Aachen: Kampf gegen Spaltung Richterichs nun auch in Düsseldorf Thema

Aachen : Kampf gegen Spaltung Richterichs nun auch in Düsseldorf Thema

Darin sind sich wirklich alle einig: So geht‘s nicht! Der anstehende Neubau der maroden Brücke über die Eisenbahnlinie an der Horbacher Straße in Richterich droht zwar den Stadtteil für die Zeit der rund eineinhalbjährigen Bauzeit zu spalten, die Bezirksvertreter und Kommunalpolitiker jeglicher Couleur bis hinein in den Landtag nach Düsseldorf hingegen eint sie in ihrem Kampf um Alternativen.

Seit knapp einem Jahr ist bekannt, dass die Brücke — die einzige Verbindung von Alt-Richterich mit Kirche, Sportplatz und Jugendzentrum sowie Horbach auf der einen und dem Verwaltungs- und Geschäftszentrum Richterichs auf der anderen Seite der Bahnlinie — durch einen Neubau ersetzt werden muss, und zwar bei vollständiger Sperrung ohne Möglichkeit, eine Ersatz- oder Behelfsbrücke zu errichten.

Seitdem versuchen die Bezirkspolitiker, den Brückenneubau mit der geplanten Ortsumgehung für das Neubaugebiet Richtericher Dell zu verknüpfen, und zwar nach dem Motto: erst die Umgehung, dann der Brückenneubau. Denn somit wäre das Umleitungsproblem gelöst, da alle denkbaren Alternativstrecken, die aus Richtung Aachen durch Laurensberg und Vetschau oder aus Herzogenrath über Uersfeld nach Alt-Richterich und Horbach führen, als ungeeignet erscheinen, weil sie entweder durch Wohngebiete führen (Karl-Friedrich-Straße, Vetschau), ohnehin bereits stark belastet sind (Rathausstraße) oder schlicht zu eng (Uersfeld) sind.

„Fachlich nicht zu vertreten“

Der Landesbetrieb Straßenbau hingegen hat diesem Ansinnen nun erneut eine Absage erteilt. In einem Sachstandsbericht für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung am 12. September teilt er mit: „Wie Ihnen bereits bekannt ist, ist dieses Bauwerk bis 2021 durch einen Ersatzneubau zu ersetzen.“ Und weiter: „Für den Abriss und den Neubau ist eine Vollsperrung unvermeidlich. [...] Eine Verschiebung des Fertigstellungstermins (erforderlich bis 2021) auf einen unbekannten Termin nach der Fertigstellung der geplanten beziehungsweise sich in Planung befindlichen Umgehungsstraße ist fachlich nicht zu vertreten.“

„Das ist fatal“, sagt die Richte­richer Bezirksbürgermeisterin Marlis Köhne dazu. Doch ihr Ärger richtet sich weniger gegen den Landesbetrieb Straßenbau als vielmehr gegen die Aachener Verwaltung, denn aus ihrer Sicht kommt nicht etwa die Brückensanierung zu früh, sondern die Umgehungsstraße zu spät. „Wir warten auf die Ortsumgehung ja schon seit 2012 und haben seitdem viel Zeit verloren“, sagt sie und zählt auf: etwa ein Jahr damit, dass man eine Brücke über die Bahnlinie geplant habe, statt eines Tunnels, der nun favorisiert werde, sowie noch einmal sechs Monate wegen eines Streits um den Standort des neuen Feuerwehrgerätehauses für Richte­rich. „Und jetzt bleiben uns gerade mal noch zwei Jahre für Verhandlungen mit dem Landesbetrieb und der Deutschen Bahn.“ Denn so viel steht für sie fest: „Wir können Alt-Rich­terich und Horbach nicht für eineinhalb Jahre lahmlegen.“

Ihr CDU-Kollege in Richterich, Holger Brantin, schlägt in dieselbe Kerbe: „Ich habe überhaupt kein Verständnis für das Verhalten der Verwaltung.“ Spätestens seit der Kommunalwahl 2014 sei es in Sachen Ortsumgehung nicht vorangegangen. Jetzt sei die Verwaltung dringend gehalten, ein Verkehrskonzept für die Umbauzeit zu erarbeiten, um den Kollaps in Rich­terich und auf den Umleitungsstrecken drum herum zu vermeiden, fordert der Aachener CDU-Chef. Die zeitliche Not, die nun wegen des anstehenden Brückenneubaus entstehe, „zeigt die Versäumnisse der letzten Jahre“.

Ein umfassendes Verkehrskonzept erwartet jetzt auch Horst Werner. Er ist Fraktionssprecher der SPD in der Richte­richer Bezirksvertretung, auf deren Antrag hin der Sachstandsbericht erfolgt ist. „Wichtig ist es, die Anwohner — auch an den Umleitungsstrecken — frühzeitig mit ins Boot zu holen und zu beteiligen. Und nicht etwa vor vollendete Tatsachen zu stellen.“

Aber vielleicht muss es ja selbst nach dem aktuellen Sachstandsbericht des Landesbetriebs gar nicht so weit kommen. Manfred Kuckelkorn, stellvertretender Bezirksbürgermeister in Richterich, jedenfalls will die Flinte noch lange nicht ins Korn werfen und bringt einen Kompromissvorschlag ins Spiel: „Wir könnten die Brücke für den Schwerlastverkehr sperren“, schlägt er vor, „so dass die Brücke weniger belastet ist und somit noch länger hält.“ Vielleicht sogar so lange, bis die Ortsumgehung, die nach aktueller Planung 2023 fertiggestellt werden soll, Realität ist.

Schultheis: „Das geht gar nicht“

Einen prominenten Mitstreiter und Befürworter dieses Vorschlags hat Kuckelkorn in seinem Aachener Parteichef und SPD-Landtagsabgeordneten, Karl Schultheis, jedenfalls schon gefunden. Schultheis hatte bereits einen weiteren SPD-Antrag in dieser Sache an den Planungsausschuss mit unterzeichnet. Denn auch für ihn steht fest: Ein Brückenabriss ohne fertiggestellte Ortsumgehung, „das geht gar nicht“.

Deshalb werde er nun erneut das Gespräch mit dem Landesbetrieb Straßenbau suchen „und gegebenenfalls sogar den zuständigen Landesverkehrsministers Hendrik Wüst mit einbeziehen“, kündigte Schultheis an. Bis zu einer möglichen Lösung habe für ihn erste Priorität, die Belastung für die Brücke zu verringern, womit er den Vorschlag seines Parteifreundes Manfred Kuckelkorn aufgreift. Das bedeute, die Brücke für den Schwerlastverkehr zu sperren, um so Zeit für die Fertigstellung der Ortsumgehung zu gewinnen. Außerdem möchte Schultheis die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde, die wegen der Brückenschäden bereits jetzt dort gilt, genauer kontrollieren lassen. „Da müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden, damit das Tempo 30 dort eingehalten wird“, sagt Schultheis im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Kampf gegen die Spaltung Richterichs hat also die Landespolitik erreicht. Fortsetzung folgt.

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