Kammermusik im Krönungssaal: Trio begeistert mit Zusammenspiel

Accordate-Kammermusikreihe : Trio mit traumhaft sicherem Zusammenspiel

Tanja Tetzlaff, Christian Tetzlaff und Lars Vogt überzeugen bei Accordate-Reihe mit romantischer Kammermusik.

Wenn Musiker wie der Geiger Christian Tetzlaff, die Cellistin Tanja Tetzlaff und der Pianist Lars Vogt zu einem gemeinsamen Konzert in Trio-Besetzung angekündigt sind, dann kann der Hörer schon ahnen, was ihn erwartet: Unbedingtheit des Ausdrucks und höchste Intensität des Musizierens. Diese Erwartungshaltung erfüllte sich denn auch bei ihrem Auftritt in der Accordate-Kammermusikreihe im wieder einmal voll besetzten Krönungsaal.

Die drei Musiker warteten mit einem Programm romantischer Kammermusik auf, das mit Werken von Robert Schumann, Johannes Brahms und Antonín Dvořák Perlen des Repertoires enthielt. Schumanns 2. Klaviertrio F-Dur entstand in einer Zeit der Hochstimmung des Komponisten, und das ist dem Stück anzumerken. In der Interpretation von Tetzlaff/Vogt werden bei aller Gelöstheit des Musizierens dennoch immer wieder Abgründe spürbar, vor allem in den beiden Ecksätzen, in denen die stimmungsmäßigen Kontraste deutlich herausgearbeitet werden. Die Verbindung von liedhafter Thematik mit teilweise strenger Kontrapunktik findet in der Wiedergabe durch das Trio nicht zuletzt durch scharfe dynamische Kontraste ihren Niederschlag.Wunderschön fließend gelang die Wiedergabe des zauberhaften langsamen Satzes.

Auch beim 2. Trio C-Dur von Brahms steht nicht einseitig Tonschönheit im Vordergrund. Vor allem im Finale kann Lars Vogt schon einmal klanglich in die Vollen gehen, wobei ansonsten die Klangbalance zwischen Streichern und Klavier immer gewährleistet ist. Faszinierend ist das traumhaft sichere Zusammenspiel der drei, das gemeinsame Atmen, die perfekte Abstimmung in Artikulation und Phrasierung und der dynamischen Kurven, die von kaum mehr wahrnehmbaren unteren Stärkegraden bis zu extremen klanglichen Entladungen reichen. Immer steht die Unmittelbarkeit des Ausdrucks im Vordergrund, die emotionale und strukturelle Ausleuchtung der Komposition.

Die Variationen des zweiten Satzes bieten vor allem der Cellistin und dem Pianisten ausgiebig Gelegenheit zum Ausspielen schöner Kantilenen, die ausgiebig genutzt werden. Dvoráks Trio c-Moll „Dumky“ mit seinen aus der Gattungsgeschichte vorgegeben abrupten Stimmungs- und Tempoumschwüngen bietet den Dreien eine Idealvorlage für ihren auf Unbedingtheit und Tiefe das Ausdrucks angelegten Interpretationsansatz. Diese Intensität des Musizierens, diese bohrende Ausdruckskraft, die das slawische Kolorit dieser Musik eindringlich zum Klingen bringt, stößt in emotionale Grenzbereiche vor.

Das Publikum honorierte diese atemberaubenden Interpretationen mit Standing Ovations und durfte sich noch an der Zugabe des Scherzos aus Dvoráks B-Dur-Trio erfreuen.

(Thomas Beaujean)