamerika. Nach Europa gebracht wurden sie aber bereits im 17. Jahrhundert, wurden zuerst in England in Volieren und Parks gehalten. Und wie das so sei, sagt Engels: „Einige büxen immer aus.“ So habe sich die Kanadagans auch in Deutschland ausgebreitet.

In Nordrhein-Westfalen wurden Kanadagänse laut Engels erstmals 1959 nachgewiesen. „Der erste Brutnachweis stammt aus den 1970er Jahren“, sagt er. Mittlerweile leben etliche 1000 Brutpaare in NRW, und vor allem im dicht besiedelten Ruhrgebiet werden sie immer häufiger zur Plage.

Ein bisschen Plage sind sie auch in Aachen, wo erstmals in den 1980er Jahren Kanadagänse gesichtet wurden. Im Kaiser-Friedrich-Park am Hangeweiher watscheln an diesem Morgen bestimmt 30 Tiere übers Gras. „Sie grasen hier und halten das Gras kurz“, sagt Engels. „Für die Kollegen vom Stadtbetrieb ist das die positive Seite.“ Die negative gibt es allerdings auch: Die Vögel produzieren reichlich Kot. Und die Leute vom Stadtbetrieb haben alle Hände voll zu tun, Park und Liegewiese einigermaßen sauber zu halten.

Dreck auf Wegen und Wiesen

Jede Woche säubern sie Wege Uferflächen und Wiesen vom Dreck, den die Gänse hinterlassen. „Drei bis vier Leute haben da je nach Verschmutzung zwei bis vier Stunden zu tun“, berichtet Michael Speck, Revierleiter Nord-West beim Stadtbetrieb. Zum Einsatz gegen den Gänsekot kommt dann sogar die Rasenkehrmaschine, die sonst im Herbst das Laub vom Gras fegt. Allein im Kaiser-Friedrich-Park, sagt Speck, hätten die Kollegen im vergangenen Jahr manchmal eine Tonne Kot im Monat zusammengekehrt. „Zu Spitzenzeiten mussten wir im Sommer alle zwei Tage raus.“

Auch für den Kahnweiher sind die Ausscheidungen der Kanadagänse nicht unbedingt eine Bereicherung. „Durch den Kot gelangen zu viele Nährstoffe in den Hangeweiher“, sagt Winfried Engels. Genau gezählt hat zwar noch niemand, aber Engels schätzt die Zahl der Kanadagänse in Aachen auf mindestens 100 Tiere, Tendenz steigend.

Und die Vögel haben nicht von ungefähr einen innerstädtischen Park zu ihrem Zuhause gemacht. Das Nahrungsangebot ist gut. Auf dem Rasen lässt sich prima grasen, und manche Aachener stecken den Vögeln gerne etwas zu — auch wenn das eigentlich verboten ist. Am Weiher sind eigens Schilder aufgestellt mit der dringenden Bitte, die Vögel nicht zu füttern. „Fressfeinde wie den Fuchs gibt es in der Stadt auch weniger“, sagt der Biologe.

Selten aggressiv

Aggressiv würden Kanadagänse eigentlich nur, wenn man ihren Jungtieren zu nahe komme, sagt Engels. „Ansonsten gehen sie nicht aggressiv auf Menschen zu.“ Das Hauptärgernis — zumindest in Aachen — ist offenbar der Dreck in den Grünanlagen. Allerdings stehen die Kanadagänse im Verdacht, andere Gänse- und Entenarten zu verdrängen. In manchen NRW-Städten werden Kanadagänse mittlerweile auch in Freibädern zur Plage. Damit haben die Aachener bisher kein Problem. Schließlich gibt’s hier gleich nebenan einen Park mit Wasser und offenen Flächen. Da muss keine Gans ins Freibad gehen.

Unterm Strich, sagt Engels, seien die Gänse in Aachen bisher kein dramatisches Problem: „Man arrangiert sich ganz gut.“

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