Aachen: Kampf um qualifizierte Fachkräfte: Stadt als moderner und attraktiver Arbeitgeber

Aachen : Kampf um qualifizierte Fachkräfte: Stadt als moderner und attraktiver Arbeitgeber

Nach acht Jahren verabschiedet sich die Stadt wieder von einem von Anfang an schwer umstrittenen Instrument zur Senkung der Verwaltungskosten: Die von CDU und Grünen im Jahr 2010 zur Haushaltskonsolidierung eingeführte Wiederbesetzungssperre wird abgeschafft.

Die Wiederbesetzungssperre stehe im Widerspruch zur neuen Personalgewinnungsstrategie, mit der die Stadt ab sofort den Kampf um qualifizierte Fachkräfte aufnehmen will, heißt es seitens der Fachverwaltung. Das neue Konzept soll am kommenden Donnerstag im Personal- und Verwaltungsausschuss beraten und zügig umgesetzt werden.

Seit 2010 galt verwaltungsintern der Grundsatz, dass frei werdende Stellen erst nach sechs Monaten wiederbesetzt werden durften. Ausnahmen waren nur in bestimmten Fällen möglich. Dieses Prinzip soll nun umgekehrt werden: In der Regel sollen alle frei werdenden Stellen sofort wiederbesetzt werden, nur in Ausnahmen kann die Verwaltungsleitung auch anders entscheiden.

„Unsinnig und unkreativ“

Zu den schärfsten Kritikern der Wiederbesetzungssperre zählten in der Vergangenheit insbesondere die Linken und die FDP. Aber auch die SPD hat sie zuletzt immer wieder als „unsinnig“ und „unkreativ“ kritisiert. Es sei Blödsinn, es dem Zufall zu überlassen, ob eine Stelle unbesetzt bleibt oder nicht, sagt SPD-Fraktionschef Michael Servos: „Entweder braucht man die Stelle, dann muss sie auch sofort besetzt werden, oder man braucht sie nicht.“ Dann könne man sie aber auch ganz streichen.

Die neue Einsicht ist insbesondere dem Personaldezernenten Markus Kremer zu verdanken, der sich seit längerem für eine personell gut ausgestattete Verwaltung stark macht. Unter seiner Regie wurde nun ein umfangreiches Strategiepapier zur Personalgewinnung erarbeitet, das in der Politik hochgelobt wird. „Richtig gut durchdacht“, nennt es Ellen Begolli (Linke). Und auch Servos zeigt sich „froh“ über das Ergebnis, da er damit auch ein Versprechen gegenüber den Beschäftigten einhalten könne.

Die Stadt will sich künftig als moderner und attraktiver Arbeitgeber im Wettbewerb mit anderen Kommunen und der freien Wirtschaft präsentieren. Unter anderem sollen befristete Stellen weitgehend entfristet werden und finanzielle Anreize für einen Wechsel in die Verwaltung geboten werden. Eine spezielle Karriereseite und ein neues Bewerberportal sollen auch die neuen Medien für Werbezwecke in eigener Sache nutzen. Flexible Arbeitszeitgestaltung, gute Weiterbildungsangebote, leistungsgerechte Bezahlung, Zusatzprämien, gute Altersvorsorge, moderne Büros, Teilzeitangebote und selbst Hilfen bei der Wohnungssuche für Auszubildende sind nur einige der Maßnahmen, mit denen die Verwaltung künftig Fachkräfte an sich binden will.

Aufgefangen werden sollen damit nicht nur die vielen altersbedingten Personalabgänge, die in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen werden. Besetzt werden sollen so auch die vielen freien Stellen, die die Verwaltung schon jetzt vor Probleme stellen — etwa in den Kindertagesstätten, bei der Feuerwehr oder auch in den Ingenieurberufen und den IT-Abteilungen.

(gei)
Mehr von Aachener Nachrichten