Aachen: Kameras am Bushof: Weniger Delikte, mehr Einsätze

Aachen : Kameras am Bushof: Weniger Delikte, mehr Einsätze

Dass bei der einschlägigen Szene am Bushof größtenteils Faustrecht herrscht, kann Oberkommissar Andreas Berg an seinen Monitoren regelmäßig beobachten. Seit rund sechs Monaten ist die Videobeobachtung dort und in einigen umliegenden Straßen im Einsatz — Körperverletzung und Drohung gehören mit zu den angesagteren Delikten.

„Man sieht, wenn sich etwas anbahnt, wenn sich zwei verbal schon beharken“, erklärt Berg. Dann werden Beamte alarmiert und gleich losgeschickt. Bevor die Polizei eine Bilanz inklusive detaillierter Bewertung der Videoüberwachung in Aachen zieht, will sie das erste Jahr im Einsatz abwarten. Das wäre demnach Mitte Februar 2018. Wie die Einschätzung Anfang kommenden Jahres ausfallen könnte, darauf weisen etliche Indizien aber schon jetzt hin.

Der Verkauf von Drogen gehört ebenfalls zu den an den Bildschirmen am häufigsten beobachteten Delikten, sagt Berg. „Ladendiebe sieht man auch, die in der Citypassage alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist.“ Und trotzdem: Die Kriminalitätszahlen sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im videobeobachteten Bereich gesunken, stellt Paul Kemen von der Pressestelle der Aachener Polizei fest.

Wurden im ersten Quartal 2016 noch 314 Delikte gezählt, waren es im ersten Quartal dieses Jahres nur noch 209. Im zweiten Quartal sank die Zahl von 248 auf 184. Ein massiver Rückgang, den man sich eigentlich nur damit erklären könne, dass die Videobeobachtungsanlage auch präventiv wirkt, Täter also abschreckt. Ein Phänomen dagegen sei, dass die Zahl der Einsätze in dem Bereich gleichzeitig merklich gestiegen sei. Eine Erklärung hat die Polizei für diese Entwicklung nicht.

Denn dass die Videobeobachtung für die gestiegenen Einsatzzahlen verantwortlich ist, konnte die Polizei nicht feststellen. 25 Einsätze haben die Beamten, die die Kameras bedienen und die beobachteten Orte im Blick halten — etwa 20 bis 25 sind es derzeit —, vom Bildschirm aus veranlasst. Dabei ging es nach Auskunft aus dem Präsidium um Schlägereien, Hehlerei, Taschendiebstahl, hilflose oder verdächtige Personen und einen Unfall. Sicher ist, dass die Kameras dabei helfen, Straftäter zu schnappen (Beispiele am Ende des Textes).

Gleich nach Installation der Kameras hatte die Polizei ein scharfes Auge auf den Kriminalitätsschwerpunkt Bushof geworfen, um einen möglichen Verlagerungseffekt frühzeitig erkennen zu können. Es bestand die Möglichkeit, dass Kriminelle sich einfach an weniger beobachtete Plätze verziehen, um ihrem Tun nachzugehen. Ähnliches hatte man damals nach Einrichtung der Videobeobachtung am Elisenbrunnen erlebt — zumindest kurzfristig in der ersten Zeit. Da hatte sich, erzählt Kemen, die Szene Richtung Bushof verlagert. Ein ähnlicher Effekt sei nach Einrichtung der Videobeobachtung rund um den Bushof jedoch nicht eingetreten.

Das regt zum Nachdenken an: Warum sind etwa Drogendealer oder Diebe mehrfach aufgefallen und bei krummen Dingern erwischt worden in einem Bereich, der von der Polizei mit Videokameras überwacht wird? Hat sich das noch nicht herumgesprochen, ist die entsprechende Klientel nicht clever genug oder ist es ihr egal? Oder gibt es einen ganz anderen Grund? „Eventuell hat es sich noch nicht herumgesprochen“, sagt Berg. „Die wenigsten unserer Altbekannten dort lesen die Tageszeitung.“ Auf der anderen Seite sollte sich so etwas aber schon in der Szene herumsprechen. Am Ende bliebe eine Antwort Spekulation.

Ständig besetzt sind die beiden Bildschirme, auf denen Bushof und Peterstraße, Blondelstraße, Peterskirchhof und Kurhausstraße zu sehen sind, nicht. Beobachtet wird vor allem zu den tatintensiven Zeiten, wie es heißt: montags bis samstags von 14 bis 22 Uhr, freitags und samstags zusätzlich noch einmal von 22 bis 6 Uhr morgens. Am 1. September sollen die für die Videobeobachtung zuständigen Kollegen mitsamt den wichtigen Bildschirmen umziehen. Dann wird von der Hauptwache aus beobachtet.

Am Bildschirm den Tätern auf den Fersen

In einigen Fällen hat die Videobeobachtung im Bereich des Bushofs und angrenzender Straßen bereits dazu beigetragen, nach Delikten die Straftäter zu schnappen:

Ein Samstagabend Mitte März am Peterskirchhof: Ein Zeuge beobachtet einen Mann, der eine Autoscheibe einschlägt und eine Handtasche aus dem Wagen stiehlt. Mit der Beute flüchtet er Richtung Alexanderstraße. Dort sieht ihn eine Frau, der die Damenhandtasche unter dem Männerarm suspekt vorkommt. Sie verständigt die Polizei. Dank ihrer guten Beschreibung kann der Täter mithilfe der Videobeobachtung am Bushof ausgemacht werden. Beamte können ihn stellen und festnehmen.Der 46-Jährige ist der Polizei bereits bestens bekannt.

Anfang April in der Peterstraße: Zwei Männer klingeln am Nachmittag an der Wohnungstür eines 86-jährigen Mannes. Der Senior öffnet und einer der beiden Täter drückt ihn gleich gegen die Wand, um seine Brieftasche an sich zu nehmen. Der andere steht Schmiere. Als die beiden mit ihrer Beute die Flucht antreten, schlägt der 86-Jährige mit seiner Gehhilfe noch nach den Tätern und erwischt einen von ihnen am Kopf.

Unmittelbar nach dem Raub werden die Bilder der Videobeobachtung des Tatzeitraums und -orts ausgewertet. Nun ist klar, wie die Verdächtigen aussehen. Die gleich eingeleitete Fahndung ist erfolgreich: Beide werden in der Stift-straße geschnappt. Einer der beiden hat eine Platzwunde am Kopf.

Gegen Ende April ein weiterer Erfolg: Auf den Videobildern der Überwachungskameras fällt einem Beamten eine verdächtige Personengruppe am Eingang zur Citypassage auf. Reges Treiben innerhalb der Truppe und ein ständiger Austausch von Gegenständen legt die Vermutung nahe, dass dort Drogen verkauft werden. Nachdem Beamte von Ordnungsamt und Polizei die Personen vor Ort überprüfen, finden sie bei zweien tatsächlich Drogen und Bargeld in kleinen Scheinen.

Als die Beamten das Geld sicherstellen, reagieren die beiden wütend und werden äußerst aggressiv. Bei der Festnahme wird ein Polizist leicht verletzt. Die beiden 18 und 23 Jahre alten Männer sind der Polizei bereits bestens bekannt.

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