Aachen: Kampf gegen wachsende Kluft zwischen Arm und Reich

Aachen: Kampf gegen wachsende Kluft zwischen Arm und Reich

Wer mit Leo Deumens durch Aachen geht, muss nicht befürchten, von Groupies oder Autogrammjägern belästigt zu werden. So bekannt ist der Oberbügermeister-Kandidat der Linken, der erste in der Partei in Aachen, nicht.

Immerhin hat der neue Nebenjob ihn aber „katapultartig“ in die Höhe gehoben. So viele Pflichten sind jetzt zu erledigen oder Termine abzuhaken, dass er für zwei Wochen Urlaub von seinem Beruf als Post-Angestellter genommen hat. Ungerechtigkeiten sind sein Thema, etwa durch die Agenda 2010 des Alt-Kanzlers Gerhard Schröder, die ihn in die Politik gebracht hat.

2005 trat der gebürtige Geilenkirchener, der seit 19 Jahren in Aachen lebt, der Wahlalternative Arbeit und Gerechtigkeit (WASG) bei, ebenso wie viele enttäuschte Gewerkschafter und Sozialdemokraten. Zwei Jahre später schloss sich die WASG mit der Linken zusammen. 2009, bei der letzten Kommunalwahl, kandidierte Leo Deumens auf Platz 4 der Wahlliste.

Die Partei holte 4,13 Prozent und drei Mandate. Deumens blieb draußen, erwartet jetzt aber ein besseres Ergebnis, fünf Prozent plus x. Und da er jetzt auf Platz 2 steht, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn Deumens, der sich in den letzten fünf Jahren als sachkundiger Bürger im Sozialausschuss und im Bürgerforum engagiert hat, nicht im nächsten Rat vertreten wäre. Dass man (wie jetzt zu dritt) wieder den Fraktionsstatus erreicht, wünscht er sich, „das erleichtert die Arbeit ungemein“.

Dann wird er sich für die Positionen einsetzen, die er als „sozial und gerecht“ bezeichnet. Damit meint er etwa die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, auch in Aachen: 10.000 Kinder und deren Familien sind auf finanzielle Hilfen angewiesen, diese Zahl ist für ihn eindeutig zu hoch. Andere Handlungsfelder sind die Wohnungspolitik, in der viel zu wenig preiswerter Wohnraum geschaffen worden sei, ein Sozialtarif für mittellose Stromkunden oder die Forderung nach einem günstigen Mobilitätsticket für Hartz-IV-Empfänger. Überregional tritt er für einen höheren Mindestlohn und eine stärkere Besteuerung von hohen Einkommen und Vermögen ein.

Was hält er von Absprachen nach der Wahl am 25. Mai? Wenig: „Ich bin der Meinung, dass eine Koalition unter den gegebenen Umständen nicht in Frage kommt.“ Wohl aber punktuelle Zusammenarbeit, wie sie in den letzten Monaten seit dem Bruch der schwarz-grünen Mehrheitskoalition vor einem Jahr mit SPD, Grünen und sogar FDP erfolgreich gewesen sei, etwa gemeinsame Ratsanträge zur Antoniusstraße, Wohnungspolitik oder Nazi-Aufmärschen vor dem Stadttheater. Doch am Ende würde die Partei entscheiden. „Wichtig ist, dass wir etwas für die Menschen erreichen.“

Auf beiden Seiten

In der Ukraine-Frage sieht Deumens die Verantwortung auf beiden Seiten, Putin einseitig als Bösewicht darzustellen, sei falsch. Und für Aachen fallen ihm noch viele Themen ein: ein moderner ÖPNV oder die Innenstadtentwicklung, die nicht zu sehr Investoren überlassen werden dürfte.

Mehr von Aachener Nachrichten